Sulpicier ist der Name eines angesehenen röm. patricischen Geschlechts, das mehrere Familien mit den Namen Camerinus, Galba, Gallus, Longus, Paterculus, Peticus, Prätextatus, Rufus und Saverrio in sich schloß, von denen die den Namen Camerinus tragende mit dem Konsul Servius Sulpicius Camerinus schon 500 und dann wiederholt im 5. und 4. Jahrh. v. Chr. in den Magistratsfasten erscheint. Den Beinamen Galba führte zuerst Publius Sulpicius Galba Maximus, der 211 zum Konsul und 203 zum Diktator erwählt wurde und in seinem zweiten Konsulat 200 den Krieg gegen Philipp V. von Macedonien begann. — Servius Sulpicius Galba wurde als Prätor 151 v. Chr. in Lusitanien geschlagen. Im J. 150 ließ er als Proprätor durch schändlichen Verrat mehrere tausend Lusitanier, die er unter dem Vorwande, ihnen Ländereien anzuweisen, an sich gelockt hatte, niederhauen. Unter den wenigen, die entkamen, war Viriathus. Wegen dieses Frevels von Lucius Scribonius Libo, dem sich der alte Cato anschloß, 149 angeklagt, entging er durch seine Beredsamkeit und sein Gold der Verurteilung; 144 bekleidete er das Konsulat. — Sein gleichnamiger Enkel, der im Gallischen Kriege als Legat bei Julius Cäsar stand, später aber, nachdem ihm die Bewerbung um das Konsulat mißlungen war, sich diesem entfremdete und mit den gegen ihn Verschworenen verband, war der Urgroßvater des Kaisers Galba. Gajus Sulpicius Gallus zeichnete sich durch gründliche Bildung, und namentlich auch durch seine Kenntnisse in der Astronomie aus, wie er denn im Kriege gegen Perseus als Kriegstribun eine Mondfinsternis voraussagte. Als Konsul 166 v. Chr. triumphierte er über die Ligurer. Gajus Sulpicius Peticus bekleidete 364 —351 das Konsulat fünfmal; Censor war er 366; als Diktator besiegte er 358 die bojischen Gallier. Aus der Familie der Rufus wird zuerst Servius Sulpicius Rufus 388 v. Chr. unter den konsularischen Kriegstribunen aufgeführt. — Aus ihr stammte der als Redner, mehr noch als Jurist berühmte, durch Redlichkeit und Einsicht ausgezeichnete Servius Sulpicius Rufus. Er besorgte als Interrex 52 v. Chr. die Konsulwahl des Gnäus Pompejus; als Konsul strebte er 51, im Gegensatz gegen seinen Amtsgenossen Marcus Claudius Marcellus, den Bürgerkrieg zu verhindern. Cäsar gab ihm 46 die Verwaltung von Achaja. Im J. 43 starb er auf der Reise zu Antonius, zu dem n der Senat abgesendet hatte, um ihn zur Aufhebung der Belagerung von Mutina aufzufordern. Von ihm sind Briefe an Cicero erhalten. Plebejer ward, um Volkstribun werden zu können, Publius Sulpicius Rufus, geb. 124 v. Chr., von Cicero, der ihn in den Büchern De oratorer als einen der Redenden einführt, wegen seiner mächtigen Beredsamkeit, aber auch wegen seines Charakters hochgestellt. Durch die Anklage des Gajus Norbanus begründete er 94 seinen Ruf. Im Bundesgenossenkriege zeichnete er sich 89 v. Chr. unter Gnäus Pompesus Strabo durch die Unterwerfung der Marruciner auch als Feldherr aus und wurde für das Jahr 88 zum Volkstribun gewählt. Als solcher widerstand er dem Gajus Julius Cäsar, der sich gesetzwidrig um das Konsulat bewarb. Seine Gesetzvorschläge, von welchen einer dahin ging, die in das Bürgerrecht aufgenommenen Bundesgenossen nebst den Freigelassenen in alle Tribus zu verteilen, riefen den heftigsten Widerstand einer von den Konsuln Sulla und Quintus Pompejus Rufus geführten Optimatenpartei hervor, sodaß der Vorschlag nur unter Blutvergießen durchgesetzt ward. Beide Konsuln mußten aus der Stadt entweichen; Sulpicius aber beantragte nun, dem Marius, obwohl er Privatmann war, den dem Sulla übertragenen Oberbefehl gegen Mithridates zu geben. Dieser kehrte darauf mit dem Heer nach Rom zurück und bemächtigte sich ihrer mit Gewalt. Unter den zwölf Geächteten befand sich auch Sulpicius. Er wurde auf seiner Villa entdeckt und getötet.