Sybel (Heinr. von), ausgezeichneter deutscher Geschichtschreiber, geb. 2. Dez. 1817 zu Düsseldorf, widmete sich 1834—38 zu Berlin unter Ranké histor. Studien und veröffentlichte bereits 1841 eine „Geschichte des ersten Kreuzzugs (Düsseld. 1841; 2. Aufl. 1881), in welcher er den Nachweis führte, daß Peter der Einsiedler nicht der Urheber und Gottfried von Bouillon nicht der Führer desselben war. In demselben Jahre habilitierte er sich an der Universität zu Bonn, wo er 1844 eine außerord. Professur erhielt und in demselben Jahre seine Schrift über die «Entstehung des dentschen Königtumsv (2. umgearbeitete Aufl. 1881), sowie mit Gildemeister eine Abhandlung über »Die Unechtheit des heiligen Rocks in Trierd (3. Aufl., Bonn 1845⁵ herausgab. Im Herbst 1845 folgte er einem Rufe als ord. Professor nach Marburg. Als Abgeordneter der Universität wurde er im Herbst 1848 Mitglied der kurhess. Ständeversammlung, in der er sich zum konstitutionellen Centrum hielt. Im Frühjahr 1850 als kurhess. Abgeordneter auf den Reichstag zu Erfurt gesandt, stimmte er mit der (sog. kleindeutschen) Enbloc-Partei. Im J. 1856 folgte S. einem Rufe nach München, wo er bald nachher auch Mitglied der Akademie der Wissenschaften wurde. Auch begründete er daselbst das Historische Seminar, das erste in Deutschland, veranlaßte die Herausgabe der deutschen Reichstagsakten, gründete 1859 die «Histor. Zeitschrifto (bis jetzt 55 Bände) und führte als Sekretär die Geschäfte der vom Könige Maximilian II. ins Leben gerufenen Historischen Kommission. Politische Differenzen veranlaßten 1861 seine Übersiedelung nach Bonn als Nachfolger Dahlmanns in der Professur der Geschichte. Er publizierte dort seine Abhandlung „Die deutsche Nation und das Kaiserreichv (Düsseld. 1862) eine scharfe Kritik des deutschen Kaisertums im Mittelalter, die eine lebhafte Polemik hervorrief: »Kleine histor. Schriftens (3 Bde., Münch. 1863—69; 3. Aufl. 1880), Vorträge und Aufsätzer (Berl. 1874), eine Abhandlung über den Frieden in Frankreichs (Düsseld. 1871), sowie die Schrift Klerikale Politik im 19. Jahrh.» (Bonn 1874). Sein Hauptwerk ist die „Geschichte der Revolutionszeit 1789—1800 (5 Bde., Düsseld. 1853 fg.; 4. Aufl. 1878). In diesem Buche begründete er nach Studien in den pariser Archiven die später von Taine weiterentwickelte Auffassung derFranzösischen Revolution, und gab zum ersten mal eine aus den authentischen Quellen (Archive von Berlin, Wien, London, Haag, München) geschöpfte Darstellung —.—— der europäischen Politik jener Zeit. Im J. 1862 zum Mitgliede des preuß. Abgeordnetenhauses gewählt, gehörte er zur Opposition, mußte aber wegen eines langwierigen Augenübels 1864 sein Mandat niederlegen. Im Frühjahr 1867 sandte ihn der Wahlkreis Lennep-Mettmann in den Konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes, wo er mit der nationalliberalen Partei stimmte. Aus der parlamentarischen Thätigkeit wieder zurückgetreten, gründete er in Bonn den Deutschen Verein der Rheinprovinzy, der das Hauptorgan desKampfes gegen die ultramontane Partei wurde. Er nahm 1874 ein Mandat zum Abgeordnetenhause in Magdeburg an und wurde 1876 und 1879 wiedergewählt. Im Herbst 1875 wurde er mit dem Range eines Geh. Oberregierungsrats Direktor der preuß. Staatsarchive und Mitglied der berliner Akademie der Wissenschaften, siedelte nach Berlin über und veranlaßte die Unternehmung einer großen, auf 70 Bände berechneten Publikation archivalischer Dokumente, deren Ausgabe 1878 begann und bis 1886 26 Bände geliefert hat. Zugleich gibt er im Auftrage der Akademie mit Max Duncker die politische Korrespondenz Friedrichs d. Gr. heraus und ist Mitglied der Direktion der Monumenta Germaniae historicas geworden.