Symphonie (grch., d. i. Zusammenklang), ital. Sinkonia, bezeichnet in der modernen Musik ein ester thätig ist, und zwar so, daß die einzelnen Instrumente in geordneter Selbständigkeit, wie Organe oder Glieder eines Leibes, darin sich bewegen. Hierdurch unterscheidet die S. sich von dem Orchesterkonzertstück, welches einzelnen Instrumenten auf Kosten der andern eine bevorzugte Stellung Heinräumt. Bei der S. ist die Geltendmachung der Virtuosität fast ganz ausgeschlossen, weshalb sie mehr auf eine gleichmäßige musikalische Durcharbeitung des Ganzen Bedacht nehmen muß. Sie besteht aus mehrern Hauptsätzen und ist an Jorm und Inhalt die größte Leistung der reinen Instrumentalmusik. Als um das J. 1600 die Begleitung der Instrumente zum ein- und mehrstimmigen Gesange mehr und mehr in aigen Aar⸗ kam, bezeichnete man mit S. die selbständigen Vor⸗, Zwischen⸗ und Nachspiele der Singstücke, und letztere wurden infolge dessen auch wohl selbst so genannt (leinige der größten Werke von Gabrieli, Hasler und Schütz sind auf eine gewisse Selbständigkeit und abgeschlossene Form der kleinen instrumentalen Sätze abgesehen war, konnte man schon damals bemerken. Der Name Symphonia blieb dann haften an den Einleitungsstücken zu musikalischen und andern Schauspielen und hielt sich noch lange neben der durch die franz. Oper Lullys aufgekommenen Bezeichnung „Ouverturev. Ein Stilunterschied zwischen beiden bildete sich erst im Verlaufe der weitern Entwickelung. aus. Keime der spätern S. enthielten die um 1700 blühenden, meistens für Soloinstrumentelbesonders Violinen, Flöten und Oboen) geschriebenen Sonaten, namentlich in der Form und Folge der Sätze, während das Concerto grosso die eigentliche Bils dungsstätte der S. wurde durch die Benutzung des großen Orchesters, im übrigen aber S. und Instrumentalkonzert in sich vereinigte. Seit 1760 ging die S. mit schnellen Schritten ihrer Vollendung entgegen durch Joseph Haydn, der durch seine sehr reiche musikalische Produktivität und die genaue Bekanntschaft mit sämtlichen Instrumenten in mehr als hundert Werken dieser Art die S. zu derjenigen festen Form und innern musikalischen Selbständigkeit gestaltete, in welcher sie seither ihre größte Vollendung erreicht hat. Mehrere seiner S. sind noch konzertierender Art und hängen mit dem Concerto grosso zusammen, auch sind die frühesten derselben für ein beschränktes Orchester, z. B. ohne Flöte, gesetzt; aber die Form von vier Sätzen (Allegro, Andante oder Adagio, Menuet, Allegro-Schlußsatz) und die richtige innere Gestaltung oder der musikalische Charakter macht sich uberall geltend. In letzterer Hinsicht unterscheiden sich Haydns S. von seinen Quartetten durch breitere An age, größere Gedanken, harmonische Pracht und Fülle und einen demgemäßen Aufschwung ins Ernste und Erhabene, und dies eben war es, wodurch er der S. den hohen Rang und die entschiedene Selbständigkeit verschaffte. Zugleich legte er mit richtigem musikalischen Gefühl den Schwerpunkt in den langsamen Satz, worin ihm alle wahren Syphoniekomponisten, besonders Mozart und Beethoven, gefolgt sind. Durch diese breite und tiefe Anlage des Andante⸗ oder Adagiosatzes machte sich das Bedürfnis nach einem erfrischenden und erheiternden Kontrast geltend, und deshalb kam Haydn dazu, hier den muntern Menuetsatz in die S. einzuführen, an dessen Stelle Beethoven das humoristisch warme und tief gefärbte Scherzo setzte. Höchst bedeutende, tief musikalische und kunstreiche Werke dieser Art, die nie veralten werden, schuf Mozart. Doch erst Beethoven vollendete die Gattung in seinen berühmten neun Werken, aus denen jedem klar werden muß, daß dieser große Meister in der S. seine eigentliche Heimat hatte. Er entwickelte und erweiterte das Orchester zu der größtmöglichen Freiheit und Mannigfaltigkeit und erhöhte in entsprechendem Maße die Ausdrucksfähigkeit desselben. Hierdurch eröffnete er gleichsam eine neue Welt, rief auch vielfache Auslegungen und Deutungsversuche seiner S. hervor und wurde der Ausgangspunkt für alle folgenden Kompositionen dieser Art. Mit seiner neunten S., in der er durch Einführung des Gesangs selbst die bisherige Form durchbrach, wirkte er erst später, dann aber auch um so bedeutender, auf die Kunst ein, und zwar hier nicht überall in wohlthätiger Weise. Bis auf Mendelssohn und Schumann hielt die S. sich noch wesentlich in der frühern geschlossenen Form, wenn auch abweichend an Zahl und Ordnung der Sätze. Erst in neuerer Zeit machte Franz Liszt den Versuch, symphonische Dichtungeno daneben zu stellen, indem er aus poetischen Motiven oder bekannten Dichtungen seine Anregung nahm. Dies ist aber nicht mehr die alte, äußerlich unabhängige, innerlich freie S., sondern eine von poetischen Gedanken abhängende musikalische Illustration, die deshalb auch weder die Wirkung der eigentlichen S. ausüben, noch das tiefe und rein künstlerische Interesse derselben erwecken kann. Die neueste Entwickelung, wie sie durch Brahms u. a. repräsentiert wird, ist denn auch mit richtigem Takt und mit Erfolg auf die Form der eigentlichen S. zurückgekommen.