FeedTebris
ErdkundeBrockhaus 1882

Tebris, Tabris, Täbriz (d. h. fiebervertreibend) oder Tauris, Hauptstadt der pers. Provinz Aserbeidschan (s. d.), vier Tagereisen von Teheran, fünf von Erzerum, erstreckt sich als terrassenförmige Häusermasse am Fuße des 2600 m hohen Sehend Kuh längs den kleinen Flüssen Spintscha und Atschi. Mehr als die Hälfte der Stadt liegt in Schutt und Trümmern; von den 550000 E., welche sie noch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. besaß, sind kaum noch 300000 übrig. Häufige Erdbeben, Kriege, schlechte Verwaltung verwandelten sie in einen Ruinenhaufen, durch den sich enge, schmutzige Straßen hinziehen, welche durch elende Lehmhäuser gebildet werden. Die Festungsmauer ist gleichfalls im Verfall begriffen, ebenso viele der zahlreichen Moscheen. Im Stande sind nur die Arsenale des Schah und eine Waffenfabrik, desgleichen die reichen Bazars. Trotz seiner Versunkenheit ist nämlich T. der Haupthandelsplatz Persiens, infolge der Nähe der türk. und russ. Grenze, sowie wegen seiner Lage an der großen Karawanenstraße von Teheran nach Trapezunt. Daher sind hier 20 große und gegen 30 kleine Karawanserais. Bedeutend sind die aumwollweberei, Seidenwirkerei, Färberei, Druckerei, Töpferei, Stärkefabrikation u. s. w. Die bedeutendsten Geschäfte sind in den Händen von Europäern (meist Schweizer), Armeniern und Persern, welche engl., deutsche und franz. Artikel importieren. Berühmt ist die Stadt durch ihren Gartenbau und die vorzüglichen Mandeln, Apfel und Melonen. T. wurde im J. 790 von Zobeide, der Gemahlin des Kalifen Harün-al-Raschid, erbaut und teilte im Laufe der Zeit alle Schicksale, welche Aserbeidschan betrafen. Im 13. Jahrh. war es Sitz Hulagus, des Gründers der Mongolendynastie; aus dieser Zeit rühren hier die ältesten Altertümer her. T., im Mittelalter meist Tibriz, mittellat. Laurisia, war im 14. Jahrh. Sitz eines Suffraganbischofs des Erzbistums Sultania.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 513Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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