FeedWittgenstein (Ludw. Adolf Peter, Graf)
GeschichteBrockhaus 1882

Wittgenstein (Ludw. Adolf Peter, Graf), seit 1834 Fürst von Sayn-W.⸗Ludwigsburg, russ. Feldmarschall, geb. zu Pereiaslawl im russ. Gouvernement Perm 6. Jan. 1769, trat sehr jung in russ. Kriegsdienste und stieg bis 1806 zum Generalmajor und Chef eines Husarenregiments auf. Er wohnte dem Feldzuge von 1807 bei und zeichnete sich als Führer der Vorhut des Tolstoischen Korps bei Ostrolenka 30. April aus. Im Kriege von 1812 befehligte er als Generallieutenant das zur Deckung von Petersburg an der Düna aufgestellte 1. Korps der Westarmee gegen den linken Flügel der franz. Armee unter Oudinot und Saint-Cyr und kämpfte bei Polozk, später auch gegen das Korps von Victor. (S. Russisch-Deutsch-Französischer Krieg.) Beim Rückzuge der Franzosen erhielt er die Weisung, mit Tschitschagow zusammen an der Beresina dem Feinde den Weg zu verlegen, was er aber verfehlte. Nachdem 1813 Preußen sich mit Rußland gegen Napoleon verbündet, vereinigte sich W. mit dem preuß. Korps von Nork und zog 7. März in Berlin ein. Von hier wurde er nach Kutusows Tode zur Hauptarmee der Verbündeten berufen, um den Oberbefehl zu übernehmen. Dieser Stellung war er nicht gewachsen. Der Verlust der Schlacht bei Großgörschen ist besonders dem Fehlen einer obern Leitung zuzuschreiben. Nach der Schlacht bei Bautzen verlor W. das Oberkommando und befehligte nach dem Waffenstillstande die bei der böhm. Armee befindlichen russ. Truppen. Auch im Feldzuge von 1814 führte er bei dieser Armee unter dem Fürsten Schwarzenberg das 6. Korps, wurde bei Bar-sur-Aube 27. Febr. verwundet und mußte Mitte März das Heer verlassen. Während der folgenden Friedenszeit wurde W. zum Feldmarschall ernannt und erhielt w1828 beim Ausbruch des Kriegs gegen die Türkei den Oberbefehl über die russ. Armee am Pruth. Er überschritt denselben und besetzte die Donaufürstentümer, nahm später auch Warna, zersplitterte indes seine Streitkräfte durch Belagerungen und wurde beim Angriff auf das feste Lager des Großveziers bei Schumla abgeschlagen, sodaß er über die Donau zurückgehen mußte. Für den Feldzug von 1829 erhielt deshalb Keich Diebitsch den Oberbefehl. W. trat in den Reichsrat, wurde 1834 vom König von Preußen in den Fürstenstand erhoben und starb 11. Juni 18430 auf einer Reise in Lemberg. lieutenant, geb. zu Darmstadt 21. April 1827, trat jung in großherzogl. hess. Dienste, begleitete 1845 den Prinzen Alexander von Hessen nach Kaukasien, nahm an den Kämpfen gegen die dortigen Bergvölker teil, war 1848 im Kriege gegen Dänemark, trat dann in russ. Dienste, wurde Adjutant des Fürsten Woronzow, kämpfte bis 1852 in Kaukasien und wurde beim Ausbruch des Orientkriegs Inspekteur der Feldlazarette. Später führte er ein Truppenkommando in Kleinasien. Im J. 1862 wurde W. dem Großfürsten Konstantin in Warschau als Gehilfe zugewiesen und trat 1866 in den Ruhestand, nahm jedoch im Gefolge des Kaisers 1877/78 am Türkenkriege teil und starb zu Egern am Tegernsee 16. Sept. 1878. Er war auch litterarisch thätig und schrieb, außer Gedichten, Kavallerie-Skizzend (Darmst. 1859) und Deutschland in die Schranken lo (Darmst. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 710Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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