FeedLueius
HeilkundeBrockhaus 1882

Lueius ist der Name dreier Päpste: Lucius IJ., Inhaber des röm. Stuhls 253—254, wurde aus Rom verbannt, doch ist die Angabe, daß er den Märtyrertod erlitten habe, unrichtig. Lucius II., Papst von 1144—45, hieß vorher Gerhard da Caccianimici, stammte aus Bologna und war schon unter mehrern seiner Vorgänger Legat in Deutschland. Als Papst vermochte er nicht, die auf Wiederherstellung der alten Republik gerichteten Bestrebungen der Römer niederzuhalten. Lucius III., Papst 1181—-85, aus Lucca, hieß vorher Ubaldo Allueingoli und regierte zu einer Zeit, wo Rom durch heftige innere Stürme heimgesucht wurde, sodaß er oft flüchtig in Italien herumirren mußte. Vergeblich wandte er sich an Kaiser Friedrich I. um Hilfe, da er die geforderte Abtretung der Mathildeschen Güter nicht bewilligen konnte. Lucius (Robert), preuß. Minister der Landwirtschaft, geb. 20. Dez. 1835 in Erfurt, studierte Naturwissenschaften und Medizin in Heidelberg, Breslau, Berlin, Paris und Edinburgh und ging Ende 1859 nach Marokko, wo er bei der span. Expedition unter O'Donnell als Arzt thätig war. Im J. 1860 begab er sich nach Ceylon, um sich der preuß. Expedition nach Ostasien unter der Leitung des Grafen Eulenburg als Gesandtschaftsarzt anzuschließen. Er begleitete die Expedition nach Japan, China, Manila, Siam, und beschäftigte sich dabei mit ethnolog. und geogr. Studien, deren Resultate dem offiziellen Expeditionswerke einverleibt sind. L. nahm als Landwehroffizier an den Feldzügen gegen Dänemark, Ssterreich und Frankreich teil und widmete sich dann der Verwaltung seiner Güter Stödten, Groß- und Klein-Ballhausen. Im J. 1870 wurde er in das preuß. Abgeordnetenhaus und in den Reichstag gewählt, wo er sich der freikonservativen Partei anschloß und 1879 das Amt eines Vizepräsidenten bekleidete. Im Juli 1879 wurde er zum landwirtschaftlichen Minister ernannt. Lucka, Stadt im Herzogtum Sachsen-Altenburg, Verwaltungsbezirk Altenburg, 7kmim NNO. von Meuselwitz, an der Schnauder und hart an der sächs. Grenze, Station der Gaschwitz-Meuselwitzer Eisenbahn, mit (1880) 1505 E., die viel Schuhmacherei, Gerberei, Handschuhmacherei, auch Weberei treiben. Hier siegten 31. Mai 1307 die thüring. Landgrafen Friedrich der Gebissene und Diezmann über die Kaiserlichen unter Philipp von Nassau. Luckau, Kreisstadt im Regierungsbezirk Frankfurt der preuß. Provinz Brandenburg, früher Hauptstadt der Niederlausitz, in sumpfiger Gegend an der Berste und der Linie Berlin-Dresden der Preußischen Staatsbahnen gelegen, ist Sitz eines Landratsamts und eines Amtsgerichts, hat eine schöne evang. Kirche im got. Stil, ein Göymnasium und eine Strafanstalt für weibliche Personen und zählt (1880) 4684 meist prot. E., welche eine Teppichfabrik, Cigarrenfabriken, Bierbrauereien und Kunstdrechslereien unterhalten. Am 4. Juni 1813 kam es hier zwischen den Franzosen unter Oudinot und den Preußen und Russen zu einem Gefecht, in welchem Bülow die Franzosen zurückschlug. Hierauf von den Franzosen während des Waffenstillstandes befestigt, wurde die Stadt im Aug. 1813 beschossen und die Besatzung zur Übergabe genötigt. Mit der Niederlausitz wurde die Stadt 1815 von Sachsen an Preußen abgetreten. Der Kreis Luckau zählt (1880) auf 1298 qlem 62792 meist prot. E. Lücke (Albert), namhafter Chirurg, geb. 1829 zu Magdeburg, war Schüler von B. Langenbeck in Berlin, dann bis 1865 Privatdocent daselbst, übernahm hierauf den chirurg. Lehrstuhl in Bern, von wo er bei Begründung der Universität Straßburg dorthin berufen wurde. L. ist einer der bedeutendsten jetzt lebenden deutschen Chirurgen; durch zahlreiche kleinere und größere Schriften hat er zur Förderung der chirurgischen Wissenschaft beigetragen. Auch als Militärchirurg zeichnete er sich im Schleswig-Holsteinischen Kriege (1864) und im Deutsch⸗-Französischen Kriege aus. Er gibt (jetzt mit Rose, früher mit Hueter) die Deutsche Zeitschrift für Chirurgiev, sowie mit Billroth ein Handbuch Deutsche Chirurgied (Stuttg. 1879 fg.) heraus. Lücke (Gottfr. Christian Friedr.), deutscher Theolog, geb. 23. Aug. 1791 zu Egeln im Magdeburgischen, studierte in Halle und Göttingen, wurde 1813 an letzterer Universität Repetent, habilitierte sich 1816 in Berlin und wurde daselbst im Frühjahr 1818 zum außerord. Professor, im Herbst desselben Jahres zum ord. Professor in Bonn ernannt. Im J. 1827 folgte L. einem Rufe nach Göttingen und starb daselbst 14. Febr. 1855. Sein Hauptwerk ist der Kommentar über die Schriften des Evangelisten Johanneso (4 Bde., Bonn 1820—32; 3.Aufl., Bd. 1 u.2, 1842—52; Bd. 3, besorgt von Bertheau, 1856). In dieser Arbeit war er bemüht, eine strengere philol. und lebendigere theol. Auslegung der Bibel gegenüber der rationalistischen und supranaturalistischen Exegese geltend zu machen. Luckenwalde, Stadt im Kreise Jüterbog-L. des Regierungsbezirks Potsdam der preuß. Provinz Brandenburg, an der Nuthe, Station der Linie Berlin-Halle der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat drei Vorstädte, eine evang. und eine kath. Kirche, ein Realgymnasium und zählt (1880) 14 706 meist prot. E. Unter den 30 Tuchfabriken ist eine der größten des preuß. Staats. Außerdem bestehen sieben Hutfabriken, Wollspinnereien, Baumwoll- und Leinwebereien, Maschinenfabriken, eine Pappfabrik, Ziegeleien, Dampfmühlen, Destillationen, Brauereien etc. Luckner (Nikol., Graf), Marschall von Frankreich, geb. zu Cham im bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz 12. Jan. 1722 als der Sohn eines Gastwirts, wurde im Jesuitenkolleg zu Passau erzogen, trat 1741 in das bayr. Heer; 1745 führte er ein Husarenregiment nach Holland und diente den Generalstaaten, wurde 1757 hannov. Major und errichtete ein Husarenkorps. Im Siebenjährigen Kriege führte er ein Parteigängerkorps und fügte an dessen Spitze 1757 den Franzosen, besonders in der Schlacht bei Roßbach, großen Schaden zu. Nach dem Kriege trat er mit dem Grade eines Generallieutenants in franz. Dienste. Nachdem L. in Holstein ansehnliche Güter angekauft und zwei Majorate gestiftet hatte, wurde er 1784 in den dän. Grafenstand erhoben. Im J. 1790 wendete er sich der Revolution zu, behielt aber seine Pension und wurde Dez. 1791 sogar zum Marschall erhoben. Nach der Kriegserklärung an Ssterreich vertraute man ihm den Oberbefehl über die Nordarmee. Er nahm Menin und Courtray, wurde aber, nachdem diese Stadt 30. Juni 1792 wieder verloren gegangen, an den Rhein versetzt und dort in Lafayettes contrerevolutionäre Pläne verwickelt. L. wurde dann zu Anfang des Monats August vor die Nationalversammlung geladen und stellte dort aufs ärgste Lafayette bloß. Nach dem 10. Aug. und der Flucht Lafayettes mußte er den Befehl über sein 20000 Mann starkes Korps, mit dem er bei Metz stand, an Kellermann abgeben und erhielt dafür den Titel eines Generalissimus mit dem Auftrage, in der Gegend von Chälons-sur-Marne eine Reservearmee zu bilden. Er ging aber bald nach Paris, um sich gegen die ihm gemachten Anschuldigungen zu verteidigen, wurde verhaftet, vom Revolutionstribunal zum Tode verurteilt und 4. Jan. 1794 guillotiniert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 212Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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