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ErdkundeBrockhaus 1882

Tabor, Stadt im südl. Teile von Böhmen, an der Luschnitz, einem Nebenfluß der Moldau, und an der Linie Gmünd-Wien-Prag der Osterreichischen Staatsbahnen, ist der Sitz eines Kreisgerichts, einer Bezirkshauptmannschaft, einer Finanzbezirksdirektion und eines Bezirksgerichts, hat ein slaw. Staatsrealgymnasium, eine höhere landwirtschaftliche Lehranstalt und ein Museum mit Altertümern aus der Hussitenzeit und zählt (1880) 7413 flaw. E., welche eine ärarische Cigarrenfabrik, eine Brauerei mit Malzerei und mehrere Kunstmühlen unterhalten. Von der einst blühenden Tuchmanufaktur sind nur spärliche Reste übrig. In der Stadt befindet sich eine schöne got. Kirche (1490 bis 1510 erbaut) mit einem altertümlichen zinnernen Taufbecken aus dem 14. Jahrh., ein got. Rathaus mit einer großen Halle aus dem Anfange des 16. Jahrh. auf dem Ringplatz steht ein Monument Ziskas. Die Stadt steht an der Stelle der uralten Feste Kotnor (Hra⸗- disté) und wurde 1420 von den Hussiten als verschanztes Lager (slaw. Täbor) angelegt. Aus den Zelten wurden später Häuser, und die heutige Anlage der Stadt verrät noch ihre ursprüngliche Bestimmung. Nach dem Ringplatz laufen elf Gassen, die wieder je nach fünf Häusern durch Quergäßchen unterbrochen sind. Durch diese Bauart sollte die längere Verteidigung der Stadt gegen einen feindlichen Angriff ermöglicht werden. In der unmittelbaren Nähe der Stadt dehnt sich der große Jordanteich aus und auf einer eine Viertelstunde entfernten Anhöhe, steil über der Luschnitz, steht die vieltürmige Wallfahrtskirche Klokot.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 439Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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