FeedHankel (Wilh. Gottlieb)
NaturlehreBrockhaus 1882

Hankel (Wilh. Gottlieb), namhafter deutscher Physiker, geb. 17. Mai 1814 zu Ermsleben, besuchte das Gymnasium zu Quedlinburg, studierte in Halle, wurde 1835 Assistent am physik. Kabinett der Universität, 1836 Lehrer der Naturwissenschaften an der Realschule der Franckeschen Stiftungen und habilitierte sich 1840 für Physik und Chemie an der Universität, an der er 1847 eine außerord. Professur erhielt. Seit 1849 wirkt er als ord. Professor der Physik zu Leipzig. H. hat sich vorzugsweise mit der Erforschung der thermoelektrischen Eigenschaften der Krystalle beschäftigt und nachgewiesen, daß alle isolierenden Krystalle durch Temperaturänderungen elektrisch werden, die hemimorph ausgebildeten mit entgegengesetzten Polen an den Enden der hemimorphen Achsen, die symmetrischen mit gleichnamigen Polen an den Enden derselben Achsen, wobei sich die beiden Polaritäten unter die verschiedenen Achsen verteilen. Am farbigen Flußspat entdeckte er die Eigenschaft durch die Strahlen des Lichtes (Photoelektricität), und am Bergkrystall die Eigenschaft durch die Wärmestrahlen (Aktinoelektricität) elektrisch zu werden. Außerdem hat er Untersuchungen angestellt über die thermoelektrischen Ströme zwischen Metallen und leitenden Mineralien, über das elektrische Verhalten der Flamme, über die bei Gasentwickelungen auftretenden Elektricitäten, sowie über die bei Einwirkung des Lichts auf in Wasser und Salzlösungen eintauchende Metalle entstehenden elekstrischen Ströme und über die magnetische Wirkung des Entladungssystems einer elektrischen Batterie. Für Messung und tabsclute hn der atmosphärischen Elektricität auf absolute Maße hat er ferner brauchbare Verfahren und genaue Instrumente angegeben und durch die ersten genauen Bestimmungen der Spannungen der Metalle unter sich und gegen Wasser die Grundlagen für eine Theorie der galvanischen Kette geliefert. über das Wesen der Clektricität stellte er eine neue Theorie auf, indem die Elektricität als kreisförmige Schwingungen des Athers unter Beteiligung der materiellen Moleküle der Körper betrachtet und annimmt, daß sich die beiden Modifikationen der positiven und negativen Elektricität nur durch die Richtung ihres Umschwungs unterscheiden. Seine Untersuchungen hat er vorzugsweise teils in Poggendorffs «Annalen teils in den Berichten » und «Abhandlungen» der Bepd Gesellschaft der Wissenschaften mitgeteilt. esondere Hervorhebung verdienen die «CElektrischen Untersuchungen » (Abhandlung 1—17, Lpz. 1856—83). H. besorgte auch, unter Mitwirkung mehrerer Freunde, die deutsche Ausgabe von Aragos „Werkend (12 Bde., Lpz. 1854 —60). Hermann H., Sohn des vorigen, geb. 14. Febr. 1839 zu Halle a. d. S., besuchte das Gymnasium St. Nikolai zu Leipzig, studierte dann Mathematik auf der dortigen Universität und in Göttingen, wo seine Abhandlung „Zur allgemeinen Theorie der Bewegung der Flüssigkeiten »o mit dem Preise gekrönt wurde. Er habilitierte sich 1863 in Leipzig, wo er 1867 eine außerord. Professur erhielt. Noch in demselben Roto folgte er einem Rufe als ord. Professor der Mathematik nach Erlangen und ging dann 1869 in gleicher Eigenschaft nach Tübingen. Nachdem bereits 1872 ein Schlaganfall seine Wirksamkeit unterbrochen, traf ihn ein zweiter, unmittelbar den Tod herbeiführender auf einer Reise in den Schwarzwald zu Schramberg 29. Sept. 1873. H. hatte sich vorzugsweise der mathem. Analysis zugewendet. Von seinen Vorlesungen über die komplexen Zahlen und ihre Funktioneno erschien nur der erste Teil (Theorie der komplexen Zahlensystemen, Lpz. 1867). Nach seinem Tode wurde aus den hinterlassenen Manuskripten von seinem Vater Zur Geschichte der Mathematik im Altertum und Mittelaltero (Lpz. 1874) und von Hornack Die Elemente der projektivischen Geometrie in synthetischer Behandlungo (Lpz. 1875) veröffentlicht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 818Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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