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ErdkundeBrockhaus 1882

Tajo, der längste Strom der Pyrenäischen Halbinsel, deren Mitte er von Osten gegen Westen durchströmt, in Portugal Tejo (spr. Tescho), bei den Alten Pagus genannt, entspringt in Spanien auf der Grenze von Neucastilien und Aragonien, westlich von Albarracin in der Serrania de Cuenca, und zwar am Westabhange des 1610 m hohen Kegelbergs der Muela (Backzahn) de San-Juan, aus der Fuente de Abrega, einer 13,3 km südöstlich vom Flecken Paralejos, mitten auf einem nur wenig unebenen Plateau gelegenen, sehr wasserreichen Quelle, in der Nachbarschaft der Quelle des ücar, Cabriel und Guadalaviar oder Turia. Der . fließt anfangs gegen Nordwesten bis zu der Vereinigung mit dem Rio Gallo, wendet sich hier gegen Westen und später nach Südwesten in die öde neucastil. Steppe, die er erst 15 km unterhalb Aranjuez wieder verläßt. Bei Toledo bildet er dann einen merkwürdigen Durchbruch durch einen Granitvorsprung der Rontes de Toledo, eine höchst romantische, tiefe, gekrümmte Schlucht zwischen wild zerklüfteten Felswänden. Bis unterhalb Talavera de la Reyna, wo der Rio Alberche rechts mündet, fließt nun der T. durch eine offene, meist ebene Tertiärgegend; dann aber betritt er von neuem eine Granitregion, in welcher er ein zweites, noch großartigeres, oberhalb der berühmten, 190m langen und 34 m hohen Brücke von Almaraz beginnendes Durchbruchsthal zwischen den Felswänden der Sierra de Veneruelo im Norden und der Sierra de la Mohecla im Süden bildet. Von hier an durchfurcht er das Plateau von Hochestremadura, eine offene, sandige, höchst einsame, Iis nach A mit Eichenwaldung bedeckte Gegend, is nach Alcantara, wo ihn ein nach Süden vorspringender Zweig der Sierra de Gata auf eine kurze Strecke abermals verengt. Unterhalb Alcäntara, wo er Portugal erreicht und das Land sich mehr und mehr verflacht, erweitert sich sein Bett beträchtlich, und er beginnt den Charakter eines Stroms anzunehmen. Bei Villa Velha do Rodäo wendet er sich nach Südwesten, welche Richtung er mit kurzen Unterbrechungen bis zu seiner noch 185 Em entfernten Mündung beibehält. Sein Lauf, bisher durch Stromschnellen und Strudel gestört, wird nun ruhig. Die regelmäßige Flußschiffahrt beginnt erst bei Abräntes (130 km vom Meere), unterhalb welcher Stadt der T. rechts einen ansehnlichen Wasserzufluß durch den Zezere erhält. Von Santarem aus, bis wohin er Ebbe und Flut hat, trägt er große Flußschiffe und Dampfboote. Unterhalb Santarem, bei Salvaterra, teilt sich der Strom in zwei Arme, den Tejo novo im Westen und den Mar de Pedro, welche die Lizirias do Tejo, ein durch zahlreiche Nebenarme in mehrere Inseln geteiltes sumpfiges Marschland, zwischen sich einschließen, das man als eine Art Delta betrachten kann. Sämtliche Arme münden in eine Meeresbucht, in die weite, prachtvolle, 18, Em lange und bis 11,1 km breite Bai von Lissabon, die, fast ganz von Land umgeben, einen der sichersten, geräumigsten und tiefsten Häfen der Erde bildet und westwärts durch einen über 7,4 km langen und 37½ km breiten Kanal, die Entrada do Teio, sich dem Atlantischen Ocean öffnet. Dieser Entrada liegt eine Barre vor, und wenn dieselbe auch zu jeder Zeit von Schiffen aller Größen passiert werden kann, ist doch die Passage immerhin ohne Lotsen Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XV. gefährlich. Seines sehr ungleichen Gefälles, seiner Stromschnellen und Strudel wegen ist in Spanien die Schiffbarmachung des T. bisher unterblieben. Dagegen ist er derjenige Strom Spaniens, welcher die meisten und darunter sehr berühmte Brücken trägt. Von seinem, ohne die kleinen Windungen 888 kmlangen Lauf kommen 577 kmeauf Spanien, 311 auf Portugal. Sein Bassin, dessen Areal gegen 77 800 qkm beträgt, ist im allgemeinen gegen Norden weit, gegen Süden dagegen sehr beschränkt, indem hier die Wasserscheide gegen die Guadiana nur in geringer Entfernung sein linkes Ufer begleitet. Daher sind seine linken Zuflüsse sämtlich bloße Bäche. Die größern Zuflüsse des rechten Ufers sind der Jarama mit Henares und Manzanares, der Alberche, Tiétar, Alagon und in Portugal der Zezere.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 449Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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