Thackeray (William Makepeace), berühmter engl. Schriftsteller, geb. 12. Aug. 1811 zu Kalkutta, wurde nach England geschickt, um dort seine Eriehung zu erhalten, und lernte so in der Charter11 ule aus eigener Erfahrung das Schulwesen ennen, das er später in der Weihnachtserzählung Doctor Birch and his young friendso und in verschiedenen seiner größern Werke so anschaulich und ergötzlich schilderte. Hierauf brachte er einige Zeit auf der Universität Cambridge zu und ging dann nach London. Später bereiste er Frankreich, haten und Deutschland, teilweise mit dem Zweck, sein Malertalent auszubilden und sich für die Laufbahn eines Künstlers vorzubereiten, zu der er sich vor allem berufen glaubte. Nach einem längern Aufenthalt in Rom und einem Besuch in Weimar, wo er Goethe vorgestellt wurde, ließ er sich 1834 zur regelmäßigen Betreibung seiner künstlerischen Studien in Paris nieder. Seine schriftstellerische Laufbahn begann T. als pariser Korrespondent für die von seinem Stiefvater begründete Zeitung «The Constitutionab, ein Blatt von vorgeschrittener liberaler Haltung, das jedoch schon nach einem Jahre wieder einging und in seinem Falle den Rest von T.s nicht unbeträchtlichem Vermögen begrub. Darauf kehrte er nach London zurück und widmete sich nun ganz der litterarischen Thätigkeit. Seine ersten größern Arbeiten, darunter die «Xellowplush papers o, Tbe great Hoggarty diamondo, The shabby genteel storyo, erschienen in «Frazer's Magazines und machten das Publikum auf ein humoristisches Talent aufmerksam, welches durch seine Schärfe an Swift, durch seine Gemütlichkeit an Fielding erinnerte. Noch größere Beachtung fanden die im Punchv veröffentlichten, durch glänzenden Witz und Humor und beißende Satire ausgezeichneten Snob paperso. Seine Berichte aus Paris gab er 1840 unter dem Titel Paris sketch-booko gesammelt heraus. Diesem folgte 1842 das Irish sketch-booko und 1846 die MNotes of a journey from Cornhill to Grand-Cairop. Alle diese Schriften, sowie andere Novellen und Skizzen, die anfangs in Journalen veröffentlicht und später einzeln herausgegeben wurden, erschienen unter dem Pseudonym Michael Angelo Titmarsh. Unter seinem eigenen Namen trat T. zuerst 1847 mit dem Roman Vanity fairo hervor, welches Werk ihn mit einem Schlage über alle seine mitstrebenden Genossen auf eine Stufe mit Dickens erhob und auch dem Auslande als einen der ersten Sittenmaler unserer Zeit bekannt machte. Als realistisch herbe Schilderung engl. Sitten und Eigentümlichkeiten, als vernichtende Satire gegen das Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XV. selbstsüchtige, herzlose Treiben der modernen Gesellschaft, als Meisterwerk der Psychologie und des Stils gehört das Werk zu den bedeutendsten Erzeugnissen der engl. Romanlitteratur. Ihm folgte 1850 «Arthur Pendenniso, eine geniale Behandlung desselben Themas, in die viele Thatsachen aus T.s eigener Lebensgeschichte verarbeitet sind. Eine neue Richtung schlug er ein in dem histor. Roman Henry Esmondo (1852), der mit Walter Scottscher Kunst die Epoche der Königin Anna reproduzierte. Im Herbst 1852 folgte er einer Einladung nach den Vereinigten Staaten, um dort seine schon in England berühmt gewordenen Vorträge über die engl. Humoristen des 18. Jahrh. zu halten, die unter dem Titel«English humorists of the eighteenth centuryo (Lond. 1853) gesammelt erschienen. Bald nach seiner Rückkehr erschien der Roman The Neweomesv und 1854 «The Virginianso, ein Gegenstück zu „Ismondo. Bei einer zweiten Reise nach Amerika (1855) hielt T. die meisterhaften, ebenfalls später veröffentlichten Vorträge The four Georgesv. Im J. 1859 wurde die Monatsschrift Cornhill Magazined von ihm begründet, in der er den Roman MIistory of Philipe, die Novelle Lovel the widowers und die Roundabout papersv veröffentlichte. Sein letzter Roman: Denis Duvalo, ist nur fragmentarisch geblieben. Er starb plötzlich 24. Dez. 1863. Form und Inhalt seiner Werke sichern T. eine hohe, wenn nicht die höchste Stellung unter den engl. Humoristen. Unter den zahlreichen, immer von neuem aufgelegten Ausgaben seiner Werke ist vor allem zu erwähnen die seit 1880 erschienene Edition de luxes in 24 Bänden. Vgl. Hannay, «Memoir of T.v (Edinb. 1864); Taylor, „T. the humorist and the man of letters: the story of his lifes (Lond. 1864) und Thackerayana. Notes and anecdoteso (Lond. 1874). Eine von T.s Töchtern, Anna Isabella T., hat sich als Novellistin durch Story of Elizabetho (1863), «Bluebeard's keys and other stories (1874), Miss Angeb (1875), 4Old Kensingtono (1875), A book of Sybilso (1883) u. a. einen Namen gemacht. Außerdem veröffentlichte sie Biographien von Angelika Kauffmann und von Madame de Séyigné, sowie kleinere nachgelassene Schriften ihres Vaters unter dem Titel The Orphan of Pimlico and other sketches, fragments and drawings by William Makepeace T.v (1876).