FeedSulina
VerkehrBrockhaus 1882

Sulina oder Sulinamün dung heißt der mittelste der drei Hauptmündungsarme der Donau. Obgleich durch die S. nur ungefähr der dreizehnte Teil der Gesamtwassermasse der Donau in das Schwarze Meer gelangt und sie also bedeutend schwächer ist als der nördl. und der südl. Mündungsarm, die Kilia⸗ und die St. Georgsmündung, so ist sie doch zur den die einzige durchweg schiffbare und für den großen Verkehr benutzte Wasserstraße, in welche Seeschiffe aus dem Schwarzen Meer in die Donau gelangen. inah auch auf diesem Mündungsarm war die Schiffahrt durch mehrfache Hindernisse bedeutend erschwert. Die zur Beseitigung derselben in 1301Mär; des Art. 16 des Pariser Friedens vom 30. März 1856 eingesetzte und durch den Berliner Donaut vom 13. Juli 1878 bestätigte Europäische Donaukommission, welche ihren Sitz in Galacz hat und als gemeinsame Vertretung der sieben Vertragsmächte und Rumäniens gewisse Vollmachten mit souveräner Gewalt über die Donau von Isaktscha abwärts geltend macht, hat bereits Bedeutendes geleistet, um die Donau zur Verkehrsader aus dem Herzen Europas nach dem Schwarzen Meer zu gestalten. Die Einfahrt ist jetzt fast bei jedem Winde möglich, die Schiffbrüche haben sich bedeutend vermindert. Bei dem auf der Südseite der S. gelegenen gleichnamigen Städtchen, sowie zu St. George und auf der dem Donaudelta gegenüberliegenden Schlangeninsel befinden sich Leuchttürme mit verschiedenfarbigem Licht, wonach sich Schiffer leicht orientieren können, und ein vierter kleinerer Leuchtturm von 13,m Höhe an der Spitze des Norddamms erleichtert die Einfahrt in den Hafen. Durch die erwähnten Verbesserungen hat sich der Verkehr ungemein gehoben. Während früher Schiffe von 300 t eine Seltenheit in der Donau waren, fahren heute Dampfer von über 1000 t bis Galacz und Braila hinauf. Im J. 1884 liefen von der S. 1178 Schiffe mit circa 700000 t aus (davon 663 Dampfer mit 628 118 t). Die nach dem Tonnengehalt der Fahrzeuge an der Schiffahrt meistbeteiligten Verkehrsländer sind England, Griechenland, Osterreich-Ungarn, Türkei, Italien und Rußland. Der Hauptausfuhrartikel ist Getreide. Das Budget der Kommission belief sich 1886 auf 1705082 Frs. in Ausgabe, 2071720 in Einnahme. Der auf der Pontuskonferenz zu London 13. März 1871 von den Bevollmächtigten der Vertragsmächte unterzeichnete neue Traktat, welcher die Bestimmungen, betreffend die Neutralisation des Schwarzen Meers, aufhob, bestimmt, daß die Donaukommission noch 12 weitere Jahre (bis zum 24. April 1883) fortdauern und die Neutralisation bezüglich der geschaffenen und noch zu schaffenden Arbeiten fortbestehen solle. (S. Rußland.) — Auf der Londoner Konferenz vom März 1883 wurde die Kommission bis 1893 verlängert. Die Stadt Sulina, auf der Südseite der Strommündung gelegen, erst 1865 aus dem ärmlichen russ. Flecken Sulinsk entstanden, gehört zu Rumänien, hat bereits außer den Holzbaracken über 100 gute, in Stein gebaute Häuser, eine engl., eine griech., eine russ. und eine röm.⸗kath. Kirche, sowie eine Moschee und zählt über 5000 permanente E. außer einer starken flottanten Bevölkerung, welche ein Gemisch aller Nationen Curopas bildet. Durch Dekret vom 11. März 1879 ist S. zum Freihafen erklärt worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 361Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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