FeedStrauß (Gerhard Friedr. Abraham)
ReligionBrockhaus 1882

Strauß (Gerhard Friedr. Abraham), namhafter deutscher Theolog, geb. 24. Sept. 1786 zu Iserlohn, widmete sich zu Halle und Heidelberg theol. Studien, wurde 1809 Pfarrer zu Ronsdorf im Herzogtum Berg und 1841 Prediger in Elberfeld. Im J. 1822 folgte er einem Rufe als Hof⸗ und Domprediger sowie als Professor nach Berlin, wo er zum Wirkl. Oberkonsistorialrat im Ministerium der geistlichen Angelegenheiten und zum Mitglied des Evangelischen Oberkirchenrats ernannt wurde und 19. Juli 1863 als Oberhofprediger starb. S. veröffentlichte „Glockentöne, oder Erinnerungen aus dem Leben eines jungen Geistlichen» (3 Bochn., Elberf. 1812 —20; 7. Aufl., Lpz. 1840) und «Abendglockentöne, Erinnerungen eines alten Geistlichen o (herausg. von Friedr. Adolf Strauß, Berl. 1868); ferner (Helons Wallfahrt nach Jerusalem, 109 Jahre vor der Geburt unsers Herrno (4 Bde., Elberf. 1820 —23), «Solapredigten über die Rechtfertigung durch den Glauben und das Wort Gottess (2 Bde., Berl. 1846), sowie eine sehr verbreitete Sammlung von biblischen Sprüchen» (17. Aufl., Halle 1876) für den Religionsunterricht. Friedrich Adolf S., Sohn des vorigen, geb. 1. Juni 1817 in Elberfeld, studierte in Berlin, wurde dann zum Hilfsprediger an der Hof⸗ und Domkirche ernannt und machte 1845 eine wissenschaftlich-kirchliche Reise in das Morgenland. Im J. 1847 zum Divisionsprediger berufen, nahm er 1848 bei den preuß. Truppen an dem Feldzuge in Schleswig teil. Seit 1858 wirkte S. als Garnisonprediger zu Berlin, sowie seit 1858 als Professor der Theologie an der Universität, an der er sich schon 1847 habilitiert hatte. Er wurde 1870 zum Hofprediger an der Hof- und Garnisonskirche zu Seseiant und 1872 zum Superintendenten und reisschulinspektor ernannt. Unter seinen Schriften sind zu nennen: «Sinai und Golgatha ⸗(Berl. 1847; 10. Aufl. 1873; Prachtausgabe 1866), eine Beschreibung seiner Reise in das Heilige Land, und das Prachtwerk Die Länder und Stätten der Heiligen Schrifto (100 Bilder mit erläuterndem Texte, Stuttg. 1861; 2. Aufl., Lpz. 1877), das er gemeinschaftlich mit seinem jüngern Bruder herausgab. Dem Gebiete der praktischen Theologie gehören Liturgische Andachtene (Berl. 1850; 3. Aufl. 1857) sowie Die Liturgie des evang. Hauptgottesdienstes (Berl. 1853) an. Aus seinen alttestamentlichen Studien ging die Erklärung der Vaticinia Zephanjae „ (Berl. 1843) hervor. Zur Unterstützung der deutsch-evang. Anstalten im Heiligen Lande veranlaßte er 1852 die Stiftung des Jerusalem-Vereins und gab 1856—71 die Zeitschrift desselben heraus: Neueste Nachrichten aus dem Morgenlandev. Otto S., jüngerer Bruder des vorigen, geb. zu Berlin 17. April 1827, studierte 1847—53 Theologie, wurde 1854 Inspektor des Dom-Kandidatenstifts zu Berlin, bereiste 1856—57 Italien und den Orient, wurde dann Divisionsprediger in Poten und 1865 Pfarrer an der Sophienkirche in Berlin. S. hat sich durch eine Reihe liturgischer und kirchenhistor. Schriften bekannt gemacht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 296Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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