FeedStüler (Friedr. Aug.)
BaukunstBrockhaus 1882

Stüler (Friedr. Aug.), ausgezeichneter Baumeister, geb. 28. Jan. 1800 zu Mühlhausen in Thüringen, erhielt seine Ausbildung unter Schinkel und trat 1830 als Hofbauinspektor in den Staatsdienst, „zu welchem Amte er schon 1829 während einer Stu⸗ „dienreise nach Rom ernannt worden war. Im Herbst 1832 wurde er zum Hofbaurat und gleich darauf zum Direktor der Schloßbau-Kommission ernannt. Nachdem er zuerst mit Strack von 1835 an die Vorlegeblätter für Möbeltischler herausgegeben, ließ er eine Reihe von Entwürfen im »Albumv des Architektenvereins zu Berlin erscheinen. Außer manchen geschmackvollen Privatgebäuden, die er in und bei Berlin erbaute, wurde nach seinen Zeichnungen 1840 das Rathaus in Perleberg im Rohbau, und zwar in mittelalterlich ital. Stil, errichtet. Zu seinen weitern Arbeiten gehören die Entwürfe zum Wiederaufbau des Winterpalais in Petersburg, zur berliner Börse und zur kath. Kirche in Rheda. Von den 300 Kirchen, die während der Regierung Friedrich Wilhelms IV. gebaut wurden, lieferte S. zu etwa 100 die neuen Pläne. Im J. 1842 erfolgte seine Berufung als Oberbaurat und Architekt des Königs in die Oberbaudeputation. Er beteiligte sich in allen Stilrichtungen, so baute er die St. Jakobikirche in Berlin in Form einer altchristl. Basilika, die Matthäuskirche im ital.⸗roman. Stil, die Bartholomäuskirche gotisch und die Markuskirche als Centralbau im Geiste der ital. Renaissance. Zu dem projektierten berliner Dome entwarf er drei Pläne, fast die einzige große Arbeit, deren Ausführung unterblieb. Seine Hauptschöpfung auf dem Gebiete des Profanbaues ist das Neue Museum in Berlin, in welchem er das Prinzip durchführte, die verschiedenen Kunstepochen auch in der architektonischen Raumumgebung der aufzustellenden Denkmäler zu charakterisieren. Diesem Werke am verwandtesten ist das Nationalmuseum zu Stockholm, das von S. in den funfziger Jahren ausgeführt wurde. Mit Vorliebe wandte S. den Renaissancestil an; so schon in einer seiner frühesten Arbeiten, der neuen Börse in Frankfurt a. M. (1844), dann bei der Akademie der Wissenschaften in Pest und dem Universitätsgebäude in Königsberg. Am reichsten aber konnte er diesen Stil zur Ausübung bringen, als ihm 1851 die Vollendung des großherzogl. Schlosses in Schwerin (erster Entwurf von Demmler) übertragen wurde. Im got. Stil aufgeführt sind das Museum in Köln, die Verwaltungsgebäude in Schulpforta, die Architekturen der Brücken bei Dirschau und Marienburg, vor allem die nach seinen Plänen wiederaufgebaute Stammburg Hohenzollern. S. war seit 1846 Geh. Oberbaurat, seit 1849 Mitdirektor der Bauakademie, seit 1850 vortragender Rat im Ministerium. Er starb plötzlich 18. März 1865, nachdem er noch den Plan zu der später von Strack ausgeführten Nationalgalerie entworfen hatte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 326Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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