FeedTeheräan
ErdkundeBrockhaus 1882

Teheräan, mit seinem ungerechtfertigten Titel Där el cheläfeh, d. h. Stätte des Kalifats, ist die Haupt- und Residenzstadt von Persien seit dem Antritt der gegenwärtigen Kadscharendynastie, welche sie dazu wegen der Nähe ihres Stammtribus wählte. Die Stadt liegt in 1300 m Höhe in einer Steinfläche, an den südl. Ausläufern der schneebedeckten Elburskette, deren nahe höchste Kuppe, der Totschäl, (mit einer Eisgrotte) zu 4000 m' und der 35 km nördlich liegende Vulkanpik Demawend sich über 6800 m erheben. Sie wurde um 1870 nach dem Plan von General Bühler fast ums Doppelte erweitert, sodaß deren Umfang jetzt an 30KEm beträgt; ebenso wurden die Straßen für Wagenverkehr eingerichtet und mit Gasbeleuchtung versehen. Ein ausgetrockneter Graben und hohe breite Erdwälle umgeben dieselbe, zu der sechs mit bunten Fliesen dekorierte Thore führen. Die Einwohnerzahl wechselt zwischen 110—150000, je nach der Jahreszeit, da im Sommer an 40000 Menschen mit dem Schah die Stadt verlassen, um in den lieblichen Dörfern am Fuß des Elburs zu wohnen oder dort unter Zelten zu kampieren. Den Mittelpunkt der Sladt dilden die kühlen und luftigen Bazare, in welchen die heimischen und europ. Erzeugnisse verkauft werden; doch besitzt T. selbst keine Industrie, auch keinen Großhandel. Während die Häuser der Armen aus elenden Lehmhütten bestehen, die nach längerm Regen zusammenstürzen, zeichnen sich die der Großen und Würdenträger durch schöne innere Dekorierung, prachtvolle Gärten, Bassins und Ventilationstürme aus. Vor allem ragt das nördlich in dem mit Graben umgebenen Burgfrieden (Ark) gelegene Residenzschloß hervor mit seinen prächtigen Gartenanlagen mit schlanken Platanen und Kiefern, Bädern, Kiosken, Teichen und Prunksälen, besonders in dem zum Harem bestimmten Teil. T. hat außer den Koranschulen ein Kollegium, in welchem europ. und pers. Professoren lehren und die Schüler nebst voller Verpflegung auch Stipendien vom Schah erhalten, sener eine armen. Kirche, eine kath. Missionsschule und eine Synagoge. Die Bevölkerung besteht meist aus Beamten, Hofbediensteten und Handwerkern (Kasib Tadschik) von schiitischem Glauben, nebstdem aus einer geringen Anzahl von Armeniern, Juden und Gebern, letztere ausschließlich Gartenarbeiter. Die europ. Kolonie, die Gesandtschaften mit inbegriffen, zählt an 200 Köpfe. Die sanitären Verhältnisse, früher wegen Fieber, Ruhr und Typhoid sehr gefürchtet, haben sch dank der Assanierung und Leitungen von gutem Wasser erheblich gebessert. Zahlreich sind die benachbarten Lust⸗ und Jagdschlösser des Schah und der Prinzen im Elbursgebirge; unter diesen zeichnet sich das etwa 20 km entfernte, aus sieben über einander sich erhebende Terrassen bestehende Kadscharenschloß Kafr-i-Kadschar besonders aus. Im Lustschloß Riaveram am Elburs verbringt der Schah zumeist die Sommermonate. Das blühende Dorf Schachzadeh-Abdul-Azim, südöstlich von T., wohin eine 25 Fahrstraße führt und wohin die Bewohner S großenteils einmal wöchentlich pilgern, liegt in einer grünen Oase auf den Trümmern des alten Rhages, welches einst als Residenz mohammed. Fürsten berühmt war und im Anfange des 13. Jahrh. von Dschingis-Chan zerstört wurde. In der hier befindlichen herrlichen Moschee mit vergoldeter Kuppel werden die Mitglieder der königl. Familie neben den Gebeinen mehrerer Abkömmlinge des Propheten beigesetzt. Sie dient auch als geheiligtes unantastbares Asyl. Vgl. Polak, «Teheran und seine Umgebunge (in den «Mitteilungen der k. k. geograph. Gesellschafto, Wien 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 520Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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