Tier⸗, Pflanzen⸗ und Mineralreich. Unter diesen sondern sich wieder die T. und Pflanzen als organische Wesen von den unorganischen Mineralien ab. Während diese als starre, nur durch Ansetzen von außen wachsende Massen, mit Ausnahme der Krystalle, auch ohne bestimmte Form in allen Teilen gleichartig sind, bestehen T. und Pflanzen als Einzelwesen (Individuen), deren Cxistenz durch mannigfaltige Lebenswerkzeuge (Organe) vermittelt wird. Sie zeigen sowohl Ende als Anfang ihres Daseins und werden nach ihrem Absterben durch eine aus ihnen entwickelte Nachkommenschaft ersetzt. Der Bau der Pflanzen wie der T. beruht auf einem gemeinsamen Formelement, der Zelle (s. d.), und es gibt einzellige Wesen, die dem einen wie dem andern Reiche zugezählt werden können. Erst von diesem gemeinschaftlichen Boden entwickeln sich die Unterschiede, die um so mehr ausgeprägt sind, eine je höhere Stufe die Organismen einnehmen. Die Merkmale der Tierheit sind freie Bewegung, Verdauung, Empfindungsvermögen, Fortpflanzung. Allen diesen Funktionen gemeinsam dient die aus gleichförmigen Zellen zusammengesetzte Substanz der niedersten T. Diese Substanz ist kontraktil und vermittelt ebensowohl durch ihre Zusammenziehungen die Ortsbewegung, als sie durch dieselben die Empfindung kenntlich macht, und sie ernährt sich durch Austausch der Stoffe der Außenwelt mit ihren eigenen. Erst nach und nach entwickeln sich für die einzelnen Funktionen gesonderte Organe in entsprechenden Lebensformen, und so ergibt sich dann als wesentlichstes Gesetz der Vervollkommnung im Tierreiche die stets fortschreitende Teilung der Arbeit, die Sonderung und Spaltung der Funktionen und Übertragung derselben auf besondere Organe. Wie sich diese fortschreitende Vervollkommnung in den einzelnen Typen nachweisen läßt, welche das Tierreich zusammensetzen, so ist sie auch augenfällig in der individuellen Entwickelung des Individuums aus dem Ci, das anfangs eine einfache Zelle darstellt, allmählich aber seine Organe durch Sonderung und Spaltung der ursprünglich ungesonderten Zellenanlagen herstellt. So entstehen aus der ursprünglichen Zellensubstanz besondere kontraktile Gewebe: Muskeln, sowie starre Hebel, welche bald äußerlich liegend (Hautskelett), bald innerlich liegend, als Knorpel und Knochen entwickelt sind und welche durch die Zusammenziehungen der Muskeln bewegt werden. So entstehen auch besondere Glieder zur Ortsbewegung, die sich wieder, je nach der Verschiedenheit der auszuführenden Bewegungen, verschieden gestalten. So bilden sich ferner, statt der ursprünglich aufnehmenden äußern Hautfläche, Einstülpungen, die sich nach und nach zum Verdauungssystem mit Mund, Darm und After, mit den drüsigen Nebenorganen, wie Speicheldrüsen, Leber, Harnorgane, entwickeln. So wird, statt des frühern unmittelbaren Austausches gasförmiger Bestandteile, die Atmung allmählich durch besondere Organe (Kiemen, Tracheen, Lungen) bewerkstelligt. Die Zufuhr der Ernährungsstoffe, der Austausch zwischen den Organen, welcher bei den niedern Tierformen durch die Zellen geschah, wird bei den höhern durch ein mehr und mehr entwickeltes Kreislaufsystem (Herz und Gefäße, Blut und Lymphe) vermittelt. Das im ganzen Körper verteilte Empfindungsvermögen erhält besondere Sinnesorgane (Seh⸗, Hör⸗, Riech-, Schmeck⸗, Tastorgane, deren Eindrücke durch Nerven einem Centralorgan zugeführt werden, welches zugleich der Sitz aller pfychischen Funktionen ist und das endlich bei den höchsten T. in Hirn und Rückenmark und peripherisches Nervensystem, Vermittler von Empfindung und Bewegung, zerfällt. Die Fortpflanzung, welche anfänglich jeder Zelle zukam, sodaß der Körper an irgend einer beliebigen Stelle Knospen erzeugen und jeder Teil sich zu einem Individuum ausbilden konnte, wird auf besondere Organe, die Geschlechtsorgane, konzentriert, welche wieder in zwei Gegensätze, männliche und weibliche, zerfallen und mehr und mehr sich komplizieren zur Besorgung verschiedener und mannigfaltiger Vorgänge in der Zeugung und in der Entwickelung der Eier und der Jungen. In gleicher Weise kompliziert sich die Entwickelung und das Leben der Individuen. Von der Zelle des Eies ausgehend, durchläuft das Individuum Phasen, welche diese zunehmende Arbeitsteilung und damit auch die Funktionen des Typus selbst verrichten, der durch stete Vervollkommnung sich vom Niedern zum Höhern erhoben hat. Ebenso ist unsere jetzige Tierschöpfung nicht ein für sich bestehendes Ganzes, sondern, wie Darwin (s. d.) zeigt, in steter Umwandlung begriffen und aus steter Umwandlung früherer Typen hervorgegangen, sodaß die Entwickelungsgeschichte des Tierreichs durch die Perioden der Erdgeschichte hindurch ebenfalls in das Bereich der Studien über das Tierreich gezogen werden muß. Die Lehre von dem Bau der T. (Zootomie oder vergleichende Anatomie und Zoologie im engern Sinne), vergleichende Entwickelungsgeschichte (Ontogenie) und die histor. Entwickelung aus frühern Typen (Phylogenie) müssen demnach zusammenwirken, um die Klassifikation des Tierreichs herzustellen, über deren Grundsätze nebst Anwendung derselben vielfach gestritten worden ist und noch gestritten wird. Jetzt erkennt man ziemlich allgemein zwei ungleich große Gruppen an: nänmilich die einzelligen Urtiere PProtozoa) und die weit zahlreichern vielzelligen Tiere Metazoa), die in die großen Klassen oder Typen der Hohlleiber (Coelenterata), Stachelhäuter, Würmer, Molluskoiden, Weichtiere oder Mollusken, Gliedertiere und Wirbeltiere zerfallen. Wenn bei niedern Lebewesen die Frage, ob dieselben dem Tier-oder Pflanzenreiche zuzuzählen sind, oftmals schwierig oder zweifelhaft ist, sodaß für dieselben von Hogg unter dem Namen Protoktisten, später von Haeckel unter dem von Protisten (s. d.) ein besonderes Reich aufgestellt wurde, so wurde die nahe Zusammengehörigkeit des gesamten Tier⸗ und Pflanzenreichs neuerdings durch Beobachtungen von Bütschli, Straßburger u. a. dargethan, nach welchen die Vorgänge der Befruchtung und ersten Entwickelung bei Tieren und Pflanzen wesentlich gleich sind. (S. Zoologie.)