FeedThermoelektricität (grch.)
TechnikBrockhaus 1882

Thermoelektricität (grch.), auch Pyroelektricität oder Krystallelektricität heißt die auf Krystallen beim Erwärmen und Erkalten hervortretende Elektricität, die man zuerst an nicht symmetrisch gebildeten Krystallen, wie Turmalin, Boracit u. s. w. wahrnahm, von der aber in neuester Zeit Hankel gezeigt hat, daß sie auch an den symmetrischen Krystallen, wie Topas, Schwerspat, Bragonit u. s. w., erzeugt wird. Während bei den erstern Krystallen die beiden unsymmetrisch ausgebildeten Enden einer Krystallachse entgegengesetzte Polarität besitzen, zeigen die symmetrisch ausgebildeten Enden einer solchen Achse dieselbe Polarität. Mit dem Namen der T. oder auch des Thermostroms bezeichnet man ferner insbesondere die von Seebeck (1822) entdeckte galvanische oder strömende Elektricität, welche in einem aus zwei gebogenen Streifen verschiedenartiger Metalle zusammengelöteten Kreise entsteht, wenn nur die eine der beiden Lötstellen erhitzt wird. Dieser Thermostrom ist von besonderer Wichtigkeit geworden, da er ein äußerst feines Mittel zur Messung der strahlenden Wärme geliefert hat, den sog. Thermomultiplikator oder die Mellonische Säule (1833). Diese Säule besteht aus dergestalt aneinander gelöteten Antimon⸗ und Wismutstäbchen, daß einerseits alle ungeraden und andererseits alle geraden Lötstellen nebeneinander liegen. Die Enden des ersten und letzten Metallstäbchens werden mit den Enddrähten eines Galvanometers (s. d. oder elektromagnetischen Multiplikators verbunden. Läßt man dann auf die berußten Lötstellen der einen Seite Wärmestrahlen fallen, so entsteht durch die Erwärmung der getroffenen Lötstellen ein elektrischer Strom, welcher durch das Galvanometer angezeigt und gemessen wird. Solche Thermosäulen, welche ihren Strom einer konstanten Temperaturdifferenz (3. B. der Temperatur des Eises und des siedenden Wassers) verdanken, lieern konstante elektrische Ströme für die elektrischen Messungen. Stärkere Thermosäulen haben Markus (1864), Noé (1870) und Clamond (1879) erfunden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 626Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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