FeedSonett
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Sonett (ital.) heißt eine besondere Art kleiner lyrischer Gedichte, die sich auf 14 gereimte Zeilen beschränkt. Es sind zwei Hauptabteilungen von ungleicher Länge. Die erste wird durch zwei vierzeilige Strophen (Quaternarien), die letzte durch zwei dreizeilige Strophen (Terzinen) gebildet, und zwar so, daß die beiden Quaternarien durch zwei viermal wiederkehrende Reime sich verschlingen, in den beiden Terzinen aber je zwei und zwei oder je drei Verse miteinander gereimt werden. Entsprechend der Gliederung in zwei Hauptteile, in den Aufgesang der beiden Vierzeilen und in den Abgesang der beiden Dreizeilen, gestaltet sich der Inhalt wie Satz und Gegensatz, Problem und Lösung, Frage und Antwort. Das S. entstand in der klang- und reimreichen Sprache Italiens und wurde namentlich durch Petrarca zu vollendeter Meisterschaft erhoben. Als die ital. Litteratur im 16. Jahrh. für ganz Europa tonangebend wurde, ging auch das S. in alle andern Litteraturen, selbst in die Litteraturen german. Sprachstammes über, obgleich die german. Sprachen so künstlicher Reimverschlingung wenig entgegenkamen. Weltbekannt sind Shakspeares S. In Deutschland wurde das S. durch Georg Rodolf Weckherlin und Opitz eingeführt; diese Dichter nannten es mit deutschem Namen Klanggedicht. Im 18. Jahrh. kam es in Deutschland fast völlig in Vergessenheit; erst Bürger erweckte es wieder. A. W. Schlegel und die andern Dichter der sog. romantischen Dichterschule pflegten es mit Vorliebe. Goethe, Rückert, Platen, Eichendorff, Geibel, Heyse u. a. folgten. Bei der jetzt herrschenden Sprachgewandtheit ist das S. eine fast heimische Kunstform geworden. Vgl. Tomlinson, «The S. its origine, strueture and place in poetry o (Lond. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 925Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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