Sudeten, das bedeutendste Gebirge Deutschlands außerhalb der Alpen, beginnen an der nur 260 m hohen Ebene, welche, eine Einsenkung oder Gebirgslücke zwischen dem deutschen und karpatischen Hochland bildend, von dem Nordostlaufe der Oder und der gegen Westen zur March fließenden Beczwa durchströmt, sowie von der Osterreichischen Nordbahn durchzogen wird, und erstrecken sich von da gegen Nordwesten bis zum Elbdurchbruch oberhalb Pirna, sodaß auf der östl. Seite Schlesien und die Lausitz, auf der westlichen Mähren und Böhmen liegen. Ihre Länge beträgt 310 km, ihre Breite 30—45 km. Die S. bilden keinen fortlaufenden Rücken, denn nur in der Mitte des ganzen Zugs, im Riesen⸗ und Isergebirge, ist ein undurchbrochener wallartiger Kamm, während die Enden, sowohl im Südosten wie im Nordwesten, mehr aus breiten De Berglandschaften mit getrennten ergzügen und einzelnen Kuppen bestehen. Granit, Gneis, Glimmerschiefer und Porphyr sind die Urfelsarten dieses Gebirges, an welche sich die Überangs⸗ und Flözgebirgsarten, nament ich die Baalt- und Kohlenformationen an den Abhängen auflagern. Außerdem ist es reich an Mineralien, besonders an Metallen, wohin Eisen, Blei, Kupfer, Zink und in geringerm Maße Zinn, Kobalt, Spießlanz, Silber und Gold gehören. In den untern Regionen gibt es fruchtbare Acker und schöne Wiesen; die Höhen von 650 bis über 975 m sind durchwaldet, fast durchweg mit H die höchsten Kämme sind kahl oder tragen Knieho z;die Kuppen stehen nackt, mit Moos, meist mit Rollsteinen bedeckt. In den herrlichen Thälern finden sich nicht selten stundenlange Dörfer mit fleißigen gewerbsamen Bewohnern. Die Wasser fließen auf der Ostseite größtenteils in die Oder, einige im Norden in die Elbe, die auf der Westseite in die March und Elbe. Die einzelnen Teile des vielgliederigen Gebirgszugs sind von Südosten gegen Nordwesten: 1) die eigent-Gebirge bis gegen die Glatzer Neisse hin, und zwar a) das Mährische Gesenke, eine niedere Berglandschaft mit Steilabfall zu der erwähnten Gebirgslücke und mit Hügeln von 325 bis 400 m und einzelnen Kuppen von mehr als 650 m, wie der Sonnenberg bei Hof in Mähren (798 m), und b) das Altvater⸗ oder Mährische Schneegebirge, welches nordwärts bis zum Paß von Freiwaldau nach Goldenstein reicht, ein wirkliches Gebirgsland, ähnlich dem Harz, mit hohen, dur tiefe Spalten getrennten Bergmassen und teils kahlen, teils moosbedeckten Kuppen von mehr als 1300 m Höhe, wie dem Großen Altvater von 1490 m, der breiten, bis 1460 m hohen Janowitzer Heide mit dem 983 m hohen Hirschbadkamme, dem Kleinen Altvater von 1331, dem Glaserberge oder Köpernikstein von 1417, der Hochschar von 1345 mu. a. 2) Das Glatzer Geb irgsland, zu beiden Seiten der obern Neisse, ein Gebirgsviereck, dessen Inneres der Glatzer Gebirgskessel genannt wird, aber eigentlich ein 325 400 m hohes Hügelplateau bildet und von vier höhern Randgebirgen umschlossen wird: im Süden vom Glatzer Schneegebirge mit dem Großen oder Glatzer Schneeberg, 1424 m; im Nordosten vom Reichensteiner Gebirge oder Schlesischen Grenzgebirge mit dem Heidelberg, 935 m, und dessen Fortsetzung jenseit des Neissedurchbruchs, dem Eulengebirge (s. d.) mit der Hohen Eule, 1000 m; im Südwesten vom Habelschwerter Gebirge, der Hohen Mense, 1085 m, und den jenem parallelen westlichern Böhmischen Kämmen oder Adlergebirge, dann, jenseit des Passes von Reinerz, vom Heuscheuergebirge mit der Großen Heuscheuer (s. Heuscheuer; 920 m), einem vielzerklüfteten Sandsteinkamme; im Norden vom S chweidnitzer Gebirge oder H ochwaldgebirge, einer reizenden Berglandschaft mit dem Heidelberg (950 m), dem Spitzberge (876 m) und Hochwald (841 m); östlich von Schweidnitz erhebt sich die isolierte Kuppe des Zobten (718 m). 3) Das Riesengebirge (s. d.), mit der Riesen⸗ oder Schneekoppe, dem 1601 m hohen Kulminationspunkte des ganzen Sudetengebirges. 4) Das Is ergebirge, bestehend aus vier parallelen Kämmen, deren höchster, der Hohe Iserkamm, im Nordwesten mit der 1124 m hohen Tafelsichte endet. Daran schließt sich, ist aber nicht zum Sudetenzuge zu rechnen: das Lausitzer Gebirge oder die Laufitzer Bergplatte, zwischen der Lausitzer oder Görlitzer Neisse und der Elbe, eine Plateaufläche von 325 memittlerer Höhe, auf welcher sich neben dem in der Mitte gegen Nordwesten gerichteten, ziemlich zusammenhängenden Hauptzuge weite Berg⸗ und Hügellandschaften ausdehnen, mit dem Jeschkenberge, 1013 m, südwestlich von Reichenberg, der Hohen Lausche, 796 m, im Südwesten von Zittau, dem Hochwald von Oybin, 519 m, dem Spitzberg, 515 m, und mit vielen am Nord⸗ und Südfuß zerstreuten, 400— 715 m hohen Kegelbergen, z. B. der Landskrone bei Görlitz (429 m). Am Westende dieses Lausitzer Plateau liegt die Sächsische Schweiz (s. d.). Vgl. die Reisehandbüchern von Scharenberg (3. Auft. Bresl. 1862), Krebs (2. Aufl., Bresl. 1856) Letzner (3. Aufl., Lpz. 1876).