FeedTinto (span., d. h. der Gefärbte)
ErdkundeBrockhaus 1882

Tinto (span., d. h. der Gefärbte), Küstenfluß in der span. Provinz Huelva, entspringt im wildesten Teile der westl. Sierra Morena, in den Sierras de Aracena, östlich von Chaparrila, durchfließt und durchbricht das auf allen Seiten von romantischen, waldigen Wellenbergen umschlossene, wohlangebaute, mit Kastanienhainen, Weingärten, Gemüsefeldern und zerstreuten Gehöften bedeckte Becken von Aracena, fließt gegen Süden über Niebla, Moguer und Palos und vereinigt sich westlich von La Räbida mit seinem westl. Parallelfluß Odiel kurz vor der Mündung in den Golf von Cadiz. Das Astuar des T. heißt etwa von Moguer ab Canal de Pälos und bildet an der Mündung die beiden durch eine Sandbank voneinander getrennten Kanäle de la Gola (westlich) und del Padre Santo (östlicß). Der Fluß hat seinen Namen von seinem gelben, kupferhaltigen Wasser und besitzt die Eigenschaft, alles gelb zu färben und zu versteinern; auch leben in ihm weder Fische noch andere Tiere, und die Pflanzen verdorren an seinen Ufern. Doch verliert er diese Eigenschaft nach Aufnahme mehrerer kleiner Flüsse. In dem obern Thale des T. liegen die berühmten Kupferminen von Riotinto. intoretto, eigentlich Giacomo Robusti, Historienmaler, geb. zu Venedig 16. Sept. 1518, war der Sohn eines Färbers, daher sein Beiname. Er war anfangs der Schüler Tizians, stand sich aber nicht gut mit diesem und verließ ihn nach einiger Zeit, um seinen eigenen Weg zu gehen, wofür sein Motto „Die Zeichnung von Michel Angelo, die Farbe von Tizian lo bezeichnend ist. Beide Ziele jedoch verfehlte er durch Übertreibung. Jedenfalls aber ist er bedeutend als Führer der zweiten Generation der Schule von Venedig. Mit ihm beginnt die venet. Bravourmalerei, das Prunken mit massenhafter Komposition, schwierigen Perspektiven u. dgl. An glänzende Beleuchtungskontraste hatte er sich durch das Malen einseitig und scharf beleuchteter Modelle und Skulpturen gewöhnt. Seine Komposition ist hier und da eher gewaltsam als großartig: er überlud sie mit müßigen, oft theatralisch gespreizten Figuren. T.s Kolorit ist ungeheuerer Effekte fähig, aber * oft roh und handwerksmäßig. Seine höchste Eigenschaft war r die gewaltige, teine Schwierigkeiten kennende Phantasie. Er starb 31. Mai 1594. Insbesondere malte er sehr viel für seine Vaterstadt, unter anderm ein Jüngstes Gericht und die Anbetung des Goldenen Kalbes; ferner die heil. Agnes, den heil. Rochus, eine Kreuzigung und im Dogenpalast das berühmte Paradies (1590), eine kolossale, 9 m hohe, 23 m lange Glorie von mehrern hundert Figuren. Im J. 1560 übernahm er die bis an sein Lebensende ihn beschäftigende Ausmalung der Scuola di San⸗ Rocco, worin besonders das Kreuzigungsbild vortrefflich ist. Tüchtig war T. auch als Porträtmaler.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 705Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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