Strepsipteren (Strepsiptéra), Fächerflügler, ist der Name einer höchst merkwürdigen Unterordnung der Insekten, deren Männchen mit rudimentären Freßwerkzeugen, kleinem Vor⸗ und Mittel⸗, aber sehr großem Hinterbrustringe, kurzen, stummelförmigen Flügeldecken, großen und breiten, der Länge nach faltbaren Hinterflügeln, kurzen meist abelig geteilten Fühlhörnern versehen sind (vgl. Tafel: Insetten IV, Fig. 27, Männchen von Xenos vesperum, der gemeinsten Art), während die Weibchen ungeflügelt sind und wurmähnlich erscheinen. Aus den Eiern, welche diese Weibchen produzieren, kommen Larven hervor von ähnlicher Gestalt wie die sog. Silberfischchen (s. d., Lepisma) und mit Springvermögen ausgestattet; dieselben sind sehr klein, siedeln sich bei uns in Europa auf allerlei Bienen⸗ und Wespenarten (in tropischen Ländern auch auf Ameisen und Schaben) an, werden von diesen in deren Brutstätte getragen, bohren sich hier in eine Larve der betreffenden Insektenart ein, häuten sich und werden zu fußlosen, walzenförmigen Maden, die sich auf Kosten ihres Wirtes ernähren und im Wachstum mit demselben gleichen Schritt halten, sodaß beide Larven zu gleicher Zeit sich verpuppen, wobei der Gast sich mit seinem Körperhinterende zwischen die Bauchringel seines Wirtes hindurch nach außen vordrängt. Wird die Puppe des Wirtes zum Imago, so wird es auch die des Schmarotzers, aber die durch Parasitismus so hochgradig degenerierten Weibchen bleiben an Ort und Stelle und werden von den im Frühling bei Sonnenschein lebhaft herumschwärmenden Männchen begattet. Aus den Ciern, die im weiblichen Körper allenthalben in großer Zahl zerstreut liegen, entwickeln sich im mütterlichen Leibe selbst die Larven, die dann durch besondere Röhren nach außen auf Blüten und von diesen auf die geeigneten Hautflügler und somit indirekt in das Nest des Wirtes gelangen, oder aber auch im Neste selbst auskriechen und sich an die Larven machen. Die S. bilden nur eine Familie, die Stylopiden, und man nennt mit ihnen behaftete Insekten stylopisiert. Die systematische Stellung der S. ist noch nicht ganz klar: manche Forscher machen eine eigene Ordnung aus ihnen, andere stellen sie als Verwandte der Köcherjungfern den Netzflüglern, wieder andere sehen in ihnen urch Parasitismus umgebildete Käfer, die aus andern Käferformen mit Hypermetamorphose (s. unter Maiwurm und Metamorphose) hervorgegangen sind. Manches in der Naturgeschichte dieser Insekten, über die hauptsächlich W. Kirby, K. Th. von Siebold, Westwood u. a. m. schrieben, ist noch lange nicht erkannt und sichergestellt.