FeedSchubert (Franz Peter)
MusikBrockhaus 1882

Schubert (Franz Peter), einer der hervorragendsten deutschen Tonsetzer, besonders ausgezeichnet als Liederkomponist, geb. zu Wien 31. Jan. 1797 als der Sohn eines Schullehrers, erhielt den ersten Musikunterricht durch den Chorregent Michael Holzer und wurde 1808 wegen seiner schönen Stimme Hofkapellknabe. Während seines fünfjährigen Aufenthalts im kaiserl. Konvikte erlernte er das Klavierspiel und die Bogeninstrumente mit so schnellem Erfolg, daß er in kurzer Zeit die Orchesterübungen an der ersten Violine leiten konnte. Im Generalbaß war Hoforganist Ruziczka, in der Komposition Salieri sein Lehrer und Führer. Ende Okt. 1813 verließ er die Anstalt, lebte teils im elterlichen Hause als Schulgehilfe des Vaters, teils für sich, gab Unterrichtsstunden, weihte aber vorzugsweise seine Muße dem Selbstschaffen, wobei ihn eine unglaubliche Leichtigkeit der Produktion unterstützte. Bis 1817, wo er das Schulgehilfenamt verließ, lieferte er bereits eine große Anzahl von Kompositionen verschiedenster Art, Messen und andere Kirchensachen, sechs Opern und Singspiele, Symphonien und andere Instrumentalstücke und viele Lieder. Unter den Liedern befinden sich bereits später berühmt gewordene, z. B. der «Erlkönig o und der «Wanderer » (beide 1816). Einen Teil des J. 1818 brachte S. als Musiklehrer des Grafen Esterhäzy auf dessen Landgute Zelész in Ungarn zu, und in den Sommer 1819 fällt ein Aufenthalt in Oberösterreich. Aus diesen beiden Jahren sind hervorzuheben: das Lied Die Forellev, die vierhändigen Variationen Op. 10 und das sog. Forellen-Quintett. Auch schrieb er 1819 schon seine sechste Symphonie (in C). Vor das große Publikum Wiens trat S. zuerst, doch ohne nachhaltigen Erfolg, mit der einaktigen Posse „Die Zwillinge v und mit der Musik zu dem Spektakel⸗ und Ausstattungsstück «Die Zauberharfev. Außerdem fallen ins J. 1820 das Oratorium «Lazarus », der achtstimmige Männerchor mit Orchester „Gesang der Geister über den Wassern»,‚ der 23. Psalm für vier Frauenstimmen, die Klavierphantasie Op. 15. Die J. 1821 und 1822, wo zuerst einige seiner Sachen (Erlkönigo und «Gretchen am Spinnrady) im Druck erschienen, brachten die Oper «Alfonso und Estrella und eins von S.s bedeutendsten Kirchentonwerken, die Messe in As, sowie die zwei Sätze einer unvollendeten Symphonie in H-moll. Die berühmten Müllerliederd entstanden 1823, welches Jahr auch durch die Musik zum Drama «Rosamunder, die Oper „Fierrabras und die Operette „Der häusliche Krieg oder die Verschworenen » beze ichnet ist. Einen Teil des J. 1824 verlebte S. wieder auf dem Esterhäzyschen Gute Zelesz, und die Sommermonate von 1825 waren einem Aufenthalt in Oberösterreich gewidmet. Aus der massenhaften Produktion dieser Jahre sind hervorzuheben: das Instrumentaloktett Op. 166, das Klavierduo Op. 140, die Lieder aus W. Scotts «Fräulein vom See und die Märsche Op. 55 und Op. 66. Den Kompositionen des J. 1826 gehören unter anderm an das große D-moll-Streichquartett, der erste Teil der Liedersammlung «Winterreiser, die „Nachthelles (für Männerchor), das Rondo brillant Op. 70 für Klavier und Violine, das Klaviertrio in B. In das J. 1827 fallen von bedeutendern Sachen: das Klaviertrio in Es, der zweite Teil der „Winterreisev, der Chor «Nachtgesang im Waldev, die Klavierimpromptus Op. 142. In seinem letzten, bereits durch Kränklichkeit getrübten Lebensjahre, 1828, lieferte er unter andern Kompositionen noch sein bedeutendstes Instrumentalwerk, die erst nach seinem Tode aufgeführte und jetzt in allen Orchestern verbreitete große C-dur-Symphonie (Nr. 7), das Streichquartett in C, die Messe in Es und die Liedersammlung «Schwanengesang v». S. starb zu Wien im 32. Lebensjahre, 19. Nov. 1828. Kein anderer Komponist hat in einem so kurzen Leben eine gleiche Fruchtbarkeit offenbart. Opern, Symphonien, Chöre, Ouverturen, oratorische Cantaten, Psalmen, Messen, Offertorien, Sonaten, Trios, Variationen, Phantasien, Rondos, Tänze, Märsche, Vokal⸗ und Streichquartette u. s. w. liegen zum Teil in Massen vor. In allen Gattungen hat S. sich versucht, doch ohne Glück in der Oper und ohne Nachdruck in dem großen Oratorium, für welches seine Vorbildung ungenügend war. Seine eigentliche Meisterschaft und volle, zum Teil überragende Größe bekundet er in den Liedern oder Gesängen mit Pianofortebegleitung. Hier bildete er genial weiter, was von Mozart, Reichardt, Beethoven, Weber und vielen andern vor ihm in verschiedenen Formen versucht war, schloß das frühere einfache Lied ab und leitete über zu dem breitern durchkomponierten Liede, welches durch ihn das herrschende geworden ist. Was S. im Liede geleistet, hat ihm die Anerkennung der ganzen Welt verschafft und auf die fernere Entwickelung der Gesangsmusik im allgemeinen einen außerordentlichen Einfluß ausgeübt. Die größte Zahl seiner Kompositionen (unter denen sich etwa 700 Lieder befinden) gelangte zum Teil erst in der neuern Zeit zur Veröffentlichung und allgemeinen Verbreitung. Die erste Gesamtausgabe seiner Werke veranstaltet die Musikhandlung Breitkopf u. Härtel in Leipzig. Vgl. Kreißle von Hellborn „Franz S.v (Wien 1864); Friedländer, Franz S. (in Gumbrecht, «Musikalische Lebens⸗ und Charakterbildero, Bd. 1, Lpz. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 506Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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