Synthesis (grch.) oder Synthêse heißt Zusammenstellung, Verbindung, Verknüpfung eines Mannigfaltigen im Gegensatz zur Analysis (s. d.), d. h. der Trennung, Zerlegung und Sonderung. Da alles Denken und Erkennen sich zwischen der Trennung und Verknüpfung der Vorstellungen und Begriffe bewegt, so bedient man sich des Wortes vorzugsweise zur Bezeichnung der verschiedenen Arten und Methoden dieser Gedankenverknüpfung. Eine unabsichtliche und unwillkürliche S. findet in der Auffassung der sinnlichen Erscheinungen und unserer selbst satt, indem sich einerseits die Mannigfaltigkeit der wahrgenommenen Merkmale in den Vorstellungen von den Dingen und ihrem Zusammenhange verknüpft, andererseits die Mannigfaltigkeit unserer Vorstellungen, Gefühle und Begehrungen in der Einheit des Selbstbewußtseins verschmilzt. Eine absichtliche Synthese kommt in dem wissenschaftlichen Denken bei Begriffen, Urteilen und der Verknüpfung ganzer Gedanken vor. In dieser Beziehung nennt man eine synthetische Erklärung eine solche, bei welcher die Merkmale vor dem Begriff, in welchem sie verknüpft werden, bekannt sind und die bestimmte Art ihrer Verknüpfung keinem Zweifel unterworfen ist. Der Begriff entsteht dann ganz eigentlich durch das zusammenfassende Denken; so die meisten mathem. Begriffe, während empirisch gegebene Begriffe nur einer analytischen Verdeutlichung, d. h. der Zerlegung einer Gesamtvorstellung in ihre Merkmale, zugänglich sind. Ein synthetisches Urteih nennt man ein solches, dessen Prädikat nicht, wie beim analytischen, schon in dem Subjektsbegriffe liegt, z. B. in dem Urteil: Alle Körper sind ausgedehnt, sondern als eine neue Bestimmung mit ihm verknüpft wird, wie z. B. in dem Urteil: Jede Veränderung hat eine Ursache. Analytische Urteile erläutern, synthetische erweitern unsere Gedanken und Erkenntnisse. Ist dabei die im Urteil auszusprechende Verknüpfung der Begriffe nur durch Erfahrung gegeben, so nennt man es synthesis posteriori; tritt es unabhängig von der Erfahrung mit dem Anspruch auf Notwendigkeit und Allgemeingültigkeit auf, so heißt das eine synthesis a priori; und da alle Erweiterung des Wissens über die Grenzen der Erfahrung hinaus sich in der Form synthetischer Urteile à priori darstellen muß, so ist die wie sind synthetische Urteile a priori möglich? seit Kant eins der wichtigsten Probleme der Philosophie geworden. In ähnlicher Weise unterscheidet man synthetisch (progressiv) und analytisch (regressiv) gebildete Schlußreihen, je nachdem man von gewissen Prämissen aus fortschreitende Folgerungen entwickelt oder rückwärts zu den letzten Gründen zu gelangen sucht. Daher nennt man auch synthetische Methode diejenige, welche, von den Prinzipien ausgehend, die Folgerungen entwickelt, während die analytische diese Prinzipien erst aus den Thatsachen abzuleiten sucht. In der dialektischen Methode, besonders bei Hegel, bezeichnete man auch als S. die Vermittelung zwischen zwei entgegengesetzten Bestimmungen, Thesis und Antithesis, wie z. B. die Konstruktion des Begriffs des Werdens vermöge einer S. von Position und Negation, d. h. der Begriffe des Seins und des Nichts. über die Bedeutung der synthetischen und analytischen Methode in der Mathematik s. Analysis.