FeedTermiten
TierreichBrockhaus 1882

Termiten (Termes) oder Weiße Ameisen eißt eine in den Tropenländern heimische, den Geradflüglern (Orthoptera) zugezählte Insektenfamilie mit perlschnurförmigen Fühlern und vielgliederigen Füßen. Sie bilden förmliche Staatengesellschaften, und man unterscheidet bei ihnen fünf Arten von Individuen: Geschlechtliche (Männchen und Weibchen) mit vier hinfälligen Flügeln, Larven, Rymphen und unges chlechtliche, alle ungeflügelt und letztere in zwei Formen: Soldaten, mit großem, breitem Kopf und langen, kräftigen Kinnladen, welche den Bau verteidigen, und Arbeiter mit kleinem Kopf und kleinen verborgenen Kinnladen. Die Weibchen Göniginnen), nur wenige an Zahl, schwellen im trächtigen Zustande zu einer Größe von mehrern Centimetern an und legen in 24 Stunden an 80000 Eier. Die T. scheuen das Licht, nisten daher unter der Erde oder in hohlen Baumstämmen, in die sie Gänge höhlen, oder bauen aus Holzmehl und Lehm feste, 3—4 m hohe und an der Basis bis 2 mdicke Kegel, die, inwendig mit zahllosen Gangen und Kammern versehen, Millionen Individuen bergen. Zur Nahrung dienen den T. alle vegetabilischen Stoffe. Indem sie das Holzwerk inwendig aushöhlen, zerstören sie Gerätschaften und Häuser (so 1814 den Präsidentschaftspalast in Kalkutta), vertilgen Magazine und Bibliotheken und haben auf Jamaika und Martinique ganze Zuckerernten vernichtet. Gegen die Verwüstungen ihrer ungeheuern Schwärme, deren Bauten in Westafrika und Südamerika den Dörfern der Ureinwohner ähneln, kennt man kein sicheres Mittel. Ungelöschter Kalk in die aufgegrabenen Höhlen geschüttet, vertreibt nur eine geringe Zahl. Dagegen stellen ihnen manche Tiere, z. B. die Ameisenfresser, eifrig nach. Auch werden sie von Negern und Indianern gegessen, ihre verlassenen Bauten zu Backöfen und das von ihnen zerarbeitete Holz zu Zunder benutzt. Die bekanntesten Arten sind die kriegerischen Termiten (T. bellicosum) in Ostindien und Afrika, und die zerstörenden Termiten (T. destructor) im trop. Amerika. Europa besitzt wenige, zum Teil eingeschleppte Arten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 568Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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