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ErdkundeBrockhaus 1882

Südpolarländer oder Antarktische Länder werden alle diejenigen Länder, Inseln und Küsten genannt, welche in dem südl. Ocean innerkg oder doch in der Nähe des südl. Polarkreises iegen. Die Existenz eines sog. antarktischen Kontinents muß mit Recht bezweifelt werden, da die eringe Ausdehnung der bisher berührten Gestade urchaus nicht auf ein geschlossenes Land, sondern eher auf einzelne Inseln schließen läßt. Die Vorstellung eines südl. Festlandes ist mehr als 2000 J. alt. Zuerst sprach der Chaldäer Seleukos den Gedanken aus; ihm folgte der griech. Geograph Ptolemäus. Seitdem im 15. Jahrh. dieser die unumstößliche Autorität aller Geographen wurde, tauchte auch seine Terra australis incognitap von neuem auf. Erst Cook zerstreute durch die negativen Resultate seiner zweiten Reise (1773 — 74) jenen Glauben in etwas, und die Seefahrer des 19. Jahrh. — das südl. Phantasieland noch mehr Gede chränkt, sodaß bis jetzt nur einzelne Bruchstücke bekannt sind. Von diesen tritt am weitesten nach Rorden vor das Louis-Philipp⸗ und das Trinity⸗ oder Dreieinigkeitsland und Palmersland (1821 von Powell und Palmer entdeckt), fast bis zu 63 südl. Br. nach Norden vorge-Polar südlich von diesem aber in der Breite des olarkreises das Grahamsland; ersteres ist 1838 von Dumont d' Urville entdeckt und wird durch die Bransfieldstraße von der Inselgruppe Südshetland geschieden. Das Außere dieses Landes bietet eine nackte, felsige, zum Teil vulkanische Wüstenei mit hohen Bergen ohne alle Vegetation, die immer mit Schnee und Eis bedeckt und stets so von Eis umgeben ist, daß es schwer oder unmöglich, genauer die Küste zu untersuchen. Südwestlich davon liegen in der südl. Breite von 70˙ die Alexonderänsel (Alexanders I. Land), zwischen 70 und 75² westl. L. insel, 91 westl. L., beide 1821 von Bellings-Polar entdeckt. Erst mit 1553 östl. L. wird am olarkreise wieder eine Küste sichtbar, die sich von da an, immer ziemlich in der Richtung des Polarkreises, bis zu 100 östl. L. zieht und hier mit dem emeinsamen Namen Wilkesland belegt worden ist, ohne daß man mit Gewißheit behaupten kann, es sei ein zusammenhängendes Land und nicht eine Inselreihe. Die Hauptentdecker dieser Küste sind Dumont d'Urville und Charles Wilkes, von denen jener zwischen 66 und 67 südl. Br. und 136² und 144 östl. L. 1840 ein 1000 m hohes Land fand, welches er Adeli eland nannte, dieser aber westlich mindestens 505 weit an dem Ufer hinfuhr und hier wieder Land zu — behauptete. Die einzige zusammenhängende Küste von größerer Ausdehnung entdeckte James Clark Roß, welcher w1841 und 1842 zwischen 71 und 79“ südl. Br. 750 km weit eine Küste verfolgte, welcher er den Namen Victorialand oder Südvictoria gab, eine bis in 78˙ südl. Br. vorspringende, 890 km lange und 380 — 770 km breite Halbinsel, auf der er einen 3780 m hohen Vulkan, welchen er Erebus benannte, unter 167 östl. L. und 77² 30 südl. Br., sowie einen andern erloschenen, 3317 m hohen, welchen er Terror nannte, und endlich den vielleicht 4570m Mont-Melbourne zwischen 74“ und 75˙ südl. Br. entdeckte. Weiter westlich von Wilkesland, zwischen 46* und 60 östl. L. und 67e südl. Br., finden sich die Kempinsel und das 1831 von Biscoe entdeckte Enderbyland. Alle diese Länder gleichen in ihrer Natur, soweit man sie beobachten konnte, ganz jenem Dreieinigkeitslande. Außer den genannten Küsten d.benter auch noch mehrere Inseln zu den S. Die bedeutendsten davon sind das 1675 von Laroche entdeckte und im 18. Jahrh. von Cook untersuchte, 160 EKm lange und 15—22 km breite Südgeorgien, eine stets mit Schnee bedeckte Insel, fast ohne alle Vegetation, doch reich an Seevögeln und sonst auch an Seesäugetieren, doch ohne alle Landsäugetiere; ferner südöstlich von dem vorigen das 1775 von Cook entdeckte, 1819 von Bellingshausen untersuchte Sandwichland zwischen 25 und 30 westl. L. und 58° bis 60 südl. Br., aus fünf größern und einigen kleinern vegetationslosen, von ewigem Schnee bedeckten und fast stets in Nebel gehüllten Inseln bestehend; endlich die 1822 von Weddell besuchten, zwischen 60* und 61˙ füdl. Br. und 44. und 48˙ westl. L. gelegenen, uber 1400 m hohen Südlichen Orkaden oder Powells-Inseln und die im Febr. 1819 von Smith entdeckte, jedoch schon 1599 von Dirk Gerritz gesehene Inselgruppe von Südshetland, die in ihrer Natur ganz dem Sandwichland gleichen. Alle diese Inseln, sowie auch der südlichere Kontinent sind sämtlich unbewohnt. Vgl. außer den Reisewerken von Weddell, Dumont d'Urville, Wilkes und James Clark Roß: A. Petermanns „Südpolarkartes in Stielers Handatlas. (S. Karte:

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 351Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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