Striktür (lat.) oder Stenöse (stenosis) bezeichnet die krankhafte Verengerung eines Kanals im tierischen Körper. Solche Verengerungen und Verschließungen kommen in allen Kanälen und Höhlen des Körpers vor, am häufigsten in der männlichen Harnröhre (oft schlechthin Strikturen genannt), ferner im Nahrungskanal (Speiseröhre, Magenmündungen, Mastdarm), in der Scheide, Nase, Kehlkopf, den Thränenwegen, selbst in den Gefäß⸗ und Herzhöhlen (hier Stenosen genannt). Die S. beruht entweder auf Krampf der Muskelfasern eines Kanals, oder auf Anschwellung und entzündlicher oder narbiger Verdickung seiner Wände, oder auf Gestalt- und Richtungsfehlern derselben (3. B. Knickung, Achsendrehung, Verschlingung), oder auf Druck von außen (durch Geschwülste, Krebse, Brucheinklemmung u. dgl.). Da von diesen Ursachen viele unheilbar sind, auch die verengte Stelle oft der Kunst unzugänglich ist, so ziehen die S. häufig üble, sogar tödliche Folgen nach sich. Der Kanal wird oberhalb der engen Stelle weit, füllt sich mit den am Weiterwandern behinderten Stoffen (Harn, Kot u. s. w.), welche sich hinwieder chemisch zersetzen und mechanisch verändern, wodurch wieder die betreffende Kanalwand entzündet wird, dann Geschwüre, Brand und Durchlöcherungen (infolge dessen Harninfiltration, Harn- und Kotfisteln u. dgl.) sich bilden. Die Behandlung strebt die kranke Stelle, sofern sie von außen erreichbar ist, zu erweitern und durch ängig zu machen: meist durch Ausweitung mittels eingelegter Bougies oder Katheter oder der aufquellenden Darmsaiten; oft dient auch die Operation mittels Schnitt oder Stich, oder das Atzmittel.