Thommen (Achilles), österr. Oberbaurat, geb. 25. Mai 1832 zu Basel, studierte zuerst daselbst Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften und widmete sich dann 1850 — 52 den technischen Studien in Karlsruhe. In den J. 1852 — 56 unter Etzel beim Bau der Schweizer Centralbahn thätig, wurde T. von demselben 1857 zum Bau der Joseph-Orientbahn nach Ungarn als Sekionsingenieur berufen. Als bauleitender Oberngenieur der Brennerbahn (1861—67) tracierte, Hrojektierte und baute T. diese Bahn. Im J. 1867 ils Staatseisenbahn-Baudirektor und Leiter des Loneiier Eisenbahnwesens nach Ungarn berufen‚) onzipierte er das große ungar. Eisenbahnnetz, ornisierte die staatliche Eisenbahnbaudirektion und chuf die Normen für ein wohldurchdachtes Zusammenwirken der von ihm ins Land berufenen Ingenieure. T. projektierte, leitete und überwachte den Bau eines Bahnnetzes von über 2400 EKm Länge,., welches teils als Staatseisenbahn, teils mit Zinsengarantie durch Privatgesellschaften ausgeführt wurde. Im J. 1869 „ T. kränklichkeitshalber seine Entlassung als Baudirektor, fungierte aber noch bis Ende 1870 als technischer Konsulent der ungar. Regierung. Seitdem lebt T. in Wien, ist Konfulentfür alle technischen Angelegenheiten in der Verwaltung der österr. Nordwestbahn, und auch von der österr. Regierung wird sein Rat in schwierigen technischen Fragen oft in Anspruch genommen. Im J. 1885 war er Mitglied des Schiedsgerichts, welches den großen Gotthardtunnel-Prozeß zu entscheiden hatte, und wurde 1886 zu der Kommission delegiert, welche die Streitigkeiten zwischen der türkischen Regierung und der Betriebsgesellschaft der ottomanischen Bahnen erledigen soll. T.s Thätigkeit im Ingenieurwesen ist epochemachend; seine srultt beim Brennerbahnbau angewendeten Kontruktionsweisen sind zum Gemeingut geworden, und die meisten in der neuern Zeit entstandenen Gebirgsbahnen sind nach dem Muster der Brennerbahn erbaut. Ihm gebührt das Verdienst, bereits 1869 die Grundzüge für Lokalbahnen ausgearbeitet zu haben; auch veröffentlichte er 1862—77 wohldurchdachte Typen für die Brennerbahn, sowie Normalien für Unterbau, Oberbau und Hochbau. Großes Aufsehen erregte seine Broschüre «Die Gotthardbahn⸗ (Wien 1877), in der er für die Vereinfachung des Gotthardbahnunternehmens und für die Anwendung des Zahnschienensystems auf den zum großen Tunnel führenden Steilrampen eintrat.