Suleiman (Suleyman), Pascha, türk. General, wurde 1840 zu Konstantinopel als der Sohn einer dem niedern Gewerbestande angehörenden türk. Vorhere geboren. Er trat früh in eine Militärorbereitungsschule, aus welcher er später in die Generalstabsschule gelangte. Um das J. 1861 wurde er zum Unterlieutenant und um 1865 zum Adjutant-Major ernannt, trat in den Generalstab uüber und eröffnete sich dadurch den Zugang zu höhern Stellen. Das J. 1867 findet ihn bereits als Major auf der Insel Kreta, wo der Aufstand damals seinen Höhepunkt erreicht hatte. Um 1873. kehrte er nach Konstantinopel zurück und wurde mehrfach in besondern Aufträgen verwendet. Er stieg rasch zum Oberst auf und wurde vorübergehend als Lehrer an der Generalstabsschule verwendet. Im J. 1874 wurde S. Brigadegeneral und Pascha, bald darauf zweiter Direktor der Generalstabsschule, mit welcher um jene Zeit die vereinigte Artillerie-und Ingenieurschule verbunden war. Er hielt sich zur jungtürk. Partei und erkannte zunächst seinen Vorteil im möglichst engen Anschluß an diejenigen Männer, welche später die Absetzung des Sultans Abd-ul-Asis anstrebten. Sein entschlossenes Wesen und sein scharfer Verstand hatten ihm Zutrauen in dem leitenden Kreise verschafft. Am entscheidenden Tage des 30. Mai 1876 gehörte er zu den mithandelnden Hauptpersonen und wurde deshalb durch den neuen Sultan Murad zum Divisionsgeneral befördert. In dem bald danach ausbrechenden Kriege mit Serbien führte S. eine Division und trug wesentlich zu der Niederlage der Serben bei. Er wurde Marschall, übernahm kurz vor Ausbruch des Russisch-Türkischen Kriegs 1877 den Oberbefehl in der Herzegowina und erreichte auch dort Erfolge. Er drang im Cetathale in Montenegro ein und stellte um Ende Juni die Verbindung mit dem von Süden aus vorrückenden Ali Sahib Pascha her. Als um Mitte Juli der russ. General Gurko den Balkan überstiegen hatte und Adrianopel bedrohte, wurde zunächst Reuf Pascha mit dem Oberbefehle über die diesem entgegengesendeten Truppen betraut, zugleich aber S. Pascha mit 42 Bataillonen nach Rumelien berufen. Er schiffte sich in Eile zu Antirasi ein, landete bei Enor und nötigte den Feind zum Rückzug über den Balkan. Während der Monate Aug. und Sept. 1877 lag S. Pascha mit seiner Heeresabteilung vor dem Schipkapaß und dessen Nebenpässen,‚ die von den Russen stark verschanzt, seinen Sturmangriffen unüberwindlichen Widerstand entgegensetzten. In den ersten Oktobertagen wurde S. zum Obergeneral der türk. Donau⸗-Armee an Stelle Mehemed Ali Paschas ernannt und führte diese bis Mitte Dezember, wurde dann nach Konstantinopel zurückberufen und dort zum Oberbefehlshaber der osman. Streitkräfte im Süden des Balkan ernannt. Er traf 13. Dez. in Adrianopel ein und verlegte einige Tage danach sein Hauptquartier nach Tatar-Basardschik. Die Niederlage des vor dem Schipkapasse verbliebenen türk. Korps und der Vormarsch der Russen auf Philippopel in der ersten Hälfte des Jan. 1878 nötigten S., sein kleines Heer unter starkem Verluste durch die Schluchten des Rhodopescher K zurückzuführen. (S. Russisch-Türkischer Krieg von 1877 und 1878.) Er schiffte seine Truppen im Hafenplatz Maksy (Megsi) am Agäischen Meere nach Konstantinopel und Gallipoli ein und übernahm den Oberbefehl in der befestigten Stellung vor der Hauptstadt. Um Ende Febr. 1878 wurde er abberufen und in Gallipoli interniert, bald danach aber verhaftet und nach Konstantinopel abgeführt. Der wider ihn geführte Prozeß wegen versuchten Hochverrats wurde Anfang Juli eröffnet und Anfang Dez. 1878 beendet. S. wurde zu 15jähriger Festungshaft und zu Aberkennung aller seiner militärischen Würden verurteilt, später aber begnadigt. Er starb zu Konstantinopel 15. April 1883. Vgl. Hahn, «Die türk. Heerführer im Kriege von 1877 (in «Unsere Zeitv, Jahrg. 1878, 1. Hälfte); H. Hinze, Gurko und S. Paschar (Berl. 1880); Kuropatkin-Krahmer, Kritische Rückblicke auf den Russisch-Türkischen Krieg 1877/78 (Berl. 1885); — von Jagwitz, „(Von Plewna bis Adrianopel (Berl. 1880).