FeedStrickerei schiebt sich beim Niedergang derselben
TechnikBrockhaus 1882

Strickerei schiebt sich beim Niedergang derselben, da sie selbst am Herabgehen durch das Nadelbett verhindert wird, gegen die Klappe und legt diese so egen den Haken, daß letzterer sich über dem eingeegten Faden schließt und ihn durch die alte Masche hindurchzieht, welche hierbei zugleich von der Nadel abgleitet. Der im Haken befindliche Faden bildet die neue Masche, durch welche die Klappe beim Wiederaufsteigen der Nadel zurückgeschlagen wird. In der höchsten Nadelstellung ist die Klappe durch die Masche hindurchgegangen und der Haken somit befähigt, wiederum den Faden aufzunehmen und zu einer Masche zu gestalten. Die Anordnung des Nadelbetts ist verschieden ausgeführt worden. Ciner der ersten Konstrukteure von S., Bickford in Neuyork, stellte die Nadeln in einem cylindrischen Bett kreisförmig auf und bewegte das Schloß im Kreis um dieselben herum. Mit einer solchen Maschine ist man zwar im Stande, schlauchförmige Gegenstände zu stricken, doch kann der Umfang der letztern, wie dies z. B. bei der Herstellung von Strümpfen notwendig ist, in keiner Weise verändert werden. Bei der Handstrickerei wird bekanntlich eine derartige Veränderung entweder in der Weise bewirkt, daß man durch zwei Maschen einer fertigen Reihe nur eine neue Masche zieht (Abnehmen), oder umgekehrt, so, daß man in eine Masche der vorigen Reihe zwei Maschen der folgenden eingreifen läßt (Zugeben). Eine Maschine, an welcher man diese Operationen vornehmen kann, ist zuerst von dem Amerikaner J. W. Lamb im J. 1866 konstruiert worden. Fig. 3 auf Tafel: Stick⸗, Strick⸗ und Wirkmaschinen stellt den Mechanismus der Lambschen Maschine dar; aus Fig. 4 ist der Vorgang der Maschenbildung ersichtlich. Bei dieser Konstruktion, welche von allen S. die größte Verbreitung gefunden hat, sind zwei schräg stehende Nadelreihen in zwei ebenen Nadelbetten einander gegenüber derart angebracht, daß ihre obern Enden sich nahe sind. Jede Nadelreihe ist mit einem Schloß versehen, wodurch abwechselnd die Nadeln beider Reihen stricken, indem das eine Schloß auf dem einen Nadelbett hin⸗, das andere auf dem andern zurückgeht. Da nur ein Fadenführer beiden Schlössern folgt, geht der Faden von einer Nadelreihe auf die andere über und es entsteht so ein schlauchartig geschlossener, platt zusammengedrückter Gegenstand. Hierbei kann man aber an einem oder beiden Enden der Nadelreihen eine beliebige Anzahl einander gegenüberstehender Nadeln in Ruhe versetzen, was dadurch geschieht, daß man den hierzu bestimmten Anschlag in seine tiefste Stellung bringt, sodaß die mit hinabgehende Nadel mit ihrem Kopf zu tief liegt, um vom Schloß erfaßt werden zu können. Mit vielen thätigen Nadeln kann man also einen weiten, mit wenigen solchen einen engen Schlauch herstellen. Um nun das Abnehmen zu bewirken, braucht man nur mit einem Haken die Masche der letzten arbeitenden Nadel beider Reihen, und zwar entweder an einem oder an beiden Enden der Reihen, auf die neben ihr stehende arbeitende Nadel deren Masche hinzuzulegen, die freigewordenen adeln in Ruhe zu versetzen und die Maschine weiter stricken zu lassen. Für den Zweck des Zugebens hat man dagegen die Masche der letzten arbeitenden Nadel jeder Reihe so zu erweitern, daß sie sich über eine daneben befindliche, in Thätigkeit zu versetzende Nadel streifen läßt, und dann den Mechanismus fortarbeiten zu lassen. Da an diesen Maschinen auch Lancebracht zum Stricken der Hacken oder Fersen angebracht sind, kann man mit ihnen einen Strumpf bis zur letzten Masche fertig stricken, ohne seine Form durch Nähte vervollständigen zu müssen. Besondere Mechanismen ermöglichen es, die Nadeln mehr oder weniger tief in ihren Nuten einzustellen, wodurch je nach Wunsch losere oder festere Maschen entstehen. Läßt man in geeigneter Weise beide Nadelreihen in einer Bewegungsrichtung zusammenwirken, so erhält man rechts- und linksgestrickte Ware. Durch Auslassen gewisser Nadeln, Verstellen der Nadelbetten gegeneinander und wechselndes Ein⸗ und Abstellen der Nadelheber werden allerlei Muster erzeugt, die noch dadurch modifiziert werden können, daß man verschieden gefärbte Garne aufeinander folgen läßt. Nachdem durch das Lambsche System die S. eigentliche praktische Bedeutung erlangt, haben sich auch deutsche Firmen dem Bau derselben zugewendet und auf diesem Gebiet Vorzügliches geleistet. Fig. 2 f eine von der Sächsischen Stickmaschinenfabrik in Kappel bei Chemni nach dem verbesserten Lambschen System gebaute Maschine mit zwei Nadelplatten und zwei Schlössern. Bei derselben ist die Schloßführung durch Sicherheit und Genauigkeit ausgezeichnet und der Abnutzung wenig unterworfen; zugleich liegen die Nadelplatten vollständig frei, sodaß sie für Manipulationen aller Art leicht zugänglich sind und eine Verunreinigung durch Schmieröl, welches vom Schlitten abfließt, unmöglich gemacht ist. Diese Maschinen sind dafür eingerichtet, entweder an einen Tisch etc. festgeschraubt oder auf einem Fußgestell montiert zu werden; der Betrieb kann von Hand oder durch Elementarkraft erfolgen. Für Strumpfwarenfabriken erweist sich die S. durch ihre bedeutende Leistungsfähigkeit (von einer geübten Arbeiterin bedient, liefert sie täglich 10 Paar langer Frauenstrümpfe oder 20 Paar Männersocken) äußerst zweckmäßig; ihrer Einführung in Haushaltungen, wo sie nicht genügend ausgenutzt wird, steht bisher noch ihr hoher Preis entgegen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 303Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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