FeedStrauß (Struthio)
TierreichBrockhaus 1882

Strauß (Struthio), eine Gattung aus der Ordnung der Kurzflügler (Brevipennes s. Ratitae). Der gemeine oder afrikanische Strauß (S. Camélus, Tafel: Straußvögel, Fig. 2, Schädel, Fig. 3), welcher der größte unter allen jetzt lebenden Vögeln ist, lebt in den Wüsten Afrikas, und seine ganze Organisation ist, wie bei dem Kamel, für den Aufenthalt in der Wüste eingerichtet. Seine Länge beträgt 2—3 m und sein Gewicht 40—45 kg. Die Flügel sind zum Fluge ganz ungeeignet und mit langen, weichen, zerschlitzten Schwungfedern besetzt. Dafür sind aber seine Füße außerordentlich entwickelt, ungemein stark und hoch, selbst an den Schenkeln nackt, mit dichter, lederartiger Haut überzogen und nur mit zwei, nach vorn gerichteten schwieligen Zehen (Fig. 4) versehen. Mit ihnen kann er einen 1,3 mlangen Schritt machen, der aber beim schnellen Laufen zum 3 m langen Sprunge wird. Seine Schnelligkeit ist daher auch so groß, daß selbst die besten Pferde den S. nicht einzuholen oder doch ihm nicht lange zur Seite zu bleiben vermögen. Gegen Verfolgung sucht der S. sein Heil stets in der Flucht, und nur, wenn er in die Enge getrieben, verteidigt er sich durch Hiebe mit dem Schnabel und durch Schlagen mit den Füßen und den 2. Oehr Seine Nahrung besteht nur aus Pflanzen. Sehr groß ist aber seine Gefräßigkeit, wie auch die Kraft seiner Verdauung, welche hauptsächlich durch einen Vormagen unterstützt wird, der einen sehr kräftig auflösenden Saft absondert. Der S. lebt in Polygamie. Ein Männchen versammelt vier bis sechs Weibchen um sich, welche mit ihren Eiern ein gemeinschaftliches Nest füllen, das aus einer ausgescharrten Grube besteht. Jedes Weibchen legt 12— 16 Cier, von denen jedes 1,25 Kg schwer ist und drei hungerige Personen vollauf zu sättigen vermag; jedoch steht ihr Geschmack bedeutend unter dem der Hühnereiner. Die harten, festen Eierschalen dienen den Eingeborenen jener Gegenden zu Gefäßen. Beim Brüten lösen sich am Tage die Weibchen einander ab; auch wird die Brütung am Tage gelegentlich der Sonne allein überlassen. Des Nachts brütet das Männchen. In neuester Zeit ist aus Somaliland noch eine andere Art oder wenigstens sehr charakteristische Rasse des S. bekannt geworden. Die Jagd auf S. ist sehr schwierig. Die Araber hetzen ihn zu Pferde in Trupps, die sich verteilen und ablösen, bis das müde Tier sich erschöpft in den Sand streckt. Man jagt den S. hauptsächlich wegen der schönen zerfaserten Deckfedern des Schwanzes und der Flügel (Strau ßenfedern), welche aber jetzt im Orient einen höhern Wert als in Europa haben. Die besten Straußenfedern erhält man aus dem Innern Nordafrikas, wo man die S. deshalb als Haustiere hält, um ihnen jene Federn auszuziehen, was binnen zwei Nebun dreimal geschieht. Jetzt züchtet man die Vögel am Kap und in Algerien; die Federn der wilden S. stehen indessen höher im Preise. Die Körperfedern des Männchens sind schwarz, die des Weibchens braun; nur die Schwingfedern und Schwanzdecken sind schneeweiß, bisweilen mit schwarzem Saum oder schwarzer Spitze. Die Haut und das Fett der S. werden gleichfalls benutzt; das Fleisch der erwachsenen S. ist aber hart, schwarz und unschmackhaft. Die amerikanischen Strauße haben dreizehige Füße und einen durchaus befiederten Kopf und bilden deshalb eine besondere Gattung, Nandu (Rhea), von welcher man jetzt drei Arten in Südamerika gefunden hat, die aber nur 1½ m lang sind, sonst aber in Lebensweise ganz mit dem Ieamm S. übereinkommen. Der gewöhniche Nandu (Rhea Americana, Fig. 5) lebt hauptsächlich in den Pampas und streift bis in die öden Küstengegenden Patagoniens. Man fängt ihn besonders mittels der Bolas. Seine graulichbraunen Schwingfedern kommen über Buenos-Ayres häufig nach Europa, wo sie zu Zieraten und Wedeln gebunden werden. Ebenfalls dreizehig ist der australische S. oder Emu (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 294Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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