FeedStolpe
ErdkundeBrockhaus 1882

Stolpe, Küstenfluß Hinterpommerns, entsteht nahe dem Lupowzuflusse Bukowina auf dem gegen 230 m hohen Plateau von Bonczkahutta bei dem Dorfe Sierakowitz im Regierungsbezirk Danzig. Der Fluß läuft südlich durch den Gowidlino⸗ und Wengorzynsee, alsdann von Sullenczyn bis zur Mündung der Kamenz westwärts und endlich gegen NW. bis zur Mündung bei Stolpemünde in die Ostsee. Die S. ist mit ihrem vielfach gekrümmten Laufe 150 km lang und 112 km (von der Grenze Pommerns an) flößbar. Sie verstärkt sich rechts durch die Schottow, links durch die Bütow und die Kamenz, die alle drei flößbar sind. Die an diesem Flusse im pommerschen Regierungsbezirk Köslin liegende Kreisstadt Stolpe, gewöhnlich Stolp genannt, mit (1885) 22 431 E., Station der Linien Stargard-Danzig und Neustettin-Stolpmünde der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Land⸗ und eines Amtsgerichts, eines Landratsamts und einer Reichsbankstelle, und besteht aus der Alt⸗ und Neustadt und fünf Vorstädten. Sie hat ein Schloß, drei evang. Kirchen, unter denen die Schloßkirche und besonders die 1311 erbaute große Marienkirche mit einem 48,5 m Lz, Turm sich auszeichnen, eine kath. und eine uth. Kirche, ein Bethaus der Irvingianer, ein Gymnasium, eine höhere Bürgerschule, eine höhere Töchterschule und ein Invalidenhaus. Die Bevölkerung treibt Bernsteindreherei, Leinweberei, Ackerbau, Lachs⸗, Spiritus⸗, Holz⸗ und Gänsehandel sowie einigen Seehandel. Etwa 26 km davon, an der Mündung der S., liegt der Hafen Stolpmünde (l. d.). Die Stadt S., schon im 11. Jahrh. ein Flecken, kam 1273 an Brandenburg, erhielt 1310 Stadtrecht, war später Hansestadt und abwechselnd im Besitz des Deutschen Ordens und der Herzöge von Pommern. Der Kreis Stolpe zählt auf 2267 qkm (1885) 98 408 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 263Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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