FeedSteiermark oder Steyermark
GeschichteBrockhaus 1882

Steiermark oder Steyermark, ein zu dem cisleithanischen Teile der Osterreichisch-Ungarischen Monarchie gehöriges Herzogtum, grenzt im N. an Osterreich ob und unter der Enns, im O. an Ungarn und Kroatien, im S. an Krain, im W. an Kärnten und Salzburg und hat einen Flächenraum von 22354,5 dkm. (S. Karte: Kärnten, Krain, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg, Bd. X, S. 144.) S. gehört zum Bereich der Ostalpen, ist daher ein ziemlich hohes Gebirgsland und zeichnet sich durch einen außerordentlich großen Reichtum höchst malerischer Landschaften und erhabener Naturscenen, Mineralschätze und große Fülle und Uppigkeit der Vegetation aus. Geographisch wird das Land in Ober⸗ oder Nord⸗ und Unter⸗ oder Südsteiermark eingeteilt. Den mittlern Teil von Obersteiermark durchschneidet als Scheidewand zwischen der Mur und Enns die Central⸗ oder Hauptkette der Alpen. — dieser Kette, die mit den Radstätter Tauern aus alzburg herübertritt und in nordöstl. Richtung läuft, liegen der Hochgolling (2781m), das Schöneck, der Plachkogel, die Eiskarspitze, die Rottenmanner Tauern (1738 m) mit dem Bösenstein (2370 m) und die Höllenthaler Alpen; dann (indem sie zwischen Eisenerz und Prebühel hindurchzieht) der berühmte (1485 m hohe) Erzberg, die schroffe Griesmauer, der (über 2212 m hohe) Hochschwab, die Hochalpe mit der Zeller Staritze, die Veitscher Alpe (über 1896 m) mit dem Wildkamm oder Predigerstuhl, die Wildalpe, die Schneealpe mit dem Windberge (1864 m), die Raxalpe mit der Heukuppe (1945 m). Die wahre Tauernkette schließt sich in diesem mittlern Hauptzuge zwischen den Quellen der Ingering und Palte mit den Seckauer Alpen und den Rottenmanner Tauern, und die Fortsetzung der Tauern nennt man gewöhnlich die Steirischen Alpen. Die nördl. Kette der Norischen Alpen durchzieht in verschiedenen Gruppen den nordwestl. Teil des Landes an der linken Seite der Enns, bis sie sich in Niederösterreich am Göller an die Hauptkette anschließt. Sie beginnt mit der kolossalen Dachsteingruppe (bis 2939 m), dem Grenzgebirge gegen Oberösterreich und Salzburg. In derselben Kette liegen weiter östlich der hohe Gjaidstein, der Krippenstein, Sarstein, die Pötschenhöhe, der Sandling, der Grimming (2279 m), der Scheiblingstein (2092 m) u. a. Die südl. Kette hängt zwischen der Mur und Möll mit der hohen Tauernkette zusammen. Hier liegen die Stangalpe mit dem Eisenhut (2338 m), die Murauer, Kuh⸗, Judenburger oder Seethaler Alpen, die Stub⸗ und Kleinalpen. Die Kette wird dann von der Mur durchbrochen und verlängert sich an deren östl. Seite bis zu dem Semmering (s. d.) und dem Wechselberge an der österr. Grenze und bis nach Ungarn. Zu ihren Seitengliedern rechnet man die Schwamberger⸗ und Koralven, den Speickkogel (1923 m), Platsch, Posruck etc. Auch die südl. Vorlagen der Alpen reichen noch bis in die S. und bilden dort zwischen der Drau und Save die Sulzbacher Gebirge (Sannthaler Alpen), welche man die Untersteirische Schweiz genannt hat. Im Hauptzug erhebt sich hier das Bachergebirge mit der Welka Kappa oder der Großen Kuppe (1497 m); an der krainischen Grenze stehen die Rinka (2486 m) und die Oistrizza (2276 m). Ein großer Teil des Landes, zumal im Südosten, wird hügelig und flach, und insbesondere sind die zwischen der Mur und Drau liegenden Windischen Bühel landschaftlich schön und fruchtbar. Eigentliche Ebenen in größerm Umfange hat S. nicht; neun ½½½ des Landes sind uneben. Dagegen hat es viele herrliche Thäler, darunter das lange, wechselvolle Murthal, das schöne Ennsthal, das freundliche Mürzthal, das Salzathal, den Weichselboden, das Raabthal, das Sannthal u. c. S. wird von vier Hauptflüssen bewässert. Die Mur tritt aus Salzburg bei Predlitz in das Land und geht bei Maut unterhalb Radkersburg nach Ungarn; sie nimmt die aus dem Mürzthal kommende Mürz auf. Die Drau oder Drave kommt bei Unterdrauburg aus Kärnten, durchschneidet das Land von Westen gegen Osten und bildet bei ihrem Austritt die Grenze zwischen Ungarn und Kroatien. Die Save oder Sau entspringt in Krain, scheidet dieses Kronland von S., nimmt hier die Sann und Sotla auf und strömt nach Kroatien. Die Enns im nördl. Teile kommt bei dem Mandlingpasse aus Salzburg und verläßt das Land unterhalb Altenmarkt, verstärkt durch die Salza. Die Traun entsteht im Nordwesten aus mehrern Bächen und tritt bald nach Oberösterreich über; die an der Heubodenhöhe entspringende Raab, mit der Lafnitz und deren Beiflüssen Safen und Feistritz, verläßt gleichfalls das Land bald und geht nach Ungarn. Große Seen hat S. nicht, wohl aber viele kleine, durch die Schönheit ihrer Lage ausgezeichnete Alpenseen, namentlich den Grundelsee, den Töplitz- und Kammersee bei Aussee, den Altausseer See, den Leopoldsteinersee bei Eisenerz u. a. S. zählt über 70 Mineralquellen, die Mehrzahl darunter Sauerbrunnen. Am renommiertesten sind die Säuerlinge in Gleichenberg und Rohitsch, die Thermen von Töplitz, Neuhaus und Tüffer, das Tobelbad bei Graz u. s. w. Das Klima ist nach Höhe und Stellung der Gebirge sehr verschieden, im Norden ziemlich rauh, im Süden mild. In Admont beträgt die mittlere Jahrestemperatur 4,75, in Aussee 5,o2, in Graz 7/0, in Marburg 9,87 R. Die Bevölkerung beläuft sich nach der Volkszählung vom 31. Dez. 1880 auf 1213597 E. (599 748 männlich, 613849 weiblich); auf einem Quadratkilometer leben 54 Menschen. Im J. 1884 wurde die Bevölkerung auf 1233287 berechnet. Von der Bevölkerung sind 67 Proz. Deutsche, 33 Proz. Slowenen, welche letztere hauptsächlich das südl. Gebiet an der Drau und Save einnehmen. Der Religion nach sind von der Bevölkerun 99 Proz. Katholiken, Proz. Protestanten un ½ Proz. Israeliten. Die beiden Bistümer Seckau und Lavant hatten 1880 453 Pfarreien, 110 Lokalkaplaneien, 985 Säkulargeistliche, 41 Klöster mit 726 Mönchen und 562 Nonnen. Die Zahl der Protestanten beträgt 9221. An Wohnorten zählt man 1551 polit. Gemeinden mit 3955 Ortschaften und 188 460 Häusern mit 235999 Wohnparteien. Die Hauptstadt des Landes ist Graz. Produkte. Ungeachtet seiner Gebirgsnatur ist S. eins der bestangebauten Länder der österr. Monarchie. Die gesamte produktive Bodenfläche beträgt 93 Proz. des Areals; davon sind 20,26 Proz. Acker, 12,s Proz. Wiesen, 1,4 Proz. Gärten, 1,632 Proz. Weingärten, 6,3 Proz. Hutweiden, 6,50 Proz. Alpen, 51,48 Proz. Waldung. Man baut viel Mais und Hafer, dann Roggen, Weizen, Gerste, Kartoffeln und Heidekorn, von Handelsgewächsen Hanf (besonders bei Radkersburg), Hopfen und viel Karden. Ein wichtiger Kulturzweig ist der Weinbau, der in der Gegend von Luttenberg, Radkersburg und Pettau die vorzüglichsten Sorten liefert. Von nicht geringerer Wichtigkeit ist der Obstbau, sowohl was den Handel mit Obst wie die Ciderbereitung betrifft. Kastanien gewinnt man in Südsteiermark in Menge. Auch die Forstkultur ist sehr ansehnlich. n besonders für Obersteiermark, ist die Hornviehzucht, die mit einer lebhaften Alpenwirtschaft verbunden. Die Zählung vom 31. Dez. 1880 ergab für das ganze Land 61338 Pferde, 663 173 Rinder, 188 273 Schafe, 43821 Ziegen, 532 721 Schweine und 82524 Bienenstöcke. Die Geflügelzucht ist vorzüglich in der untern S. von großer Bedeutung. Die steirischen Kapaune sind weit und breit berühmt. Die Jagd auf Rotwild und Gemsen, die Fischerei auf Forellen und Salmlinge ist sehr ergiebig. S. besitzt einen Reichtum an Mineralien; die wichtigsten Produkte des Bergbaues sind Eisen, Kohlen und Salz. Die Güte des steirischen Roheisens war schon im Altertum bekannt. Die reichsten und ältesten Eisensteingänge befinden sich am Erzberge zwischen Vordernberg und Eisenerz, und es sollen die seit dem 18. Jahrh. hier betriebenen Aufschlußbauten Vorräte von mehr als 1500 Mill. Ctr. Schmelzgut nachweisen. Auch der steirische Kohlenbergbau ist einer der ältesten im österr. Kaisertum. S. produzierte 1881 279000 kg Steinkohle, 1640154800 kg Braunkohle, 420974100 kg Eisenerz, 882400 kg Bleierz, 1075200 kg Dinterz, 2600000 kg Schwefelerz, 2220000 kg Manganerz und 2630000 kg Graphit. Auch gewinnt man Torf⸗, Farben- und Walkererde, Marmorarten, viele Mühl⸗, Bau⸗ und Schleifsteine. „Die gewerbliche In dustrie hat in Obersteiermark ihren Hauptsitz und beschäftigt sich vorzugsweise mit der Verarbeitung von Eisen, insbesondere in den Gebirgsthälern der obern Mur bis in die Nähe von Graz. Stabeisen, Schienen, Eisenblech und Eisendraht werden in großer Vollkommenheit erzeugt, und der steirische Stahl erfreut sich im Welthandel eines großen Rufs. Einen hohen Aufschwung hat ferner die Verfertigung mannigfaltiger Eisen⸗ und Stahlwaren genommen. Überdies sind hervorzuheben die Fabrikation von Glas und Papier, von Tabak und Cigarren lin Fürstenfeld), die Erzeugung von Schaumwein (in Graz), von Liqueur, Branntwein und Bier, die Leinweberei, die aber mehr als Nebenbeschäftigung bei der Landwirtschaft denn als eigentlicher Gewerbszweig betrieben wird, die Erzeugung von Loden eundBaulonr u. s. w. Mit Obst, Wein, Schnitt- und Bauholz, Hornvieh, Eisen und Stahl und Waren daraus, mit Braunkohlen, Papier und einigen andern Erzeugnissen unterhält S. einen lebhaften Ausfuhrhandel, dessen Gewinn durch einen wichtigen, durch die Österreichische Südbahn (die in ihrer Hauptlinie von Wien über Graz nach Triest führt) wesentlich geförderten Durchgangshandel vermehrt wird. Als Anstalten für Handel und Kreditwesen bestehen eine Filigle der Osterreichisch-⸗Ungarischen Bank in Graz, die Steiermärkische Escomptebank daselbst, mehrere gewerbliche Aushilfskassenvereine, viele Sparkassen, von denen die steiermärkische Sparkasse in Graz unter den drei in der Stadt bestehenden Sparkassen eine Hypothekenbank (Pfandbriefanstalt) besitzt. Für die geistige Kultur sorgen die Universität, die Technische Hochschule am Joanneum, die Akademie für Handel und Industrie und die Zeichenakademie, alle in Graz, 2 theol. Diöcesanlehranstalten, die Bergakademie in Leoben, 5 Obergymnasien, 1 Realgymnasium, 3 Oberrealschulen, 2 Lehrer- und 2 Lehrerinnen-Bildungsanstalten, 20 Gewerbeschulen, 7 Handels⸗ und 1 Bergschule, 5 niedere Land⸗ und forstwirtschaftliche Schulen, 9 Musikschulen, 1 Hebammenschule, 2 weibliche Arbeitsschulen, 26 sonstige spezielle Lehr-und Erziehanstalten und 834 Volks⸗ und Bürgerschulen mit 156356 schulpflichtigen Kindern. Außerdem bestehen: das landschaftliche Joanneum in Graz mit vortrefflichen Sammlungen, ein histor., ein geognostischmontanistischer Verein, ein naturwissenschaftlicher und ein juridischer Verein, eine Landwirtschaftsgesellschaft, ein Gartenbau⸗, ein Seidenbau- und ein Forstverein, ein Verein zur Beförderung der Sannneuer alle in Graz, zwei Musik⸗ und viele esangvereine. Die Landesverfassung beruht auf der Landesordnung und Landtagswahlordnung vom 26. Febr. 1861. Der steiermärk. Landtag, der vom Kaiser jährlich in Graz zusammenberufen wird, ist zusammengesetzt aus den beiden Fürstbischöfen von Seckau und Lavant, dem Rektor der grazer Universität und aus 60 auf sechs Jahre gewählten Abgeordneten, nämlich 12 vom großen Grundbesitz, 19 von den Städten und Märkten, 6 von den Handels⸗ und Gewerbekammern zu Graz und Leoben und 23 von den Landgemeinden. Der Vorsitzende (Landesauptmann) wird vom Kaiser ernannt. In das bgeordnetenhaus des österr. Reichsrats entsendet der steiermärk. Landtag 23 Mitglieder. Die polit. Einteilung, an deren Spitze die Statthalterei in Graz steht, umfaßt drei Gemeinderepräsentanzen (Graz, Marburg, Cilli) und 19 Bezirkshauptmannschaften. Für die Rechtspflege bestehen das Oberlandesgericht in Graz (zugleich für Kärnten und Krain), 3 Landes- und Kreisgerichte und 66 Bezirksgerichte. In militärischer Hinsicht gehört S. zu dem Gebiet des Generalkommandos in Graz, welches außer S. auch Kärnten und Krain umfaßt. Das Landeswappen zeigt einen gehörnten, silbernen Panther mit viersachem Schwanze in grünem Felde; den Schild bedeckt ein Herzogshut. Vgl. Göth, «Das Herzogtum S.» (3 Bde., Wien u. Graz 1840 — 43); Kohl, «Reise in S. und dem bayr. Hochlande » (2. Ausg., Lpz. 1853); Hlubek, Ein treues Bild des Herzogtums S.» (Graz 1860); Stur, «Geologie der S.» (Graz 1871); Janisch, „Topogr.⸗statist. Lexikon von S.» (3 Bde., Graz 1875 — 84); Rosegger, Das Volksleben in S. 5 (2 Bde., Graz 1875); «Neuester illustrierter Fremdenführer in Graz und S. » (3. Aufl., Graz 1877); Schlossar, «Kultur- und Sittenbilder aus Steiermarko (Graz 1885); Rabl, «Illustrierter Führer durch S. und Krainv (Wien 1885). Geschichte. Unter röm. Herrschaft gehörte der östl. Teil von S. zu Pannonien, der westliche dagegen zu Noricum. Schon damals war das von den kelt. Tauriskern bewohnte Land seines Eisens und Stahls wegen berühmt und auch seiner Vieh-Lelt halber bekannt. Später erblühte im obern eile desselben auch städtischer Gewerbfleiß, besonders in Celeja (Cilli), Petovio (Pettau) und andern Orten. Selbst das Christentum fand zeitig Eingang in diesen Gegenden. Bei der Völkerwanderung besetzten Westgoten, Hunnen, Ostgoten, Rugier, Heruler, Longobarden, ½½ und Avaren nacheinander das Land oder durchzogen es wenigstens. muntern Lande setzten sich im 6. Jahrh. Slawen (Winden, weshalb die Gegend früher die Windische Mark hieß) fest, die nach Besiegung der das obere Land besetzt haltenden Avaren auch dort sich niederließen, das Reich Carantania gründeten (s. Kärnten) und erst spät durch die Deutschen verdrängt wurden. Karl d. Gr. verteilte das eroberte Land unter mehrere Grafen. Unter seinen Nachfolgern hatte dasselbe viel zu leiden, teils durch die Zwiste der Provinzvorsteher untereinander, teils durch die Einfälle der Bulgaren, sowie auch durch die Grausamkeit der Westmährer und durch die Verheerung der Magyaren, von deren drückendem Joche das Land erst infolge des D0 Kaiser Ottos I. auf dem Lechfeld 955 befreit wurde. Nach Karls d. Gr. Zeit wurden Grenz-oder Markgrafen über das Land Rorde Den beträchtlichsten Teil gegen Westen und korden hatten die Markgrafen von Carantanien, den am linken Ennsufer gelegenen Landstrich die Herzöge von Bayern inne; das Land jenseit der Donau stand unter dem Markgrafen von Unterpannonien und die am linken Donauufer befindliche Gegend unter dem von Oberpannonien. Unter den Großen des Landes machten sich bald die Grafen von Trungau (d. i. Traungau) oder, wie sie sich nach der Burg nannten, die dem Lande sowie der Stadt Steyr (s. d.) den Namen gegeben, von Styre am bemerklichsten. Ottokar IV., Markgraf von Styre, um 1056, hatte seinen Sohn Leopold zum Nachfolger, der seine bis dahin im Lande zerstreut gelegenen Besitzungen in ein Ganzes verband. Ihm folgte sein Sohn Leopold 1112. Graf Ottokar VI. erhielt 1180 die herzogliche Würde. Da er ohne männliche Erben blieb, so errichtete er 1186 mit dem Herzog Leopold V. von Ssterreich einen Erbvertrag, zufolge dessen letzterer als Leopold II., aus dem Geschlecht der Babenberger, nach Ottokars Tode 1192 das Herzogtum S. mit seinen Ländern vereinigte, wodurch das Land einen gefährlichen Nachbar verlor und seine Grenzen mehr gedeckt sah. Als Leopolds II. Sohn, Benande der Streitbare, das Land mit Willkür behandelte, führten die Steiermärker Klage bei Kaiser Friedrich II. und erhielten von diesem ihre in Ottokars Testament enthaltenen Freiheiten von neuem bestätigt. Dieser Freiheitsbrief und Herzog Ottokars Testament gaben der steiermärk. Ketten aden ihr Entstehen. Nach dem Tode des letzten Babenbergers, Friedrichs des Streitbaren (1246), brach über den Besitz des Landes Streit aus, bis der Adel den Böhmenkönig Ottokar II. Przemysl 1253 zum Herzog von S. berief. Doch auch Ottokar brachte sich bald durch Tyrannei um die Liebe der Steiermärker. Nach seinem Fall 1278 belehnte Kaiser Rudolf von Habsburg seinen ältesten Sohn, Albrecht I., als Statthalter mit S., welcher dann 1282 erblicher Landesherr wurde. Seitdem blieb das Herzogtum dauernd im Besitz des Hauses Habsburg. Bei der nach Albrechts II. Tode zwischen dessen Söhnen, Albrecht III. und Leopold IV., vorgenommenen Teilung verlor S. 1379 die Landstrecke an den Flüssen Traun, Steier und der untern Enns für immer und erhielt nun die noch jetzt gegen das Land ob der Enns bestehende Grenze. Noch befanden sich unter der Oberhoheit der Herzöge eigene Landesherren in S., die gefürsteten Grafen von Cilli, deren ausgedehnte Besitzungen sich nach Kärnten, Krain und Kroatien erstreckten. Dieselben starben 1457 aus, und Friedrich IV. (III.) vereinigte, frühern Verträgen gemäß, jetzt die Cillischen Besitzungen mit S. Viel litt S. in dem folgenden Zeitraume durch die wiederholten Einfälle der Türken und Magyaren, ferner während der durch Friedrichs IV. Geiz hervorgerufenen Empörung des um das Land und seinen Fürsten hochverdienten Edeln Andreas Baumkircher, der sein Vertrauen in Taen un IV. sicheres Geleite 1471 mit dem Tode büßen mußte. Unter Ferdinand I., dem der ältere Bruder Kaiser Karls V. das Herzogtum S. und andere Provinzen überlassen hatte, wurde fast zu gleicher Zeit der Norden des Landes durch die blutigen Greuel des Bauernaufstandes (1525) und der Südosten durch Verheerungen der Osmanen (1528 — 32) schwer heimgesucht. Noch schwerer aber lasteten auf dem Lande Intoleranz und religiöse Verfolgungssucht, deren sich Ferdinands Nachfolger schuldig machten. Die Lehrsätze der deutschen Reformatoren hatten nämlich schon um 1530 in der steiermärk. Bevölkerung große Verbreitung erlangt, sodaß das Land auf dem Reichstag zu Augsburg 1547 freie Religionsübung beanspruchte, die aber erst 1575 und 1578 dem Herzog Karl II., dem jüngsten Sohne Kaiser Ferdinands I., welchem bei der Landerteilung 1564 Innerösterreich Beret geworden war, abgenötigt werden konnte. Bereits hatte der größte Teil des Adels, die Hälfte des Bürgerstandes und eine große Anzahl Bauern die neue Lehre angenommen. Um das weitere Umsichgreifen des Protestantismus zu verhindern, rief der Herzog Karl 1570 die Jesuiten zu Hilfe und stiftete 1573 die hohe Schule zu Graz. Auf das Ansinnen seiner Gemahlin, Maria von Bayern, ergriff er endlich auch beschränkende Maßregeln, welche sein im Geiste der strenggläubigen Mutter erzogener Sohn Ferdinand dermaßen verschärfte, daß ganz S. 100 Jahre nach dem ersten Auftreten der Reformation im Lande mit Gewalt der kath. Kirche wiedergewonnen war. Ferdinand erklärte den Freiheitsbrief seines Vaters, Karls II., für aufgehoben und befahl den Ständen, ihre prot. Lehrer und Prediger an den verschiedenen Kirchen und Schulen binnen 14 Tagen zu entlassen. Am 28. Sept. 1598 erging an die letztern selbst der gemessene Befehl, noch an demselben Tage bei scheinender Sonne Graz, binnen acht Tagen aber die sämtlichen Erblande, bei Verlust des Leibes und Lebens, zu räumen. Eine kath. Gegenreformationskommission ward hierauf eingesetzt, welche 40000 Bände prot. Bücher in Asche verwandelte und allen prot. Bürgern befahl, entweder zur kath. Religion überzutreten oder ihre Habe zu verkaufen und nach Abzug des Zehntels vom Gelde gleichfalls das Land zu verlassen. Viele schworen ihr Bekenntnis ab; 30000 andere aus den reichsten und angesehensten Familien verließen den heimischen Boden. Noch andere verbargen ihre überzeugungen und vererbten dieselben dritthalb Jahrhunderte lang von Geschlecht zu Geschlecht imstillen fort, bis endlich das Toleranzedict Josephs II. ihnen wieder die Erlaubnis erteilte, den Glauben ihres Herzens auch mit dem Munde zu bekennen. Durch jene Maßregeln war indes bereits die Hauptkraft der Stände gänzlich gebrochen, der Wohlstand des Landes geknickt und die Geistesbildung im Lande dem Interesse des Jesuitenordens zum Opfer gebracht. Von dieser Zeit an zeigte die Geschichte des Landes fast nur den Wechsel von Bauernaufständen, Türkeneinfällen, Plünderungen durch ungar. Rebellen oder Räuberbanden und das traurige Schauspiel hingerichteter Staatsverbrecher, z. B. des Grafen Erasmus von Tattenbach 1671. Im 19. Jahrh. hat das kulturelle Leben S.s dem Einflusse des Erzherzogs Johann (gest. 1859) außerordentlich viel zu verdanken. Vgl. Muchar, «Geschichte des Herzogtums S. v (8 Bde., Graz 1844—67); Mitteilungen des Historischen Vereins für S.» (Graz 1850 fg.); Gebler, «Geschichte des Herzogtums S.» (Graz 1862); Beiträge zur Kunde steiermärk. Geschichtsquelleno (herausg. vom Historischen Verein, Graz 1864 fg.); Zahn, «Urkundenbuch des Herzogtums S.» (Bd. 1 —2, Graz 1875 — 79); Schlossar, «Die Litteratur der S. in histor., geogr. und ethnogr. Beziehunge (Graz 1886).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 179Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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