FeedTaubert (Karl Gottfr. Wilh.)
MusikBrockhaus 1882

Taubert (Karl Gottfr. Wilh.), namhafter deutscher Musiker, geb. 23. März 1811 zu Berlin, erhielt seinen ersten Unterricht durch Neithardt und Ludwig Berger und widmete sich seit 1827 auf der Universität seiner Vaterstadt philosophischen, sowie unter Bernhard Klein musikalisch-wissenschaftlichen Studien. Zugleich erwarb er sich auf verschiedenen Kunstreisen den Ruf eines vorzüglichen Pianisten. Bereits 1831 wurde T. zur Leitung der Hofkonzerte berufen; 1839 wählte ihn die Akademie der Künste zum ordentlichen Mitgliede. Nachdem er seit 1836 auch auf Kunstreisen in England, Schottland, Holland und am Rhein, dann während eines längern Aufenthalts in München (1839), Augsburg und andern Orten Süddeutschlands bedeutende Erfolge als Virtuos erzielt, erfolgte 1841 seine Ernennung zum interimistischen Direktor der tönigl. Oper zu Berlin, welche Stellung ihm bald darauf (1. Juni 1842) definitiv übertragen wurde. Im Winter 1842—43 rief T. die seitdem zu dauernder Berühmtheit gelangten Symphoniesoiréen der königl. Kapelle ins Leben, deren Leitung er anfänglich mit Mendelssohn und Henning teilte, seit 1845 aber allein führte. Als Komponist gelingt ihm namentlich das Zarte, Naive, auch das Komische und selbst das Burlesk-Charakteristische. Sehr beliebt sind besonders seine «Kinderlieder» (12 Sammlungen, 1843—78, 140 Lieder enthaltend). Von seinen Opern, die zu Berlin, teilweise auch anderwärts zur Aufführung gelangten, hatten (Die Kirmeso (1832), (Macbetho (1857), besonders 4Cesario» (1874) entschiedenen Erfolg, geringern „Der Zigeuner» (1834), „Marquis und Diebv (1842), 4Joggelio (1853). Unter seinen übrigen Werken sind noch hervorzuheben die Musiken zu Euripides' Medea » (1843/ zu Tiecks Blaubart v (1845), zu Shakespeares «Sturm» (Münch. 1855), zu 4Phädra ». (1868); ferner eine Reihe von Symphonien, Cantaten, Ouverturen (z. B. aus «Tausendundeine Nachtv, 1861), Konzerten, Trios, Quartetten u. s. w. Als Dirigent wandte T. besonders der klassischen Musik eifrige Pflege zu. Als Pianist beschränkte er sich in neuerer Zeit auf den Vortrag klassischer Klavierkonzerte in den Symphoniesoiréen, sowie eigener Kompositionen aus dem Gebiete der Kammermusik. Im J. 1869 wurde er zum Oberkapellmeister ernannt. Seit 1882 ist T. Präsident der musikalischen Sektion der königl. Akademie der Künste zu Berlin. Emil T., Sohn des vorigen, Dichter, geb. 23. Jan. 1844 zu Berlin, studierte daselbst Philologie und Philosophie, wurde dann Lehrer am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium und 1877 Oberlehrer am königl. Lehrerseminar. Er schrieb, außer verschiedenen Novellen in Zeitschriften: «Gedichtey (Berl. 1865), Der Torso. Eine Künstlerges ichte in Versen (Opz. 1881), „Der Antiquaro (Berl. 1882), „Marianne» (Berl. 1883) u. s. w. Auch veranstaltete er eine Ausgabe seiner eGesammelten Schriften (Lpz. 1885 fg.). Taubheit (surditas), die Unfähigkeit, Gehörseindrücke zu empfinden. Man unterscheidet eine vollständige T. (Kophosis), d. i. den Mangel jedweder Gehörswahrnehmung, und eine unvollständige, d. i. ein mehr oder weniger unvollkommenes Hören (baryecoia; auditus difficilis). T. und Schwerhörigkeit treten entweder plötzlich ein oder sie entwickeln sich ganz allmählich und anfangs unmerklich, nach und nach sich immer mehr steigernd. Sehr verschiedene Krankheiten des Gehörorgans können dieselben herbeiführen und sowohl die schallaufnehmenden und schallleitenden Teile Ohrs, als auch die schallempfindenden Teile desselben betreffen, also im äußern Gehörgange, im Trommelfell, im Mittelohr, im innern Ohr, im Hörnervenstamm oder in den Gehirnpartien, von welchen der Hörnerv entspringt, ihren Sitz haben. Da T. und Schwerhörigkeit nur ein Symptom einer großen Menge der verschiedenartigsten Krankheitszustände des Gehörorgans (s. Ohrenkrankheiten) sind, so ist es natürlich, daß sie nicht von ein und demselben Heilmittel oder Heilverfahren beseitigt werden können. Die vollständige T. ist unheilbar, kommt aber verhältnismäßig selten vor. Die Schwerhörigkeit, dem Grade nach außerordentlich verschieden, bietet je nach der ihr zu Grunde liegenden Krankheit der Behandlung mehr oder weniger Aussicht auf Erfolg. Je länger die Zeit ist, seit welcher die Schwerhörigkeit esteht, desto geringer ist die Aussicht auf Heilung. Deshalb ist jedem Ohrenkranken dringend zu raten, möglichst bald bei einem Ohrenarzt Hilfe gegen sein Leiden zu suchen. In nicht seltenen Fällen bleibt sonst dem Schwerhörigen nur der Gebrauch eines seinen Zweck nur unvollständig erfüllenden Hörrohrs (s. d.) übrig. Ist die T. angeboren oder in früher Jugend erworben, so führt sie zur Taubstummheit. (S. Taubstumm.) [tion. Tanbilder (Hauchbilder), s. unter Absorp⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 495Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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