Tarquinius Priscus war der Sage nach der fünfte röm. König (616 —579 v. Chr.) und der Sohn eines reichen Korinthers, Demaratus, der infolge von innern Unruhen in seiner Vaterstadt diese verlassen hatte und nach Tarquinii in Etrurien geflohen war. Hier nicht genügend geehrt, siedelte Demaratus mit seiner Gemahlin Tanaquil nach Rom über, wo er bald Einfluß gewann und vom König Ancus Marcius zum Vormund von dessen Söhnen bestellt wurde. Diesen Söhnen entzog er aber die Königswürde. Die Sage läßt sich indessen mit den sonstigen Verhältnissen Roms nicht vereinigen, und so ließ die spätere Forschung meist auch den etrurischen Ursprung des T. überhaupt fallen und sah in ihm den Angehörigen eines latinisch-röm. Geschlechts, während in neuester Zeit die etrusk. Herkunft des T. meist anerkannt wird. In der innern und äußern Politik brachte T. den Staat gewaltig empor. Zwar gelang es ihm gegenüber dem Widerspruche des Augurs Attus Navius nicht, die Plebejer in eigenen Tribus und Rittercenturien den Patriciern an die Seite zu stellen, aber er erhob wenigstens eine der Zahl der Patricier entsprechende Anzahl plebejischer Geschlechter ins Patriciat und in die Ritterschaft. Die Niederungen in der Stadt Rom legte T. trocken durch gewaltige Kloakenbauten, die zum Teil heute noch erhalten sind. Ferner legte er das Forum und den Cirkus an, begann die Ummauerung der Stadt und legte den Grund zu dem kapitolinischen Tempelbau. Die Sage scheint aber unrecht zu haben, wenn sie in allen diesen Dingen ausschließlich den Einfluß etrusk. Kultur sieht, da man darin zugleich mehr die Folge des Verkehrs, in welchem Rom mit den unterital. Griechen stand, wieder erblicken muß. 2⁷ Zweifel geschah es unter direktem griech. Einfluß, daß Buchstabenschrift und griech. Maßbestimmungen in Rom Eingang fanden, und ist auch bildende Kunst und Architektur der Griechen nicht bloß durch etrusk. Einfluß nach Rom gekommen. Nach der Tradition soll T. im 80. Jahre seines Lebens von den Söhnen des Ancus Marcius ermordet worden sein.