FeedTegner (CEsaias)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Tegner (CEsaias), der berühmteste Dichter Schwedens, geb. 13. Nov. 1782 zu Kyrkerud in Wermland, war der jüngste Sohn eines Landpfarrers, nach dessen Tode der zehnjährige Knabe zum Gehilfen auf einem Vogteicomptoir auferzogen wurde. Doch fand er hier Gelegenheit zu weiterer Bildung, bezog im Herbst 1799 die Universität zu Lund und bestand 1802 die Kandidatenprüfung mit Auszeichnung. Schon vorher hatte er eine lat. Abhandlung über Anakreon verfußt, der jetzt eine solche über die Asopische Fabel folgte. Letztere veranlaßte seine Berufung zum Docenten der Asthetik, mit welcher Stellung er später das Notariat in der philos. Fakultät vereinigte. Er ward 1805 Adjunkt der Ästhetik und Vizebibliothekar bei der Universitätsbibliothek und 1812 Professor des Griechischen. Während dieser Zeit hatte T. bereits als lyrischer Dichter seinen Ruf begründet. Nachdem er 1818 in die Akademie als Mitglied eingerückt und in demselben Jahre die theol. Doktorwürde erlangt, ward er 1824 zum Bischof von Wexiö ernannt. T.s Streben für das Kirchliche wie für das Unter“ richtswesen rechtfertigten diese Berufung. Besonderes Aufsehen erregten seine trefflichen „Schulredenꝰ, von denen einige von Mohnike (Strals. 1833) ins Deutsche überkragen wurden. Dieselben befestigten seinen Ruf als Redner, den er schon zu Lund begründet hatte, wie seine «Redens bewiesen, von denen Mohnike (Strals. u. Lpz. 1829) ebenfalls eine üÜbersetzung lieferte. Die Idylle Die Nachtmahlskinder» (1820; deutsch von Mohnike, 5. Aufl., Halle 1876) und die Romanze „Axelv (1822; deutsch von Vogel, Lpz. 1877) befestigten seine dichterische Popularität, die mit der „(Frithjofssagap ihren Höhepunkt erreichte. Das in Lund begonnene große Gedicht Gerdas kam nie zur Vollendung. Seit 1840 an momentaner Geistesstörung leidend, starb T. zu Wexiö 2. Nov. 1846. Von seinen Werken, die von seinem Biographen und Schwiegersohn K. W. Böttiger gesammelt wurden (7 Bde., Stockh. 1847—50; Jubelausgabe IVIII, Stockh. 1882—85), hat ihm die Frithjofssagas einen Weltruf begründet. Diese erschien uerst vollständig zu Stockholm 1825 und erlebte seitdem nicht bloß eine große Anzahl Auflagen, sondern wurde auch in fast alle lebenden Sprachen übersetzt; unter den deutschen übersetzungen sind hervorzuheben die von Amalie von Helvig (Stuttg. 1826; neue Aufl. 1814 und 1853), von Schley (Upf. 1826), von Mayerhoff (Berl. 1835), von Leinburg (9. Aufl., Berl. 1875) und von Mohnike ube Aufl., Halle 1879). Den schwed. Urtext mit übersetzung, Anmerkungen, Grammatikund Wörterbuch gab Leinburg (2. Aufl., Frankf. a. M. 1873) heraus. Eine Übersetzung der „Sämtlichen Gedichte T.s nebst Lebensschilderungo lieferte Mohnike (Lpz. 1840). T.s Enkel, Elof T., Bibliothekar in Lund, gab seine hinterlassenen Schriften (3 Bde., Stockh. 1873—74) heraus. Frei von der damals in Schweden eingerissenen Sucht, die Franzosen e nachzuahmen, ging X. seinen eigenen Weg und brach nebst Geijer und ähnlich Gesinnten eine neue Bahn. Seine Poesien sind im Stoff wie im Geiste rein nordisch; sie bekunden große Bilderpracht, ein tiefes wie lebendiges Gefühl, eine reiche Ader des Witzes und eine leicht erregbare, bewegliche Phantasie, daneben in der Regel eine schöne, echt dichterische Sprache. Bald nach seinem Tode steuerte das ganze Land zu einem Denkmal, welches als kolossale Statue, von Qvarnström ausgeführt, 22. Juni 1853 in Lund enthüllt wurde. Vgl. Böttiger, T.s Leben» (deutsch von Wilken, Berl. 1847); Christensen, «Esaias T.» (2. Aufl., Lpz. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 520Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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