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ErdkundeBrockhaus 1882

Tarbes, Hauptstadt des franz. Depart. Hautes-Pyrenées und der ehemaligen Grafschaft Bigorre, am linken Ufer des Adour, Station der Linie Toulouse-Bayonne der Französischen Südbahn, welche hier nach Agen, Morcenx und Bagneres de Bigorre abzweigt, in schöner, an Wiesen und Wein fruchtbarer Ebene freundlich gelegen, ist Sitz eines Suffraganbischofs des Erzbistums Auch, eines Tribunals erster Instanz, eines Assisenhofs, eines Handels⸗ und zweier Friedensgerichte, einer Ackerbaukammer der Akademischen Gesellschaft der Hochpyrenäen, auch Hauptort einer militärischen Subdivision. Die Stadt, deren breite macadamisierte Straßen vom Adour abgeleitete Kanäle durchfließen, hat eine ehrwürdige, auf den Ruinen der alten Burg Bigorra (Begorra, Tarbia) erbaute Kathedrale, auch La Sede genannt, im 12. bis 14. Jahrh. erbaut, die Karmeliterkirche Ste.⸗Therese, ein Neubau im Stil des 14. Jahrh. mit Turm aus dem 13. Jahrh., die Kirche St.⸗Jean, ein got. Bau des 14. Jahrh. mit einem aus dem 12. Jahrh. D aius Turm, die hübsche neue Kirche Nom e Jesus, den modernen Justizpalast, ein gutes Schauspielhaus, eine s chöne Brücke über den Adour, malerische Aussichten auf die Pyrenäen, Häuser von grauem Marmor, mit Schiefer gedeckt, vier schöne Plätze, die Place Maubourguet, im Mittelunkt der Stadt, mit Linden⸗ und Ulmenalleen, die lace Marcadieu, ein großer Marktplatz am Adour, der Prado, die Allées mit der Bronzestatue des Chirurgen Larrey, ein imposantes Präfekturgebäude, ein Lyceum mit öffentlicher Bibliothek von 16000 Bänden in einem sehr schönen Gebäude, ein Priester- und ein Lehrerseminar, eine freie Zeichen⸗ und Bauschule, ein Museum mit ital. und franz. Bildern, einer kleinen Altertümer⸗ und Skulpturensammlung und einer reichen ornitholog. und mineralog. Sammlung in dem 14 ha großen Massey-Garten, ein Gefängnis in dem ehemaligen gräfl. Schlosse, ein großes Bürgerhospital, die Kavalleriekaserne, schöne Bäder, ein großes Nationalgestüt und zählt (1881) 17 744 (Gemeinde 23273) E. Früher bestanden zahlreiche Manufakturen in seidenen Schnupftüchern (Mouchoirs de Béarn). Jetzt unterhält die Stadt berühmte Papiermühlen, Wollspinnereien und Kämmereien, Walkmühlen, Flachsspinnereien, Fabriken für Decken und andere grobe Wollstoffe, für Posamentierwaren, Spielkarten, Kartons und Chokolade. Außerdem bestehen Kupferhämmer, Metallgießereien, Maschinenbauanstalten, Fabritation von Messerschmiedewaren und Kupfergeräten, Gerbereien, Brauereien, Destillationen und Brennereien. Im August finden im Hippodrom von Salouberes, 3 km südlich von T., stark besuchte Pferderennen statt. T. ist das Haupt-Entreöt für den Verkehr mit Spanien; der Handel sehr ebhaft in Getreide, Vieh, Leder, Wolle, Wein, Kerzen, Papier und eigenen Fabrikaten. — Die Stadt entstand im Lande der Tarbelli, hieß später Furba und ward von den Römern zu Aquitanien, dann zu Novempopulana gerechnet. Sie wurde im 5. Ni von den Germanen, im 8. Jahrh. durch die Araber, 843 durch die Normannen geplündert und verheert, blühte aber als Hauptstadt der Grafschaft Bigorre wieder auf und war 1360 —1406 in den Händen der Engländer. Durch die Hugenottenkriege im 16. Jahrh. litt sie sehr.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 477Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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