FeedTetschen (slaw. Détin)
ErdkundeBrockhaus 1882

Tetschen (slaw. Détin), Stadt im vormaligen Leitmeritzer Kreise in Böhmen, am rechten Ufer der Elbe, unterhalb der Einmündung der Polzen oder Pulsnitz, zwischen der sächs. Grenze und Aussig gelegen, an der Böhmischen Nordbahn (Linie Bodenbach-Tannenberg, mit Anschluß an die Sächsische Staatsbahn durch die Linie T.⸗Mittelgrund) und Osterreichischen Nordwestbahn (Linie Wien-Mittelgrund), ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, seit 1824 Hauptstapelplatz für die Elbschiffahrt, und bildet mit ihren schönen, zum Teil wildromantischen Umgebungen den End⸗ und Glanzpunkt des zur Sächsisch-Böhmischen Schweiz gerechneten, und im Sommer von Reiselustigen ungemein belebten Teils des Elbthals. Die Stadt ist an der Nord- und Ostseite des Schloßbergs erbaut, besitzt eine sehenswerte, 1687 zum Teil auf Felsengrund erbaute Pfarrkirche und hat (1880) 5612 E., deren Hauptnahrungszweige Schiffahrt und Handel, besonders mit Getreide, Holz und Obst, Steinnuß-Knopffabrikation und Baumwollspinnerei bilden. Von T. führen zwei Eisenbahnbrücken nach dem linken Elbufer. T. ist überragt von dem prächtigen gräfl. Thunschen Schlosse Tetschen, welches auf einem 45 mhohen, schroff aus der Elbe emporsteigenden Sandsteinfelsen liegt, und zu dem eine 300'm lange und 10 m breite, zum Teil in den Felsen gehauene Auffahrt und eine unmittelbar vor dem Eingang in den äußern Schloßhof über eine Felsenkluft gelegte Brücke hinanführt. Dasselbe ist 1688 vom Grafen Max Thun von Hohenstein erbaut und 1788 auf den gegenwärtigen imposanten Stand gebracht worden. Es hat einen schönen Schloßpark und Schloßgarten mit bedeutender Kamelien⸗, Rosen⸗,Azaleen-und Orchideenkultur. In der Nähe von T. am selben Ufer liegt die höhere landwirtschaftliche Landeslehranstalt Liebwerd, am linken Elbufer Bodenbach (s. d.) und weiter flußabwärts die stark besuchte Sommerfrische Obergrund mit schön gelegenen Villen, Hotels und Pensionen und der Mineralquelle Josephsbad (eisenhaltig-indifferenter Säuerling nebst Dampf- und Douchebad). In neuester Zeit ist auch der auf dem rechten Elbufer 2 Km nördlich von T. gelegene, durch eine Schleppbahn mit der Osterreichischen Rordwestbahn verbundene Elbumschlagplatz Laube zu hoher kommerzieller Bedeutung gelangt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 583Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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