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GeschichteBrockhaus 1882

Claudius (Tiberius C. Nero Germanicus, als röm. Kaiser Tiberius C. Cäsar Augustus Germanicus genannt), der jüngste Sohn des Nero C. Drusus, des Stiefsohns des Augustus, war zu Lyon im J. 10 v. Chr. geboren. Von Natur kränklich und von schwachem Charakter, ward er auch in der Erziehung vernachlässigt und wuchs unter Frauen und Freigelassenen auf. Daß er für halb schwachsinnig und daher für .in. galt, rettete ihm beim Regierungsantritt Caligulas das Leben. C. beschäftigte sich eifrig mit den Wissenschaften, besonders mit der Geschichte, und mehrere umfängliche lat. und griech. Werke, unter anderm über die Begebenheiten seit Herstellung des Friedens, d. h. seit dem Ende der Bürgerkriege, über die Tyrrhener, über die Karthager, die er verfaßte, die aber Gelehr verloren gegangen sind, zeugten zwar von Gelehrsamkeit, aber dabei von Mangel an einem klaren und durchgebildeten Geist. Bei Caligulas Ermordung 41 n. Chr. 118 er sich aus Furcht in einem Winkel des Palastes versteckt. Die Prätorianer zogen ihn hervor und riefen ihn zum Kaiser aus; der Senat, der einige Tage an die Herstellung der Republik gedacht hatte, war genötigt, ihn anzuerkennen. Durch reichliche Beschenkung der Garde-C. d03 5 denen er seine Erhebung verdankte, gab C. das erste Beispiel einer verderblichen Sitte. C.“ Milde, seine Achtung vor dem Senat und den Magistraten, sowie der von ihm gezeigte Eifer schienen eine gute Regierung zu versprechen. Als jedoch im J. 42 eine Verschwörung gegen ein Leben entdeckt worden, überließ er sich gänzlich er Leitung seiner Gemahlin, der berüchtigten Messaling (s. d.), und seiner Günstlinge unter den Frei-Narersus⸗ insbesondere des Callistus, Pallas und arcissus, die nun nach Willkür ihrer Grausamkeit und Habgier frönten. C. selbst verfiel zwar einer 6leh aber Unmäßigkeit im Essen und Trinken, blieb aber auch als Kaiser seinen gelehrten Arbeiten getreu und widmete sich dabei aufs unermüdlichste, aber in verworrener, kleinlicher, zum Teil Heso verkehrter Weise den Staatsgeschäften, insesondere der Rechtspflege. Doch läßt sich nicht verkennen, daß trotzdem unter C. und zum Teil auf seinen besondern Antrieb eine Reihe trefflicher Maßregeln Benmmn worden ist: dahin gehört die humane Bestimmung, daß der kranke Sklave, den der Herr verstoße, frei sein solle; die Beschränkung der maßlosen e Mdnahe der Festspiele je auf einen Tag; die Rückgabe der Verwaltung des Staatsschatzes an die Quästoren; die Festsetzung eines Maximums für die Honorare der Sachwalter und insbesondere die Ausdehnung des Bürgerrechts, die Verleihung des vollen Bürgerrechts (mit der Berechtigung zum Eintritt in den Senat) an Gemeinden außerhalb Italiens, speziell an die Aduer, worüber nicht bloß Tacitus, sondern auch der Rest einer Bronzetafel in Lyon Auskunft gibt, welche einen Teil der von C. im J. 48 im Senat aus diesem Anlaß gehaltenen Rede aufbewahrt hat. Merhlmnt un Summen verwandte er auf Bauten. Berühmt sind ein großer Aquädukt (Aqua Claudia), der Emissar zur Ableitung des Fucinersees (Lago di Celano), an welchem 11 Jahre hindurch 30000 Menschen arbeiteten, freilich ohne daß der Zweck wirklich erreicht wurde, und die Anlage des Hafens von Ostia. Die röm. Heere waren unter seiner Regierung siegreich. Mauretanien ward zur röm. Provinz gemacht; die Eroberung Britanniens, wohin C. selbst sich einmal begab, begann; in Deutschland machte Gajus Domitius Corbulo Fortschritte, doch im Orient wurden Erfolge errungen, die jedo wieder an die Perser verloren gingen. Agrippina (s. d.), die sich ihm nach Messalinas Hinrichtung, wozu Narcissus im Namen, aber ohne Wissen des Kaisers den Befehl erteilt hatte, im J. 49 als Gemahlin aufdrang, war ebenso lasterhaft, aber noch grausamer als jene. Durch sie ward C. im J. vergiftet, weil sie fürchtete, C. werde ihrem Sohne Nero (s. d.) die Nachfolge in der Herrschaft zu Gunsten seines Ssnint Britannicus entziehen, und ihr drohe das — cksal Messalinas. C. Vergötterung gab dem Philosophen Seneca Anlaß zu der Schmähschrift (Apocolocyntosiso. Vgl. Lehmann, „(Claudiuso (Gotha 1858).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 440Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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