FeedSchneider (Joh. Christian Friedr.)
MusikBrockhaus 1882

Schneider (Joh. Christian Friedr.), bedeutender Oratorienkomponist, geb. 3. Jan. 1786 zu Alt-Waltersdorf bei Zittau, erbte den Sinn für Tonkunst von seinem Vater, einem Organisten, und kam 1798 auf das Gymnasium in Zittau, wo Kantor Schönfelder ihm Musikunterricht gab. Im J. 1805 bezog er die Universität Leipzig, wo er nun vorzugsweise der Musik und den Humanitätswissenschaften sich widmete und an A. C. Müller und Schicht Förderer fand. Er trat daselbst auch als Pianofortespieler öffentlich auf. Hierauf wurde er 1807 Organist an der Universitätskirche, 1810 Musikdirektor bei dem Theater unter Jos. von Seconda und 1813 Organist an der Thomaskirche. Für die durch Schicht gegründete Singakademie schrieb er unter anderm die treffliche Messe aus F-dur für bloße Singstimmen und, als er später die Leitung der Singakademie selbst übernommen hatte, noch vier andere Vokalmessen. Als Mitglied der 1815 gestifteten Liedertafel lieferte er eine Reihe trefflicher Gesellschaftslieder. Im J. 1817 übernahm er die Musikdirektorstelle bei dem Stadttheater, für welches er mehrere Ouverturen und Musikstücke schrieb. Am 1. März 1821 folgte er dem Rufe als Organist und herzogl. Kapellmeister nach Dessau, wo er 1825 den Titel Hofkapellmeister erhielt und 23. Nov. 1853 starb. Unter seinen Kompositionen sind insbesondere hervorzuheben: das Oratorium Das Weltgerichth (1820); die Cantate von Niemeyer «Die Totenfeierꝰ, und die Oratorien „Die Sündfluto (1823), Das verlorene Paradieso (1825), eins seiner gelungensten Werke, „Pharaoy (1828), «Christus der Mittlero (1828), Christus das Kindo (1829), Gideono (1829) und (1838). Diese Oratorien sind wirkungsvoll und verschafften ihm in seiner Zeit großen Ruf; um dieselben klassisch vollendet zu gestalten, fehlte dem Autor aber die für dieses Gebiet erforderliche all—⸗ seitige Durchbildung. Gedruckt wurden von ihm 105 Werke, darunter auch mehrere theoretisch-didaktische, wie«Elementarübungen im Gesanger, Handbuch des Organisteno u. s. w. Er komponierte auch sieben Opern. Als Lehrer in der von ihm 1831 errichteten, 1846 aber aufgegebenen dessauer Musikschule hat S. mit großem Erfolg gewirkt. Johann Gottlob S., Bruder des vorigen, geb. 28. Okt. 1789 zu Alt-Gersdorf bei Zittau, fungierte seit 1811 als Organist an der Universitätskirche zu Leipzig, ging dann als Organist 1812 nach Görlitz, wurde 1825 zum Hoforganisten in Dresden ernannt und starb daselbst 13. April 1864. S. hat sich als einer der vorzüglichsten Orgelspieler und Orgelkomponisten bekannt gemacht. — Ein Bruder des vorigen, Johann Gottlieb S. (geb. 19. Juli 1797, gest. 4. Aug. 1856), machte sich ebenfalls als Orgelkomponist einen Namen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 444Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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