FeedSulpicia
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Sulpicia, war der Name zweier Frauen, die als Dichterinnen eine Rolle in der röm. Litteratureschichte spielen. Die eine, eine reiche, schöne und Hochgebildete Römerin zur Zeit des Augustus, dem Dichterkreise, der sich um Valerius Messala zu versammeln pflegte, wohl als Nichte desselben ange-Juna hatte ein Liebesverhältnis zu einem schönen üngling mit dem fingierten Namen Cerinthus, auf welches sich eine Anzahl Gedichte im vierten Buche des Tibullus beziehen, von denen einige von der S. selbst verfaßt zu sein scheinen. Die andere S., Gattin eines Calenus, mit dem sie 15 Jahre lang in glücklicher Ehe lebte, in der Zeit des Kaisers Domitian und dessen Nachfolger, wird von einem Zeitgenossen als Verfasserin von zierlichen und witzigen Liebesgedichten gerühmt. Unter ihrem Namen ist in Form einer Anrede der S. an die Muse Kalliope und einer kurzen Erwiderung dieser eine Satire oder vielmehr eine versifizierte Deklamation über den Verfall des röm. Wesens zur Zeit des Domitian in 70 Hexametern erhalten, welche aber ohne Zweifel nicht von S., sondern erst lange nach Domitians Tod, vielleicht im 4. oder 5. Jahrh. n. Chr. verfaßt ist; dieselbe ward in neuerer Zeit besonders herausgegeben von Carutti (Turin 1872) und Bährens, De Sulpiciae quae vocatur Satiras (Jena 1873 und in den Poetae latini minoreso, Bd. 5, Lpz. 1883), zusammen mit Juvenal von Hermann (Lpz. 1856) und Jahn (Berl. 1868). Eine übersetzung davon gab Düntzer in Die röm. Satiriker» (Braunschw. 1846).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 365Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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