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ErdkundeBrockhaus 1882

Syrien (pers.⸗türk. Soristan, arab. esh-Sham) heißt seit der griech.-röm. Zeit das Land, welches zwischen dem Mittelmeer im W., dem Euphrat und der syr. Wüste im O., vom Amanus (Alma Dagh) und Taurus im N. durch 6 Breitengrade bis zur ägypt. Grenze im S. uch erstreckt und einen Teil der asiat. Türkei ausmacht. Ofters zog und zieht man auch Mesopotamien ganz oder teilweise (lals Ostsyrien) zu S. Das Land S. im eigentlichen Sinn wird von N. nach S. von einem Gebirge durchzogen, das im N. mit den Südabfällen des Taurus, im S. aber mit dem Sinaigebirge und der großen westarab. Gebirgskette zusammenhängt, und dessen höchster, mittelster Teil der Libanon (. d.) ist. Es bildet im ganzen eine große Gebirgsplatte mit bedeutenden Erhebungen, die im W. steil nach dem Mittelländischen Meer abfällt, im O. aber in das Plateau der Syrischen Wüste ausläuft. Diese Gebirgsplatte wird durch einen bis 23 km breiten tiefen Spalt der Länge nach durchfurcht. Die Furche beginnt im S. am Golf von Akaba, zieht sich von da an als Wadi Araba bis zum Toten Meer, weiterhin unter dem Namen el-Ghor (vom Jordan und seinen Seen durchflossen) nordwärts bis in die Gegend der Jordanursprünge, setzt sich dann zunächst als enge Schlucht fort, erweitert sich aber zwischen Libanon und Antilibanon wieder zur Thalebene von Cölesyrien (el-Bekäa), welche südlich vom Leontes, nördlich vom Orontes durchströmt, sich bis zum See von Antiochia und dem Fuße des Taurus hinzieht. Durch diese 860 km lange Furche wird die Gebirgsplatte S.s in zwei lange Streifen geteilt, einen östlichen und einen westlichen. Der letztere, sich längs des Mittelländischen Meers hinziehend, ist an drei Stellen durchbrochen, an welchen demnach jene lange Furche mit der Küste in Verbindung steht, nämlich im N. am untern Orontes (Nahr el⸗ Asi), wo dieser nach W. sich wendet und das Küstengebirge durchbricht, um ins Mittelländische Meer zu münden; dann in der Mitte, im N. von Tripolis, wo die Küstenebene dieser Stadt das Nordende des Libanon bezeichnet, und weiter am Südende des Libanon, da, wo der Leontes (Nahr el-Litäni) Cölesyrien verläßt und, bei Tyrus das Küstengebirge durchbrechend, sich ebenfalls ins Mittelländische Meer ergießt. Südlich von dieser Stelle beginnt das Bergland von Palästina (s. d.), welchem dann, durch verschiedene Wüstenplateaus vermittelt, sich der Gebirgsstock der Sinaihalbinsel anschließt. Im Osten ihrer größten Längenfurche steigt die syr. Gebirgsplatte mit einem steilen Felsenrande auf, der sich namentlich im Antilibanon und im östlichen Palästina zu minder hohen Gebirgen erhebt. Auf seiner Ostseite dacht sich dagegen dieser östl. Streifen der syr. Gebirgsplatte sanfter gegen die Hochebene ab, welche, von niedrigen Felskämmen durchzogen, im Osten von Damascus, da, wo die Bewässerung aufhört, zur Syrischen Wüste wird und sich in ihr allmählich zum Tieflande des Euphrat hinabsenkt. Außer den schon genannten Längsthälern (Orontes, Litanes, Jordan) sind die übrigen Flußthäler S.s meist kurze Querthäler, in welchen die Gewässer von den höhern Küstengebirgen aus teils westlich zum Meer, teils östlich in die die Längenfurche durchströmenden Flüsse sich ergießen. Ebenso sendet der östliche Gebirgszug viele Flüßchen und Bäche nach dieser Furche; aber auch nach Osten zu entströmen dem Antilibanon eine ganze Reihe von Flüßchen, welche durch die fruchtbare Ebene von amascus (die Ghuta) nach den sog. Wiesenseen. 6 Stunden östl. von Damascus (Bahret el-Atebe und Bahret el-Hidjäne) ausmünden. Sonst sind an Seen noch hervorzuheben der See von Höms am Orontes, die Sümpfe von el-Match, südlich von Aleppo, vom Nahr Kuwek gebildet; der See es-Sabacha, südwestlich von Aleppo; der große See von Antiochia (Ak Deniz), von den aus dem Norden kommenden Flüssen Kara-Su und Afrin gespeist. Das Gestein S.s ist vorherrschend Kalk: Bergkalk im Libanon, mit aufgelagertem Kohlensandstein und teilweise Eisensteinlagern, Kreide im Antilibanon, Jurakalk in Palästina, stellenweise, namentlich im Hauran, auch im Jordangebiet, mit vulkanischen Gebilden durchbrochen, mit heißen Quellen, Lagern von Erdharz, Schwefel, Salz durchsetzt. Klimatisch gehört S. noch zu den Ländern der asiatischen Regenzone: auf die Regenzeit vom Ende Oktober bis Ende März folgt nach kurzem Frühling die heiße dürre Zeit vom Mai bis Oktober. Aber nur in der westlichen Hälfte des Landes sind die Regen, durch die Winde vom Meer hergebracht, reichlicher; jenseit der großen Thalspalte, nach Osten zu werden sie immer spärlicher. Die Temperatur des innern S. ist im Sommer sehr heiß, nur an der Küste (durch die Nähe des Meeres) und in den höher gelegenen Berggegenden gemäßigt, auf den höchsten Kämmen und Gipfeln (2300—-3000 m) sogar kalt; aber im Winter fällt auch im innern Lande (3. B. in Damascus, Aleppo) häufig Schnee. Die Fruchtbarkeit der verschiedenen Landesteile ist sehr verschieden. Die Küstenlandschaften, Gebirgsthäler, an Flüssen und Quellen reichen Gegenden haben eine üppige (subtropische) Vegetation, mit immergrünen Bäumen, Wein⸗, Ol⸗ und Feigenbäumen, feinsten Obstarten, Baumwollstauden, Maulbeerbäumen, Mais, Reis und Weizen; äußerst fruchtbaren Boden hat auch die Landschaft um Damascus und der Hauran; kahler sind die an Quellen und Niederschlägen ärmern innern Hochebenen; weiter nach Osten zu wird die Landschaft immer dürrer und nimmt allmählich den Charakter der arabischen Steppe und Wüste an. Im Altertum war die Fruchtbarkeit, dank der sorgfältigen Kultur und namentlich der künstlichen Bewässerungsanlagen, eine viel größere und für eine dichtere Bevölkerung hinreichend; selbst in der Wüste gab es noch über Palmhra hinaus blühende Städte und Oasen. Heutzutage zählt ganz S. kaum etwa 2 Mill. E. Politisch zerfällt es (abgesehen von Bruchteilen, die zum Vilajet Bagdad gehören) in 2 Vilajete, nämlich von Haleb (Aleppo), welches über den Euphrat hinüber sich erstreckend, etwa 870000 Seelen haben soll, und von esh-Shäm (Damascus) mit 1100000zein Teil von diesem, nämlich der Bezirk (Mutessariflik) Jerusalem, hat neuerdings einen eigenen, direkt unter der Pforte stehenden Vali. Die bedeutendsten Städte sind Aleppo, Hamath, Damascus, Acca, Beirut, Jerusalem. Die Bevölkerung des Landes, nach Abstammung und Religion gemischt, ist größtenteils semitisch. Die Mehrzahl besteht aus Mohammedanern, worunter viele eingewanderte Araber, mit Einschluß der Beduinen an den Grenzen des Landes, wenige Türken, die Herren des Landes, und einige im Norden des Landes umherziehende Turkomanen⸗ und Kurdenstämme. Sehr zahlreich sind auch die Christen. (S. Syrische Kirche.) Sie sprechen sämtlich Arabisch, was überhaupt als die Landessprache zu betrachten ist, denn die Syrische Sprache (s. d.) ist in S. fast ganz ausgestorben. Außerdem gibt es in S. viele zum Teil aus den europ. Ländern eingewanderte Juden, namentlich in Palästina (s. d.), wo sie noch ansehnlichegeschlossene, auchackerbauende Gemeinden bilden; ferner mehrere andere Völkerschaften mit eigentümlichen, dem Islam näher oder entfernter verwandten Religionen; so die Drusen (. d.), gegen w100000; die Metäwileh in Cölesyrien, gegen 20000: die Ansarierls.d.),gegen 25000 Seelen, die ebenfalls alle das Arabische zu ihrer Sprache haben. Endlich gibt es in den Städten als Handelsleute angesiedelte Griechen und Franken, in den kath. Klöstern europ. Mönche, schließlich amerik. Missionare und deutsche Ansiedler, auf dem Lande auch herumziehende Kurbäd oder Zigeuner. In ältester Zeit waren in Nordsyrien die Cheta (. Hethiter) das herrschende Volk; im mittlern Lande, späterhin auch über den Norden sich verbreitend, die Aramäer (s. d.)) im Süden und an der Küste die Kananäer und Phönizier (s. d.) und Hebräer (s. d.), welche letztern zur Zeit Davids und Salomos auch die aramäischen Staaten von Damascus, Zoba und den von Hamath von sich in Abhängigkeit brachten. Nach Salomo wurden diese Aramäer wieder selbständig, und bildeten namentlich die von Damascus eine bedeutende Macht. Aber den (vom J. 1100 an) vordringenden Assyrern erlagen allmählich alle diese syr. Staaten und Städte, zuerst die Cheta, später die Aramäer und Hebräer. Weiterhin wurde Syrien nacheinander dem babylonischen, persischen, macedonischen Weltreich einverleibt, bis die Seleuciden (s. d.) ein eigenes Reich in S. stifteten. Nach dem Sturze desselben kam S. unter die Herrschaft Roms und blieb mit seinem nördl. und westl. Teile auch unter dem oström. Kaisertum eine Provinz von diesem, während in seinem südöstl. Teil mehr oder minder unabhängige Araberfürsten (wie die Ghassäniden)y sich festsetzten. Bei der Ausbreitung des Islam wurde es dem Kalifenreich einverleibt. Die christl. Herrschaften, welche die Kreuzfahrer eine Zeit lang im Mittelalter in S. gründeten, bildeten nur ein kurzes Zwischenspiel in der mohammed. Herrschaft, die seitdem über S. nicht aufgehört hat. Denn bald kam das Land unter die Sultane von Agypten und die Mamluken (s. d.), unter deren Herrschaft es furchtbar von den Mongolen verwüstet wurde. Im 16. Jahrh. eroberten es die osman. Türken, seit welcher Zeit es fortwährend einen integrierenden unmittelbaren Teil des Osmanischen Reichs (s. d.) ausgemacht hat, bis auf die kurze Zeit der Herrschaft des Vizekönigs von Agypten, Mehemed-Ali, nach deren Sturz 1840 es wieder unter die Herrschaft der Pforte zurückkehrte. Infolge dieses unaufhörlichen Wechsels der Herrschaften, der verheerenden Kriege, deren Schauplatz das Land fast fortwährend war, und der Barbarei der Herrscher, denen es seit dem Auftauchen des Islam unterthan, ist es von seiner alten Blüte ebenso in polit. und sozialer wie in physischer Hinsicht heruntergebracht. Während S. im Altertum ein von gewerbthätigen Volkern bewohntes, mit einer Menge blühender Städte bedecktes, wohlangebautes, fruchtbares Land war, ist es jetzt im ganzen nur noch eine schwach bevölkerte, mehr mit Ruinen als mit Wohnungen bedeckte, schlecht bebaute, dürre und deshalb unfruchtbare Ode, in der nur die von den Drusen und Maroniten bewohnten Teile des Libanon und die unmittelbarste Umgebung eine Ausnahme machen. Nach der Restauration der türk. Herrschaft hat die Verwilderung und Unsicherheit nur einen neuen Aufschwung genommen, wie die öfter sich wiederholenden blutigen Zwiste zwischen den Drusen und Maroniten und das furchtbare Blutbad unter den Christen und die Verbrennung ihres Stadtviertels in Damascus im Juli 1860 beweisen. Vgl. Ritter, «Erdkunde von Asieno (Bd. 16 u. 17, Berl. 1852 -55); Cowper, «Sects in Syrias (Lond. 1860); Burton und Drake, Unexplored Syrias (2 Bde., Lond. 1872); Zwiedineck von Südenhorst, „S. und seine Bedeutung für den Welthandel v (Wien 1873); Baedeker, KPalästina und S. (2. Aufl., Lpz. 1880); de Vogüs, «Syrie centralen (2 Bde., Par. 1866 u. 1872); Lortet, «La Syrie d'aujourdhuio (Par. 1884); Sachau, Reise in S. und Mesopotamien » (Opz. 1883). Die polit. Geschichte S.s behandeln Salverte (Par. 1861) und Edwards (Par. 1862). Vringa, eine zur Familie der Oleaceen gehörige schönblühende Gehölzgattung, für welche die verschiedensten deutschen Namen im Gebrauch sind. Der zutreffendste derselben ist Flieder. Da jedoch dieser Name zu Unrecht oft für den Hollunder (Sambucus) gebraucht wird, so nennt man sie meist den türkischen Flieder. Die 0 kreut gehörenden Arten sind charakterisiert durch kreuzweis-gegenständige, gestielte, einfache und ganzrandige Blätter und zu pyramidalen, endständigen Sträußen gesammelte Blüten mit vierzähnigem Kelch und langröhriger, präsentiertellerförmiger Krone; diese hat einen vierlappigen Saum und ihre Röhre schließt zwei Staubgefäße ein. Der oberständige, eingeschlossene, einen Griffel mit kopfförmiger Narbe tragende Fruchtknoten wächst zu einer zweiklappigen, mehrsamigen Kapsel aus. 8S. vulgaris L., der gemeine Flieder, ist wahrscheinlich im ganzen südöstlichen Europa einheimisch, hat sich seit dem Ende des 16. Jahrh. in alle Gärten Mitteleuropas verbreitet und kommt vielfach in Hecken, Gebüschen u. s. w. verwildert vor. Aus dieser Art sind bis auf die neuere Zeit zahlreiche Varietäten hervorgegangen, welche sich von der Stammart nur durch die Farbe der Blüte, sowie durch die Größenverhältnisse und den besondern Bau der straußförmigen Rispen unterscheiden. Die ältesten Varietäten sind der rot und der weiß blühende Flieder. Von Frankreich ging der Marly-Flieder mit großen purpurvioletten (bei der Untervarietät pallida pfirsichblütenfarbenen) Blüten in sehr großen, kompakten Sträußen aus. Der Versailles-Flieder unterscheidet sich durch kräftigeres Rot. Der Trianonflieder hat noch dichtere blauviolette Blütensträuße. Beim Orléansflieder sind die Blüten blendend weiß. Von Moritz Eichler in Chemnitz wurden aus Samen mehrere prächtige Varietäten erzogen. Die Varietäten mit gefüllten, blauen, roten und weißen Blüten kommen an Schönheit den meisten einfach blühenden nicht bei und sind wenig verbreitet. Der Rouen-Flieder (S. rothomagensis, von Willdenow S. chinensis genannt) soll zwischen Sämlingen des gemeinen Flieders gefunden worden sein und ist vielleicht ein Blendling, entstanden durch geschlechtliche Vermischung der gemeinen Art und S. persica. Er unterscheidet sich durch seinen mehr in die Breite gehenden Wuchs, schmälere Blätter, reichern Flor und das mehr violette Kolorit der bis 30 em langen und an der Basis 15—18 em breiten Rispen. Er ist ein ausgezeichneter Treibstrauch. Von seinen Varietäten ist 8S. saugeana am meisten verbreitet; sie ist vorzugsweise durch die dunkelrote Färbung der Blüte gekennzeichnet. 8S. persica L., der persische Flieder, bleibt niedriger, als die gemeine Art, hat aufrechte Zweige, oval-lanzettliche, am Grunde nicht 2 Wläten ir dunklere Blätter und kleinere hellviolette Blüten in reichen ästigen Rispen und von starkem Wohlgeruch. Eine ihrer Varietäten (Far. alba) besitzt wenn auch nicht eigentlich weiße, so doch viel blassere Blumen, und var. laciniata ist niedriger und hat fiederspaltige Blätter, wegen deren sie für feine Strauchpartien sehr zu empfehlen ist. Andere Arten, wie die vom Himalaja stammende 8. Emodi Wall. und die in Ungarn aufgefundene 8. Josikaea Jacg. sind weniger verbreitet, auch weniger schön. Alle Syringen lassen sich leicht durch Ableger und durch Stecklinge vermehren; die Varietäten werden häufig durch Okulieren auf den gemeinen Flieder vermehrt. Um Kronenbäumchen zu erziehen, okuliert man auf Stämme der Rainwinde (Ligustrum vulgare). Alle Fliederarten erfordern zum Gedeihen einen nahrhaften, etwas kompakten Boden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 413Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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