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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Tanagra, bedeutendste Crtschaft des östl. Böotien, auf einer kleinen Anhöhe nahe dem nördl. Ufer des Flusses Asopos (ietzt Vurieni) gelegen, etwas westlich von der Stelle, wo ein von den Alten Thermodon, jetzt Laris genannter Bach in diesen einmündet. Ihre Mauern wurden 458 v. Chr. durch die Athener, welche unter Fhrung des Myronides in der Nähe der Stadt ein spartan. Heer geschlagen hatten, geschleift, aber bald wiederhergestellt, und noch in der röm. Kaiserzeit war sie eine der angesehensten und wohlhabendsten Städte der Landschaft Böotien. Ihre nicht unbedeutenden Ruinen werden jetzt von den Umwohnern mit dem (salbanesischen) Namen Grämäda bezeichnet. Die Stadt wurde neuerdings durch die dort seit 1873 zuerst in Griechenland in größerer Anzahl gefundenen Thonfiguren (sog. Tanagrafiguren) bekannt. Man entdeckte nämlich hier eine ausgedehnte Nekropolis (Gräberstätte), in deren Gräbern außer Vasen und Lampen, namentlich auch zahlreiche bemalte kleine Einzelfiguren und Gruppen aus gebranntem Thon (Terracotten) gefunden worden sind, die, abgesehen von einigen sitzenden Frauenbildern von altertümlichem Gepräge, durchgängig den Stil der entwickeltsten griech. Kunst des 4. und 3. Jahrh. v. Chr. tragen. Die Figuren, die zum größten Teil der Gattung des Genre angehören, sind mit großer Naturwahrheit und vollendeter Anmut und Zierlichkeit ausgeführt. Da die Ausgrabungen längere Zeit hindurch heimlich ohne Aufsicht der griech. Regierung betrieben wurden, so sind die Fundstücke nach den verschiedensten Gegenden zerstreut worden: fast alle öffentlichen und nicht wenige Privatsammlungen in Griechenland, Frankreich, Deutschland (hier besonders das Berliner Museum), der Schweiz und anderwärts besitzen jetzt solche tanagräische Terracotten. Eine Auswahl der schönsten und interessantesten derselben ist in trefflichen Abbildungen veröffentlicht in dem Prachtwerke von R. Kekuls, «Griech. Thonfiguren aus T., im Auftrage der kaiserl. Deutschen archäol. Institute herausgegeben (Stuttg. 1878). Auch wurden getreue plastische Nachbildungen der schönsten Tanagrafiguren in den Handel gebracht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 461Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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