FeedSonate l
MusikBrockhaus 1882

Sonate l(ital. Sonata, von sonare, tönen) ist ursprünglich die allgemeine Bezeichnung für Instrumentalsatz und steht in diesem Sinne im Gegensatze zur Cantata, der allgemeinen Bezeichnung für einen Vokalsatz. Als sich aber im Laufe des 17. Jahrh. verschiedene Formen der Instrumentalmusik ausbildeten, wurde auch die Bezeichnung S. in verschiedenem Sinne angewendet und besonders auf eine Reihe selbständiger Sätze bezogen, welche musikalisch ein Ganzes ausmachten. Diese Sätze waren in der Kammersonate (Sonata di camera) munter und lebhaft, meist Tänze; in der Kirchensonate (Sonata di chiesa) sollten sie ernster, würdiger, auch wohl fugiert, kontrapunktisch gearbeitet sein. So war es in der Zeit 1650 — 1750, wo die S. hauptsächlich für Saiteninstrumente mit begleitendem Klavier⸗ und Orgelbaß bestimmt war und damals das bildete, was wir jetzt instrumentale Duos, Trios und Quartette nennen. Die S. für Klavier entstand zwar schon um 1700 durch Kuhnau, bildete sich aber erst nach 1750 zu ihrer jetzigen Gestalt aus; bis dahin war es vorwiegend die Suite (s. d.), welche für Klavierstücke galt. Erst seit ihrer Ausbildung durch Ph. Em. Bach und besonders durch Haydn erhielt die Klaviersonate im wesentlichen diejenige musikalische Form, welche die frühern Gestaltungen dieser Art überflügelte, und daher kam es, daß der Name S. in der neuern Musik fast ausschließlich Stücke für Klavier, oder für Klavier mit Violine, bezeichnet. An die genannten und viele andere Klaviersonaten-Komponisten jener Zeit schließen sich, jeder in seiner Art weiter bildend, Mozart und Clementi an. Namentlich aber hat Beethoven die Sonatenform mit Fülle und Tiefe behandelt. Auch noch viele andere, Altere und Neuere, z. B. Cramer, Dussek, Weber, Hummel, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Brahms, Raff u. a. haben in der S. Vortreffliches geleistet. Sonatine ist eine S. in kleinerer Form und von leichterm Inhalt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 923Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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