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ErdkundeBrockhaus 1882

Tarragona, Festung, Hafenplatz, Ciudad und Hauptstadt der gleichnamigen, aus dem südl. Teile Cataloniens gebildeten span. Provinz (6348,80 AKkm mit 330 105 C. im J. 1877), ein uralter, einst sehr bedeutender, jetzt herabgekommener Ort, liegt an und auf einem 116 mehohen steilen Hügel, nördlich an der Mündung des von einer Steinbrücke überspannten Francoli in das Mittelmeer und ist durch Cisenbahnen mit Barcelona, Lerida und Almansa über Valencia verbunden. Die Stadt liegt am Rande des Campo de Tarragona, einer künstlich bewässerten Ebene, welche 60 Ortschaften mit etwa 250000 E. umfaßt und den trefflichen Priorat- und andere Weine, Orangen, Mandeln, Feigen, Johannisbrot, Seide, Haselnüsse, Hanf, Gerste, Gemüse und Gartenfrüchte in Menge hervorbringt. T. ist der Sitz eines Erzbischofs mit dem Titel Fürst von T. und zählt (1877) 23046 E., deren Industrie sich auf Seidenweberei, Garnspinnerei, Papier- und Weingeistfabrikation beschränkt, während der Handel in neuerer Zeit mehr und mehr aufblüht. Die obere, ältere Stadt, auf einem steil abfallenden 247 m hohen Hügel gelegen, ist unregelmäßig gebaut und von starken Festungswerken umgeben, die untere, neuere dagegen ganz regelmäßig angelegt und durch mehrere Werke, besonders durch das königliche Fort (Euerte Reah verteidigt. Die ganze Stadt wird von dem auf einer Anhöhe im Westen liegenden Fort Olivo, der Hafen durch das Fort Francoli beherrscht. T. besitzt eine großartige Kathedrale, 1120—1375 gebaut, mit reich geschmücktem Westportal, schönen Glasmalereien, prachtvollen Monumenten und vielen Kunstschätzen. Außerdem bestehen mehrere andere Kirchen, vier Nonnenklöster, eine Normalschule für Schullehrer, ein Priesterseminar, ein Instituto, eine Akademie der schönen Künste mit Schulen für Arithmetik, Mathematik und Civilarchitektur, ein Altertumsmuseum (im Rathause), ein Theater, eine Bank und verschiedene andere Handelsanstalten. An die Zeiten der Römer erinnern, außer einzelnen Teilen der Stadtmauer und überaus zahlreichen Inschriften, Säulenstücken u. s. w. in den Häusern der Altstadt, besonders der riesige Aquädukt (Puente de las Ferreras) von 284 m Länge und 3um Höhe, die Reste des in Felsen gehauenen Amphitheaters, welches jedoch unter Schutt begraben und von Häusern überbaut ist, der sog. Turm der Scipionen (ein Grabmal), ein schöner Triumphbogen (Arco de Suro oder Barà) an der Straße nach Barcelona, die Reste von den Palästen des Kaisers Augustus und des angeblich hier geborenen Pontius Pilatus. Der zur Römerzeit berühmte, von Kaiser Augustus angelegte Hafen von T. ist längst verschwunden. Durch Zurücktreten des Meers oder vielmehr durch Hebung des Bodens versandete er und war den Ostwinden preisgegeben. Erst durch den 1846 begonnenen Bau eines gewaltigen Molo wurde ein neuer Hafen hergestellt, mit 10—13 m Wassertiefe, infolge dessen sich der Schiffsverkehr bedeutend gehoben. T. ist Station der Dampferlinien R. Sloman jr. (Hamburg) und der span. Packetboote (Sevilla), sowie Sitz eines deutschen Konsuls für die Provinz T. Die Stadt wurde unter dem Namen Tarräkon (lat. Tarräco) von Griechen aus Massilia (Marseille) am Flusse Tulcis im Gau der Cessetani gegründet, von den Scipionen bedeutend vergrößert und zum Waffenplatze der Römer gegen die Karthager gemacht. Später war sie eine Zeit lang Residenz des Augustus und hieß als röm. Kolonie Colonia Victrix Togata und Colonia Julia Victrix Tarraconensis. Hauptstadt der von Augustus eingerichteten Provinz Hispania Tarraconensis, war sie eine der größten Städte des Römischen Reichs, mit angeblich 1½ Mill. E., Sitz des Prokonsuls, des Obergerichtshofs, später eines Metropoliten mit umfangreicher Diöcese. Die Stadt wurde 256 durch die Franken, 475 vom Westgothen Eurich gänzlich verbrannt, 713 von den Arabern unter Musa erobert und teilweise zerstört. Unter Abd-ur-Rahman (780) hatte das in der Landschaft El Bortat belegene Tharrakuna zwar noch 300000 E., sank aber unter den Beni Hud (seit 1028) mehr und mehr herab. Nach Vertreibung der Araber durch Graf Raimund Berengar III. von Barcelona 21. März 1118 wurde das Erzbistum wieder hergestellt, und es blühte die Stadt von neuem auf, ohne jedoch ihren alten Glanz wieder n erlangen. Auf einem Reichstage zu T. 1319 erklärte König Jakob II. die Unteilbarkeit des Reiches Aragonien. Am 28. Juni 1811 eroberte der franz. General Suchet das tapfer verteidigte T. nach fünf heftigen Stürmen und erhielt dafür von Napoleon I. den Marschallsstab. Tarrasa, mittellat. Tarratia, Stadt und Bezirkshauptort in der span. Provinz Barcelona, 23km im NNW. von Barcelona, Station der Linie Barcelona⸗-Lerida-Saragossa-Alsäsua der Nordbahn, zählt (1877) 11193 E. und hat Tuch⸗, Baumwoll⸗ und Wollzeugfabrikation.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 482Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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