Tirol (fälschlich Tyrol), eine zum cisleithanischen Teile der sterreichisch-Ungarischen Monarchie gehörige gefürstete Grafschaft, grenzt mit Einschluß von Vorarlberg (. d.) an Bayern, Salzburg, Kärnten, Italien, die Schweiz und an Liechtenstein, einen Flächeninhalt von 29292,8 akm begreifend, wovon 2602, dEm auf Vorarlberg kommen. Die Gebirge nehmen fünf Sechstel des Areals ein, und man kann T. als eine Fortsetzung der Schweiz ansehen. Man findet hier ebenso hohe Gebirge wie dort, dieselben Schneefelder, Gletscher (hier? erner), Schnee⸗, Stein⸗ und Sandlawinen (hier Kahre und Muren), Wasserfälle und Abgründe, nur daß T. die großen Seen mit ihren herrlichen Ansichten fehlen, welche die Schweiz aufzuweisen hat. Das tiroler Gebirgsland gehört den Mittelalpen (. Alpen) an und zerfällt im ganzen in drei größere Abschnitte, die Centralmasse, die nördl. und die südl. Vorgruppe. Die Centralmasse besteht aus krystallinischen Schiefern, Gneis, Glimmer-x, Kalk⸗ und Chlorüfcheer. mit un ier und d von körnigem Kalkstein und Serpentin, hier und da durchsetzt von Granit. Die beiden Vorgruppen dagegen sind wesentlich als Kalkalpen zu bezeichnen. Die tiroler Centralalpenmasse (die Kette der Tiroler oder Otzthaler Alpen) wird durch die Gebirgsscharte des Passes Reschen-Scheideck an der Hauptquelle der Etsch und durch den bei Finstermünz in das Land eintretenden Inn von den Alpen Graubündens getrennt und zieht sich ostwärts bis zur Dreiherrenspitze an der Grenze von Salzburg und Kärnten. Dieselbe bildet die Wasserscheide zwischen der Donau und Etsch und die natürliche Grenze zwischen Nord⸗ und Südtirol. Sie enthält die ausgedehntesten Gletscher und Schneefelder mit 3200 3850m hohen Spitzen, so namentlich die ungeheuern Gepatschferner mit der 3741 m hohen Weißkugel, die furchtbaren Stzthaler Ferner (3840 m) mit der Wild⸗ und Similaunspitze, die Stubaier und die Duxer Ferner, die Hohe Wand nächst dem Brenner (s. d.) u. s. w. Die nördl. Vorgruppe dieses Hochlandes, unter dem Namen der Algauer Alpen sammengefaßt (s. Algau), durchzieht, mit den Gebirgen von Vorarlberg im Westen beginnend, das Land an der linken Seite des Inn, schließt sich jenseit seines Durchbruchs an die Salzburger Alpen an und verflacht sich gegen Norden in die bayr. Kochebene. In den höchsten Spitzen, dem großen Solstein unweit Innsbruck, mit der durch Kaiser Maximilians Jagdgefahr berühmten Martinswand, erreicht sie 2655 m, in der Bettelwurfspitze bei Hall steigt sie bis 2736 m auf. Die südl. Vorgruppe, durch das obere Etschthal oder das Vintschgau und durch das Pusterthal (s. d.) von der Centralmasse geschieden, zerfällt durch das mittlere, gegen Süden durchbrechende Etschthal in zwei Abteilungen: die Ortler-oder Ortlesalpen (s. d.) im Westen, mit der von ungeheuern Schnee- und Eismassen bedeckten Ortlesspitze, 3905 m, und dem Stilfser Joch (s. d.), und die Tridentiner Alpen im Osten, eine Anhäusung zerrissener Bergstöcke mit meistens domartigen, zum Teil 2560—3200 m hohen Kuppen und dem Kulminationspunkte der 3494 m hohen Vedretta Marmolada im Hintergrunde des vom Wildbach Avisio oder Lavis durchflossenen Fleimserthals, dessen oberer Teil, das Fassathal, durch die prachtvollsten Dolomitfelsen und durch völlig senkrechte Bergwände von mehr als 960 m Höhe, wie sie sich nirgends in dem ganzen Alpensystem finden, berühmt ist. überhaupt sind wenig Länder so reich an schönen Thälern wie T. Die Hauptthäler sind das reizende Innthal 212 kmelang, das Pusterthal 100 Ekm und das Etschthal 250 EKm lang. Unter den Nebenthälern sind, außer dem Fleimser⸗ und dem Dasahae das wilde Otzthal, das Grödnerthal, das Passeyrthal, das Eisakthal, das Wipp- und das Zillerthal hervorzuheben.