FeedStrauß (Joh.)
MusikBrockhaus 1882

Strauß (Joh.), der älteste Sohn des vorigen, geb. 25. Okt. 1825 zu Wien, fungierte ebenfalls als k. k. Hofballmusikdirektor in Wien und unternahm Konzertreisen mit seinem Orchester nach England, Amerika, Rußland, Frankreich, Deutschland und Rumänien. Aus der großen Menge seiner Tanzkompositionen, welche ihm den Namen «Der Walzerkönig eintrugen, sind besonders »An der schönen blauen Donau» (welcher Walzer bereits in mehr als einer Million Exemplaren erschienen ist), „G'schichten aus dem Wiener Waldo, Nachtfalterv, „(Bei uns z'Hauso hervorzuheben. Seine erste Operette «Indigo, oder die 40 Räubero ging 1871 am Theater an der Wien mit großem Erfolg in Scene. Hierauf folgten die Operetten: «Karneval in Rom' (1873), «Die Fledermaus » (1874), 4Cagliostroo (1875), KPrinz Methusalem» (1877), Blindekuh v (1878),Das Spitzentuch der Königinn (1880), Der lustige Krieg (1881), «Eine Nacht in Venedigo (1883), Der Zigeunerbaron» (1885). Sämtliche Werke mit Ausnahme von „Blindekuhy fanden enthusiastische Aufnahme und Verbreitung über die meisten Bühnen Österreichs, Deutschlands und auch des Auslandes. Zwei andere Söhne Johann S. des Altern, Joseph l(geb. zu Wien 22. Aug. 1827, gest. daselbst 22. Juli 1870) und Eduard (geb. 1835), machten sich ebenfalls als Komponisten und Dirigenten bekannt; letzterer ist seit 1870 alleiniger Leiter der Straußschen Kapelle in Wien. Strauß (Victor Friedrich von S. und Torney), vielseitiger Schriftsteller, geb. 18. Sept. 1809 zu Bückeburg, studierte zu Erlangen, Bonn und Göttingen die Rechte, daneben alte und neue Litteratur, und erhielt dann in Bückeburg eine Anstellung. Während der Revolutionsjahre 1848 und 1849 ward er einer der Führer der konservativen Partei und Kabinettsrat seines Landesherrn, der ihn 1850 nach Frankfurt a. M. als Bevollmächtigten zu der Versammlung schickte, welche die alte Burndesverfassung wiederherstellen sollte. Von dort wurde er Weihnachten 1850 zum dresdener Ministerialkongreß gesandt, der bis Mitte Juni 1851 tagte. Später wurde er neben seiner Stellung als Kabinettsrat zum Bundestagsgesandten ernannt, 1866 pensioniert. Im J. 1869 siedelte er nach Erlangen, 1872 nach Dresden über. Den Erbadel erhielt. er 1852 vom Kaiser von Osterreich; den Namen seiner Gattin, von Torney, legte er sich bei dem Aussterben von deren Familie zu; die Würde eines Doktors der Theologie erteilte ihm die Universität Leipzig 1882. Seine politischen Grundsätze legte er in den (Briefen über Staatskunsto (Berl. 1853) nieder; seine konservative Gesinnung bethätigte er in (Ein Fastnachtspiel von der Demokratie und Reaktiono (Frankf. 1849), seine positiv kirchlichen Ansichten riefen die Biographie des Polycarpuso (Heidelb. 1860), die «Meditationen über das erste Gebot v (Lpz. 1866), die Essays zur allgemeinen Religionswissenschafte (Heidelb. 1879) u. a. hervor. Untersuchungen über die ältesten Zustände menschlicher Bildung führten ihn zum Chinesischen. Er übersetzte und erklärte den ältesten chines. Philosophen Laotse (Lpz. 1870) und das kanonische Liederbuch „Schi-king (Heidelb. 1880). Eigene Dichtungen bot er in den „Gedichteno (Bielef. 1841), dem Drama (Judas Ischariotho (neue Ausg., Heidelb. 1870), den Epen Reinwart Löwenkind» (Gotha 1874), KRichardo (Bielef. 1841), „Robert der Teufel v (Seidelb. 1870), den Romanen «Theobaldo (3 Bde., Bielef. 1839), Altenbergo (4 Bde., Lpz. 1865) und zahlreichen Erzählungen, meist mit religiösem Hintergrunde, deren letzte Sammlung, «Die Schule des Lebenso (1885), zu Heidelberg erschien.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 296Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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