FeedSympathie (grch.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Sympathie (grch.) heißt Mitempfindung, also im psychischen Sinne Mitfreude und Mitleid, als die unwillkürliche Nachahmung einer fremden Empfindung, die Teilnahme an derselben, gleich als ob man selbst das empfinde, was der andere empfindet. Die S. ist daher von dem Wohlwollen zu unterscheiden, welches nicht sowohl mit dem andern als für ihn empfindet, obwohl wohlwollende Gefühle sich häufig aus sympathetischen Gefühlen entwickeln und mit ihnen verschmelzen. Ihr Gegenteil ist die Antipathie (s. d.). In der Physiologie bezeichnet Sympathie (consensus) diejenige Eigenschaft des Organismus, vermöge welcher durch die vermehrte oder verminderte Thätigkeit eines Organs auch die eines andern vermehrt oder vermindert wird. Der allgemeine Grund dieser physiologischen S. ist jedenfalls die enge Verbindung der Teile des Organismus zu einem lebendigen Ganzen. Im einzelnen hat man als Verbindungsglied zwischen dem Organ, von dem die Thätigkeit ausgeht, und dem andern, auf welches sie sich sympathisch (konsensuell) verbreitet, bald das Nervensystem, bald das Gefäßsystem, bald das Zellgewebe anzusehen. Ersteres wirkt besonders durch psychische Vermittelung oder Reflex. (S. Reflexrbewegungen, Reflexerscheinungen.) Die Erscheinungen der S. zeigen sich schon vielfach im gesunden Zustande. Ein Organ bildet sich z. B. zu gleicher Zeit mit dem andern aus; die Stimme verändert sich mit eintretender Mannbarkeit; die Leber, die Speicheldrüsen, das Pankreas, die Magenschleimhaut sondern zur Zeit der Verdauung eine größere Menge Flüssigkeit ab; der Reiz des Lichts auf das Auge erregt Niesen, das Kitzeln Lachen etc. Noch häufiger aber werden die Erscheinungen der S. in Krankheiten beobachtet. (S. Reflexkrämpfe.) Chedem verstand man auch unter Sympathie eine Hater, Lelees Wechselbeziehung der Dinge in der Natur, welche man z. B. bei den sog. Sympathetischen Kuren (s. d.) voraussetzte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 404Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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