Stosch (Philipp, Baron von), verdienstvoller Kunstkenner, geb. 22. März 1691 zu Küstrin, widmete sich den theol. und humanistischen Studien zu Frankfurt a. O. und suchte dann auf Reisen durch Deutschland, Holland, England, Frankreich und Italien die Kenntnis der alten Kunstdenkmäler, die später die Hauptaufgabe seines Lebens blieb, weiter auszubilden. Vor allem beschäftigte er sich mit den geschnittenen Steinen, in deren Beurteilung er sich eine große Sicherheit erwarb. Später lebte er als engl. Agent in Rom und seit 1731 in Florenz, wo er einen reichen Schatz von Kunstsachen aller Art sammelte. Er starb daselbst 7. Nov. 1757. Berühmt wurden S.s Sammlungen erst nach seinem Tode, namentlich durch Winckelmann. Landkarten, Kupferstiche, Zeichnungen (zusammen 324 Folianten, die sich jetzt in der kaiserl. Bibliothek zu Wien befinden), Bronzen, alte und neue Münzen, besonders aber geschnittene Steine fanden darin ihre Stelle. Die Schwefelabgüsse alter Gemmen beliefen sich auf 14000 Stück. Den danach zusammengestellten musterhaften Katalog gab Winckelmann unter dem Titel 4Description des pierres gravées du feu Baron de S.v (Florenz 1760) heraus, nachdem S. selbst schon früher die Schrift «Gemmae antiquae celatae, sculptorum nominibus insignitaen (Amsterd. 1724) bekannt gemacht Wuumn König Friedrich II. kaufte 1770 S.s Hauptammlung, bestehend aus 3444 Intaglios, alten Steinen und Pasten, mit Ausnahme der etrurischen Gemmen, die nach Neapel verkauft waren, von dessen Erben Muzel-Stosch für 30000 Thlr. Der Prinz von Wales erstand die Sammlung von Abgüssen neuerer Münzen für 1000 Dukaten. Eine Sammlung Schwefelabgüsse alter Steine, über 28 000 Stuck, kam in der Folge in Tassies Besitz. Von den vom Kupferstecher Schweickardt 1775 begonnenen Kupferabdrücken der Sammlung Ses erschien nur das erste Heft in sechs Blättern. Eine Auswahl von Gemmen aus dem Kabinett S.s findet sich in Schlichtegrolls Dactyliotheca Stoschiana (2 Bde., Nürnb. 1797—1805).