Syphilis, Ven'rische Krankheit, Lustseuche (Lues venérea). Von den durch Ansteckung erzeugbaren Geschlechtskrankheiten unterscheidet man drei verschiedene Arten, den Tripper (s. d.), den weichen Schanker und den harten Schanker mit seinen Folgezuständen, de sekundären Syphilis. Die schweren Fälle veralteter sekundärer S., welche namentlich mit C krankung der Knochen einhergehen, bezeichnet ma wohl auch als tertiäre S., und die sekunda S. nennt man, weil sie nicht miehr ein einfach örtliches Leiden ist, sondern den ganzen Körp ergreift, auch konstitutionelle S. Die Feigwa zen (s. d.) und Beulen oder Bubonen (s. d.) sind teils eigentlich syphilitisch, teils nicht. Die S. entsteht stets durch Ansteckung, und zwar fast alle durch innige Berührung eines gesunden Körpertei mit einem kranken (also zumeist durch Beischlaf sehr selten in anderer Weise, z. B. durch Kratzen m den von Syphilisgift beschmutzten Nägeln u. dgl. Die Angabe, daß die Krankheit durch von Syphiliskranken gebrauchte Geräte, z. B. durch Trinkgeschirr u. dgl. übertragen worden sei, wird häufig von Angesteckten gemacht, um sich vorwurfsfrei zu erhalten, indes ist kein einziger sicherer Fall dieser Art be kannt. Bei dem weichen Schanker (ulcus moll tritt (wie beim Tripper) wenige Tage nach der erfolgten Ansteckung an der betroffenen Stelle (also zunächst an den Geschlechtsteilen) ein weiches, zackiges Geschwür auf, dur dessen Eiter beim künstlichen oder natürlichen erimpfen, an dem bereits erkrankten oder noch gesunden Individuum ein gleiches hervorgebracht werden kann. Diese Geschwür heilt bei der einfachsten Behandlung binnen zwei bis vier Wochen und läßt keine Folgen nach sich, weshalb man gegenwärtig annimmt, daß es mit der S. gar nichts zu schaffen hat, sondern eine eigenartige, für sich bestehende Krankheit darstellt. Zuweilen entzünden sich die Leistendrüsen und bilden schmerzhafte, in Eiterung übergehende Geschwülste, Bubonen. Nach der Heilung dieses Geschwürs und der Bubonen hat der weiche Schanker sein Ende erreicht; er hinterläßt keine Folgen, als die etwa durch die Gewebsstörung und durch die Narben bedingten. Anders verhält es sich dagegen mit dem harten Schanker (ulcus durum, auch indurierter Schanker, primär-syphilitisches Geschwür oder Initialstlerose genannt), der das erste Symptom der Lustseuche oder konstitutionellen S. darstellt. Unmittelbar nach der Ansteckung tritt hier kein Zeichen der S. auf, die Stelle, an welcher die Impfung stattgefunden hat, heilt und wird zumeist gar nicht wahrgenommen. Erst drei bis vier Wochen nach der Ansteckung bildet sich an dieser Stelle ein oft sehr kleines, häufig hartes Geschwür aus, und gleichzeitig mit diesem treten weitere Zeichen der erfolgten Durchseuchung auf, zunächst, abgesehen von den (schmerzlosen, indolenten) Anschwellungen der Leistendrüsen, auch Anschwellungen der Lymphdrüsen an andern Körperteilen und meist rotfleckige,‚ selten schuppige oder knotige Hautausschläge (Syphiliden). Das primär- syphilitische Geschwür läßt sich nicht auf bereits sekundär Erkrankte verimpfen, sondern nur auf Gesunde und erzeugt dann wieder konstitutionelle S. Neben den Hautausschlägen bilden sich bei der S. noch eine Reihe von andern Affektionen aus, als Geschwüre in der Mundhöhle, namentlich am harten und weichen Gaumen, welche bei Vernachlässigung den Gaumen leicht durchbohren und so schwer zu heilende Sprachstörungen hervorrufen können; ferner Geschwüre in der Nase, welche bei Vernachlässigung ein Einsinken der Nase bewirken, breite Condylome oder Feigwarzen (s. d.), Schleimpapeln im Mund und Rachen, Augenentzündungen, Hirnaffektionen u. dgl. Charakteristisch für diese sekundär-syphilitischen Gewebserkrankungen ist die Ausbildung einer eigentümlichen Geschwulstform, des Syphilöms, »welche namentlich die innern Organe (Leber, Lunge, Milz u. s. w.) befällt und eine kleinzellige Infiltration der Gewebe bewirkt. Für die tertiäre S. sind namentlich die Erkrankungen der Knochen und Knochenhäute (Schienbeine, Stirnbein, Gesichts- und Vorderarmknochen) als Merkmale betrachtet worden. Die Knochen schwellen dabei an und sind, namentlich nachts, sehr schmerzhaft. Nach neuern Untersuchungen scheint auch die S., wie so viele andere Infektionskrankheiten, auf der Einwanderung und Wucherung kleinster Spaltpilze (Syphilisbacillen) zu beruhen, welche sich im Blute und in den Lymphdrüsen verbreiten und die mannigfachsten entzündlichen Veränderungen in den Geweben verursachen. So leicht zugänglich die S. meist der Heilung ist, wenn diese zeitig begonnen und zweckmäßig geleitet wird, so schwere Folgen kann eine Vernachlässigung und falsche Behandlung derselben haben. Auf alle Fälle ist möglichst zeitig ein tüchtiger und gewissenhafter Arzt persönlich zu Rate zu ziehen. Als Heilmittel bedient man sich in schweren Fällen des Quecksilbers und des Jodkaliums; doch leisten diese nur in der Hand des Arztes das, was sie sollen. Am wirksamsten erweist sich das Quecksilber in der Form der Schmier⸗ oder Inunktionskur, bei welcher täglich 3—4 Gramm grauer Quecksilbersalbe mit der Hohlhand unter gleichmäßigem kräftigen Druck in die Haut verschiedener Körperstellen eingerieben und so dem Blutstrome einverleibt werden. In leichten Fällen genügt oft eine einfache symptomatische Kur. Noch ist zu erwähnen, daß sich die konstitutionelle S. auch auf die Kinder vererbt, wenn eins der Eltern zur Zeit der Zeugung mit derselben behaftet ist thereditäre Syphilis). In vielen Fällen sterben die Kinder zeitig, erlangen oft gar nicht die Reife, in andern sind die Kinder siech und kränklich. (S. Skrofulose.) Aus diesem Grunde sollen Syphilitische nicht früher als vor Ablauf von vier Jahren und auch dann nur eine Ehe eingehen, wenn sie mindestens ein Jahr lang von allen Rückfällen verschont geblieben sind. Wann die S. zuerst beobachtet wurde, ist nicht ermittelt; die Angabe, daß sie erst nach der Entdeckung Amerikas aufgetreten und im Altertum unbekannt gewesen sei, hat neuerdings viel von ihrer Glaubwürdigkeit verloren. In größerer Verbreitung trat die Krankheit zuerst am Ende des 15. Jahrh. auf, wo sie als Franzosenkrankheit (morbus gallicus) im Heere Karls VIII. von Frankreich großes Unheil anrichtete. Eine wirksame Bekämpfung der S. ist nur durch die strengste sanitätspolizeiliche überwachung der Prostitution (s. d.) zu erreichen. Vgl. Geigel, «Geschichte, Pathologie und Therapie der S.» (Würzb. 1867); Zeißl, «Pathologie und Therapie der S.» (Stuttg. 1876).