Titus Flavius Vespasianus, röm. Kaiser, 79—81, der ältere Sohn des Vorgängers und gleichnamigen Vaters, zur Unterscheidung von welchem er mit dem Vornamen Titus benannt wird, während dem Vater der Zuname Vespasianus ( d. Pals gewöhnlicher Name gegeben wird, wurde 30. Dez. 41 n. Chr. geboren und am Hofe Neros mit Britannicus, dem er sich eng befreundete, erzogen. Schon dung, al zeichnete sich T. durch litterarische Bildung, als geschickter Sachwalter und auch im Kriege als Tribun in Germanien und Britannien aus. Als sein Vater 67 nach Syrien gesendet wurde, um die Empörung der Juden, die 65 ausgebrochen war, zu unterdrücken, begleitete ihn T. und blieb, als sein Vater 69 Palästina verließ, um sich der Kaiserwürde zu bemächtigen, zur weitern Führung des Kriegs zurück. Er beendete diesen durch die Eroberung und Zerstörung Jerusalems, das sich seit dem Beginn der Belagerung im Frühjahr aufs tapferste verteidigt hatte, im Herbst 70. Nachdem T. mit seinem Vater in Rom einen prächtigen Triumph gefeiert hatte, dessen Gedächtnis der noch stehende sog. itusbogen verewigt, wurde er zur Teilnahme an der Regierung ezogen. Hier zeigte er sich larch willkürlich und schwelgerisch, und die Römer fürchteten in ihm, als er dem Vater nach dessen Tode am 23. Juni 79 folgte, einen zweiten Nero zu erhalten. Aber T. gab sogleich durch die Entfernung seiner Geliebten Berenice, der juüd. Fürstentochter, deren Verbindung mit ihm dem röm. Volke zuwider war, den Beweis, daß er seine Privatneigung dem kaiserl. Berufe aufzuopfern wisse, und verwaltete diesen ununterbrochen mit Ernst, Gerechtigkeit, Milde und einer Herzensgüte, die ihn jeden Tag, an dem er keine Wohlthat ausgeübt, als verloren achten ließ, sodaß er sich bei dem Volke den Namen der Liebe und Lust des Menschengeschlechts (amor ac deliciae generis humani) erwarb. Die Verfolgungen wegen Majestätsverbrechen hörten unter ihm auf, die Delatores wurden unter entehrenden Strafen aus der Stadt vertrieben. Nach außen war seine Regierung bezdeichnet durch die Fortschritte, welche die röm. Herrschaft in Britannien machte, nach innen aber durch schwere Unglücksfälle, die Rom und Italien heimsuchten. Unter ihm geschah es, daß 24. Aug. 79 ein Ausbruch des Vesuvs die Städte Herculaneum und Pompeji verschüttete. Im J. 80 legte eine dreitägige Feuersbrunst in Rom das Kapitol und den schönsten Teil der Stadt in Asche und zudem Pest eine schon unter Vespasian ausgebrochene Pest die Stadt und Umgegend verheert. Andererseits wurde unter ihm im J. 81 das Kolosseum (. d.) eingeweiht und die Thermen über dem goldenen Hause des Nero gebaut, welche letztere in ihren Resten noch heute den Namen Titusthermen tragen. Schon 13. Sept. 81 starb T., der schon bei seiner Thronbesteigung unheilbar erkrankt war, am Fieber, nicht ohne daß seinen Bruder und Nachfolger der Verdacht traf, seinen Tod beschleunigt zu haben. Vgl. Beulé, T. und seine Dynasties (deutsch von Döhler, Halle 1875).