Tobler (Titus), verdienter schweiz. Gelehrter, geb. 25. Juni 1806 zu Stein im Kanton Appenzell, studierte zu Zürich, Wien, Würzburg und Paris Medizin. Im J. 1827 in seine Heimat zurückgekehrt, widmete er sich dem ärztlichen Berufe, gewann aber noch Muße einesteils zur Sammlung seines Appenzellischen Sprachschatzesv (Zür. 1837), andernteils zu einem regen Wirken als Publizist und Beamter. Durch eine Flugschrift von ihm wurde die Revision des appenzell-außerrhodenschen Gesetzbuchs hauptsächlich veranlaßt. Eine von ihm 1835—36 unternommene Reise nach dem Orient beschrieb er in der «Lustreise ins Morgenland» (2 Tle., Zür. 1839); 1845 trat er eine zweite Reise nach dem Orient an, auf welcher er besonders die Erforschung Jerusalems und dessen Umgebung bezweckte. Früchte dieser Reise waren: „Bethlehemo (St. Gallen 1849), „Plan von Jerusalem » (St. Gallen 1839), «Golgathay (St. Gallen 1851), Die Siloahquelle und der Olberg (St. Gallen 1852), „Denkblätter aus Jerusalem» (St. Gallen 1852). Das Hauptwerk aber ist die Topographie von Jerusalem und seinen Umgebungeno (2 Bde., Berl. 1853—54), welchem sich «Planographie von Jerusalem »(Gotha 1858) und 4Beitrag zur mediz. Topographie von Jerusalemv (Berl. 1855) anschlossen. Über die Ergebnisse einer dritten Reise berichtete er in „Dritte Wanderung nach Palästina (Gotha 1859). Auf einer vierten Reise (1865) sammelte er das Material zu einer Monographie über Nazareth (Berl. 1868). Seitdem veröffentlichte er noch 4Bibliographia geographica Palaestinaen (Lpz. 1867), die Volksschrift »Die Hausmuttero (2. Aufl., St. Gallen 1844) und eine Untersuchung Küber die Bewegung der Bevölkerung im Kanton Appenzello (St. Gallen 1835). Seinen Wohnsitz nahm er 1840 zu Horn im Kanton Thurgau. Hier zur Revision der thurgauer Verfassung mitberufen, wurde er 1853 von der Landesgemeinde von Appenzell-Außerrhoden zum Mitgliede des eidgenössischen Nationalrats ernannt. Er starb 21. Jan. 1877 zu München, wo er seit 1871 wohnte. Vgl. Heim, «Titus T., der Palästinaforscherv (Zür. 1879).